Restaurants und Cafés sind wieder geöffnet : Das sagen Berliner zur Wiedereröffnung

Seit Freitag dürfen Restaurants und Cafés in der Hauptstadt wieder Gäste empfangen. Wie kommt das bei den Berlinern an?

Berlins Gastronomie bereit die Öffnung vor: Ab Freitag dürfen Cafés und Restaurants wieder Gäste empfangen.
Berlins Gastronomie bereit die Öffnung vor: Ab Freitag dürfen Cafés und Restaurants wieder Gäste empfangen.Foto: imago images/Sabine Gudath

Ab Freitag sind Restaurantbesuche wieder möglich. Statt Pizza aus dem Pappkarton gibt es wieder dampfend duftende Pasta mit einem schönen Glas Chianti beim Lieblingsitaliener. Den eigenen Wohnzimmertisch hat man sich ja doch gründlichst leid gesehen in den letzten Wochen. Doch in welche Wirklichkeit kehren wir zurück? In den letzten Tagen ächzten viele Wirte unter der Notwendigkeit, Logistikkonzepte zu entwerfen und die notwendigen Abstände zu vermessen.

Reservierung und Gästelisten werden dringlich empfohlen, die Speisekarten werden oftmals komprimiert, und Kellner kommen mit Mundschutz an den Tisch. Die Lust darauf scheint eher gedämpft zu sein. 

Die neue Notwendigkeit zur Vorsicht hemmt den Appetit. So wie früher wird es zunächst nicht sein. Das schöne Wetter wird immerhin die Biergärten im Rahmen des Möglichen füllen. Hier erzählen mehr und weniger bekannte Berliner und Berlinerinnen, wie sie die neuen Regeln finden.

„MEIN LIEBLINGSRESTAURANT WERDE ICH UNTERSTÜTZEN“

Als ich gehört habe, dass die Restaurants wieder öffnen, habe ich als erstes mal im „Hot Spot“ reserviert, frei nach dem Motto: „Ich will einen Tisch, egal, ob drinnen oder draußen“. So oft wie früher werde ich aber nicht ausgehen, werde mich auf meine Lieblingsrestaurants konzentrieren. Das ist ja auch eine Sache der Solidarität.

Natürlich wirken die Vorsichtsmaßnahmen in den Restaurants etwas spooky. Ich sehe das rational. Das brauchen wir, wenn wir nicht Verhältnisse haben wollen wie in der Lombardei. Anstelle von Treffen in Restaurants würde ich jetzt eher auch mal zwei Leute nach Hause einladen. Gemeinsam zu tafeln, war mir immer schon wichtig, und ich koche sehr gern. In den letzten Wochen habe ich wunderschöne Rezepte ausprobiert. Renate Künast, Politikerin

Grünen-Politikerin Renate Künast will sich auf ihr Lieblingsrestaurant konzentrieren.
Grünen-Politikerin Renate Künast will sich auf ihr Lieblingsrestaurant konzentrieren.Foto: privat

„ES FEHLT DIE UNBESCHWERTHEIT“

Alles, was drinnen stattfindet, kommt für mich derzeit noch nicht in Frage. Für einen Restaurantbesuch riskiere ich nichts. Es geht dabei doch eigentlich darum, entspannt mit Freunden in ausgelassener Runde zu sitzen, einen schönen Wein zu trinken, zu lachen, auch mal mit den Leuten am Nachbartisch ins Gespräch zu kommen. Dafür klingen die Regeln zu verspannt. Bis ein Impfstoff da ist, fehlt die Unbeschwertheit.

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Das Risiko, dass die Bedienung nicht immer an alles denkt, ist ebenfalls groß. Ich würde auch künftig Restaurants unterstützen, die ich mag. Essen zum Mitnehmen kaufe ich gern bei „Good Friends“. Auch Spitzenrestaurants liefern inzwischen nach Hause. Kleine Essen daheim mit dem nötigen Abstand zwischen den Gästen kann ich mir derzeit schon wieder besser vorstellen. In einen Biergarten, wo man an der frischen Luft sitzt, würde ich auch gehen. Christiane Stützle, Rechtsanwältin

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„ESSEN GEHEN IST DAS NEUE AUSGEHEN“

Ich bin etwas gespalten. Normalerweise gehe ich mindestens einmal die Woche ins Restaurant, also freue ich mich, dass sie wieder öffnen. Da Bars und Clubs geschlossen sind, werden Restaurantbesuche demnächst wohl das neue Ausgehen sein. Es wird die Gelegenheit sein, sich aufzuhübschen, etwas zu unternehmen, zu sehen und gesehen zu werden.

Aber ich habe Angst, dass es sich trotzdem verboten und falsch anfühlen wird unter diesen Umständen. Auch shoppen hat sich mit der Security vor den Läden und den Einlassbeschränkungen komisch angefühlt. Gerade ist Ramadan. Sonst sind wir oft mit der ganzen Familie zum Fastenbrechen ins Restaurant gegangen. Das fehlt mir. Auf jeden Fall werde ich lieber draußen als drinnen sitzen. Sieba Abadi, Studentin

„VIELE DENKEN CORONA IST VORBEI“

Ich werd jetzt nicht gleich losstürmen, um ein Restaurant zu besuchen. In einigen unserer Lieblingsrestaurants, zum Beispiel beim Vietnamesen in der Kantstraße, sitzen wir immer drinnen. Da würde ich mich im Moment unwohl fühlen. Nicht wegen der Köche, den vertraue ich, die passen bestimmt auf. Aber wenn ich unterwegs bin, bekomme ich den Eindruck, viele denken, Corona sei vorbei. Tatsächlich sind wir aber noch mittendrin.

Drehbuchautor Peter Balke freut sich auf die Wiedereröffnung der Gaststätten.
Drehbuchautor Peter Balke freut sich auf die Wiedereröffnung der Gaststätten.Foto: Sven Darmer

Hinzu kommt, dass ich selber sehr gerne koche. Normalerweise essen wir häufiger außerhalb. Aber im Moment muss es einfach nicht sein. Es wäre toll, mal wieder mit anderen auszugehen. Aber unsere Nachbarn, die zur Hochrisikogruppe zählen, möchten das im Moment nicht. Wir werden bestimmt mal wieder in den Alten Krug Dahlem gehen oder ins Teehaus im Englischen Garten und draußen sitzen. Peter Balke, Drehbuchautor

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„DIE MEISTEN FINDEN ES ZU UNSICHER“

Reserviert habe ich noch nicht. Im Moment bin ich zwiegespalten. Privat bin ich nicht diejenige, die sofort losrennt, weil es mir im Moment nicht als die beste Idee erscheint, mich in einen kleinen Raum mit zehn Personen zu pressen.

Foodbloggerin Mary Scherpe ist noch zwiegespalten, ob sie wieder Restaurants besuchen soll. 
Foodbloggerin Mary Scherpe ist noch zwiegespalten, ob sie wieder Restaurants besuchen soll. Foto: privat

Das ist eine superschwierige Situation. Ich habe eine Umfrage gemacht bei mehr als 430 Leuten. Von denen sagten 40 Prozent, dass sie es noch nicht sicher finden, wieder ins Restaurant zu gehen. Die anderen wollten überwiegend draußen sitzen. Mary Scherpe, Foodbloggerin

„EIN SCHRITT IN DIE NEUE NORMALITÄT“

Ich freue mich über das Signal der Wiedereröffnung, weil das ein wichtiger Schritt zu einer neuen Normalität ist. Persönlich sehe ich mich eher draußen in einem sommerlichen Restaurant, wo man nicht dauernd an Infektionsketten denken muss. Ich nehme das Virus sehr ernst.

Deshalb ist es mir wichtig, dass die Gastronomen die Regeln befolgen, ohne dass darüber erst hochnotpeinliche Diskussionen geführt werden. Klarheit führt letztlich zur Entspannung und dazu, dass wir wieder genussfähig werden. Florian Drücke, Manager

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