Das Planetenlabor

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Raumfahrt : Berlin greift nach den Sternen
Hier wird der Merkur simuliert. Alessandro Maturilli und Gisbert Peter im Planetenlabor des DLR Berlin.
Hier wird der Merkur simuliert. Alessandro Maturilli und Gisbert Peter im Planetenlabor des DLR Berlin.Foto: DAVIDS/Sven Darmer


Analysiert wird der kleinste Planet unseres Sonnensystems schon jetzt, denn in Raum 424 befindet sich der Merkur in Miniaturformat. „Grillmeister“ steht auf einem mit Flammen verzierten Aufkleber an der Tür. Der Grillmeister heißt Alessandro Maturilli, er steht vor einem silberglänzenden Kasten mit drei schwarzen Griffen. Statt Fleisch grillt er darin Gestein. „Hier reproduzieren wir den Merkur“, sagt Maturilli.

Von allen Planeten in unserem Sonnensystem ist der Merkur der Sonne am nächsten. Mehr als 400 Grad herrschen an der Oberfläche. Daher ist es auch nicht möglich, auf dem Merkur zu landen. Stattdessen soll er mit der europäisch-japanischen Forschungsmission BepiColombo erkundet werden. Der Start der Raumsonde ist für Oktober geplant, nach sieben Jahren Flugzeit sollen dann zwei Satelliten den Merkur umkreisen, beobachten und analysieren.

Zwei der wesentlichen Instrumente dafür wurden in Berlin entwickelt. Zum einen ein Laseraltimeter. Das schickt aus bis zu tausend Kilometer Höhe zehn Mal pro Sekunde hochkonzentrierte Laserstrahlen auf den Merkur und misst ihre Reflexion. Damit soll zum ersten Mal die komplette Oberfläche des Planeten kartografiert werden.

Das zweite Spezialinstrument ist eine silberne Röhre, kaum größer als eine Halblitergetränkedose. Mertis haben es die Wissenschaftler getauft, es ist ein Infrarot-Spektrometer, das Wärmestrahlung messen kann. Aus den Ergebnissen lässt sich dann ableiten, aus welchen Mineralien die Oberfläche des Merkur besteht. Auch die Krater an den Polen des Planeten sollen damit analysiert werden. Messungen der US-Raumsonde Messenger haben vor sechs Jahren gezeigt, dass sich in den Kratern an den Polen, wo es deutlich kälter ist, womöglich gefrorenes Wasser befindet. Das Berliner Messgerät soll diese Vermutung bestätigen.

Ein Exemplar davon steckt gerade im Labor, allerdings nicht in Maturillis Grill, sondern in einer Kältekammer, die mit flüssigem Stickstoff auf minus 196 Grad Celsius gekühlt werden kann. So kann man Temperaturunterschiede von 800 Grad erzeugen und Instrumente für die verschiedenen Anforderungen des Weltraumabenteuers testen.

„Niemand sonst hat so eine Kammer“

Derweil glüht eine Gesteinsprobe im Merkurofen bei 540 Grad. Maturilli beobachtet das Metallgefäß mit den schwarzen Krümeln auf einem Computerbildschirm an der Wand. „Das Bild kommt von einer handelsüblichen Webcam“, sagt der Laborleiter. „Ich habe mich selbst gewundert, dass die diese Temperaturen aushalten.“ Zumindest einige Monate. Dann sehen sie aus wie der deformierte schwarze Vorgänger im Regal.

Wichtiger als das Videobild sind die grünen, roten und gelben Kurven auf dem Diagramm daneben. Die zeigen die Messergebnisse des Spektrometers, das an den Ofen angeschlossen ist. Das Forscherteam testet so die Werte verschiedenster Gesteine, später können sie anhand dessen mit den Ergebnissen der Raumsonde auf die Beschaffenheit des Merkurs schließen.

„Niemand sonst hat so eine Kammer“, sagt Maturilli. Daher gibt es auch immer wieder Anfragen aus aller Welt, auch von der Nasa. „Wir können damit aber nicht nur nach oben, sondern auch nach unten schauen“, sagt Maturilli. Denn die aktuelle Probe im Berliner Merkursimulator dient ausnahmsweise nicht der Vorbereitung der Raummission. Es ist Basaltgestein vom Ätna, das ein Vulkanologe analysieren lässt, um mehr über die Vorgänge im Inneren der Erde zu verstehen.

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