Rechenspiele mit Swapsätzen : Wie Berlin schlagartig schuldenfrei werden kann

Unser Autor hat gerechnet – und einen Weg gefunden, wie die Hauptstadt aus den Miesen kommt. Doch ein berlinspezifisches Risiko gibt es. Eine Glosse.

Berlin hat 54 Milliarden Euro Miese am Kreditmarkt – 14.000 Euro pro Nase.
Berlin hat 54 Milliarden Euro Miese am Kreditmarkt – 14.000 Euro pro Nase.Foto: istock

Gewöhnlich lesen Sie bei uns Haupt-, Neben-, Schachtel- und Stummelsätze („Dufte Sache!“). Doch heute verkünden wir hier ausnahmsweise die Swapsätze. Die hat jetzt die Finanzverwaltung auf Anfrage von Danny Freymark (CDU) mitgeteilt. Der wollte wissen, wie es Berlins Schulden so geht.

Prächtig, muss man sagen. Sie vermehren sich nicht mehr wie einst, aber 54 Milliarden Berliner Miese am Kreditmarkt sind ja noch eine beachtliche Hausnummer. 14.000 Euro pro Nase! Mehr als die Hälfte steckt in Form von Wertpapieren, der Rest hauptsächlich in Schuldscheinen von Banken, Sparkassen und Versicherungsgesellschaften.

Das Minus bringt kurzfristig ein Plus

Das Minus ist gut angelegt – wegen der Swapsätze. Die ergeben die Referenzzinsen, zu denen sich Berlin das Geld pumpt, das es nicht hat. Der zehnjährige Swapsatz liegt laut Verwaltung bei 0,017 Prozent und für kürzere Laufzeiten im Negativbereich.

Wenn der Finanzsenator also, sagen wir, gerade eine ganze Milliarde braucht, muss er nur eine knappe Milliarde zurückzahlen und kann mit dem Rest … – ja, was eigentlich? Vielleicht weitere Kredite aufnehmen, um noch stärker von den negativen Swapsätzen zu profitieren?

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Mit einem Kredit über 5,4 Billionen zum Zinssatz von -1% p.a. wäre Berlin schlagartig schuldenfrei. Ob Herr Kollatz das weiß? Vielleicht sollte man es ihm mal faxen; das Perpetuum mobile wird schließlich nicht alle Tage erfunden, nicht mal im Start-up-Hub Berlin. Und wenn die Idee nicht mehr heute umgesetzt werden kann, dann morgen: Kredite über 20 Milliarden Euro laufen schon in den nächsten vier Jahren aus, weitere 15 Milliarden in den nächsten acht Jahren. Die ließen sich dann mit den eingenommenen Negativzinsen ablösen - voilà!

Im Grunde ist das Geschäft todsicher, aber es gibt ein berlinspezifisches Risiko: Falls die 5,4 Billionen nicht rechtzeitig zurückgezahlt werden, weil, sagen wir, die Verkehrslenkung oder die Untere Denkmalschutzbehörde von Tempeldorf noch Abstimmungsbedarf hatten, drohen positive Zinsen. Das wäre dann äußerst negativ.

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