Revierförster sind alarmiert : Schweinepest bedroht auch Berliner Bauern

950 Hausschweine leben in Berlin. Tote Wildschweine werden auf den Erreger untersucht.

Wenn Wildschweine Essensreste fressen, können sie sich dabei infizieren.
Wenn Wildschweine Essensreste fressen, können sie sich dabei infizieren.Foto: Gregor Fischer/dpa

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) lässt auch Hauptstadtbauern bibbern. 950 Hausschweine leben derzeit im Stadtgebiet, wie die zuständige Senatsverwaltung für Verbraucherschutz mitteilt. Seitdem die tödliche Seuche in einigen osteuropäischen Ländern grassiere, würden auch in Berlin alle aufgefundenen Wildschweinkadaver auf den ASP-Erreger untersucht, erklärte ein Sprecher.

Wildschweine können die Krankheit übertragen und würden genau wie Hausschweine relativ schnell an der Pest zugrunde gehen. Brandenburg hat deswegen die Abschussprämien für Wildschweine erhöht, in Berlin gibt es nur wenige privat organisierte Jagden auf Schwarzwild. Zuständig für die Jagd sind in der Regel die staatlichen Revierförstereien. „Jährlich werden rund 1200 bis 2000 Wildschweine geschossen“, sagt der Wildtierexperte der Senatsverwaltung für Umwelt, Derk Ehlert. Diese Abschussquote sei auch nötig, damit der Bestand nicht überhandnimmt. Die Jagd weiter zu intensivieren sei im Stadtgebiet aber kaum möglich, da selbst in abgelegenen Waldstücken am Stadtrand Jogger, Radfahrer oder Spaziergänger das „Ansitzen“ störten. Treibjagden wie auf dem Land gebe es nur in Ausnahmefällen.

200 Jäger sind im Berliner Stadtgebiet aktiv

Rund 200 Jäger sind laut Ehlert im Stadtgebiet aktiv, darunter die Revierförster selbst, ehrenamtliche „Stadtjäger“ und rund 120 „Begehungsschein-Inhaber“, die für die Jagderlaubnis rund 400 Euro im Jahr bezahlen. Die erlegten Tiere müssen sie, anders als Jagdpächter, bei den Forstämtern abliefern, die das Fleisch vermarkten. Wildschweine dürfen das ganze Jahr über gejagt werden, mit Ausnahme von Bachen mit Frischlingen. Nach Schätzungen wird jedes Jahr rund die Hälfte des Wildschweinbestandes erlegt. „Die Futtergrundlage ist in der Stadt sehr gut“, sagt Ehlert. Die Schweine ernähren sich vor allem von Eicheln, Würmern und Nahrungsabfällen.

Gejagt wird ausschließlich in den Wäldern und auf den Äckern im Stadtgebiet, Siedlungsflächen gelten als befriedete Zonen. Rund 18 000 Hektar Jagdfläche gibt es in der Stadt, davon gehören 15 000 zu den Förstereien, die größte Fläche – rund 6700 Hektar – gehört zum Forstamt Köpenick, die kleinste – rund 1400 Hektar – zum Forstamt Pankow. Auf 2600 Hektar wird privat gejagt. Es existieren vier Jagdgenossenschaften (ab 150 Hektar) und drei „Eigenjagden“ (ab 75 Hektar).

Wildschweine gelten als reviertreu. Berliner Schweine wandern also nicht einfach nach Brandenburg aus oder umgekehrt. Die Gefahr, dass Wildschweine die Pest aus Polen einschleppen, ist daher eher gering. Allerdings können sie infizierte Essensreste fressen, die von Reisenden weggeworfen wurden oder in Abfallbehältern landen, und sich dadurch anstecken. Der Erreger bleibt noch über Wochen in infizierten Fleischprodukten aktiv, ist für den Menschen aber ungefährlich.

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