Rosinenbomber über Berlin : „Noch nicht mal ’ne Platzrunde“

Brummen, Flügelwackeln, weg sind sie: Ein Schwarm Rosinenbomber flog zum Luftbrücken-Jubiläum übers Tempelhofer Feld.

In Formation. Kurz nach 15 Uhr tauchten die ersten Maschinen unter den Wolken auf.
In Formation. Kurz nach 15 Uhr tauchten die ersten Maschinen unter den Wolken auf.Foto: REUTERS

Kurze Show, großer Frust. „Sie kommen, sie kommen!“, ruft ein kleiner Junge, zeigt zum Himmel und rennt über die Wiese auf dem Tempelhofer Feld den kleinen dunklen Punkten in der Ferne entgegen. Es ist Sonntag, kurz nach 15 Uhr.

Leises Grummeln. Die Punkte werden größer, wie Hummeln hängen sie jetzt unter der Wolkendecke, gewinnen Flugzeugkonturen. Gut 15 zweimotorige DC-3- Maschinen halten Kurs auf Tempelhof, brummen in etwa 400 Meter Höhe über den legendären einstigen Start- und Landeplatz der Berliner Luftbrücke. Flügelwackeln, knapp 60 Sekunden Spektakel zur Erinnerung an die spektakuläre Hilfsaktion. Dann verschwindet der Schwarm rasch Richtung Lichtenberg. „Noch nicht mal ’ne Platzrunde“, sagt Marika Jung, die Enttäuschung ist ihr anzusehen. Die Studentin ist extra aus Steglitz gekommen. „Schade, dass sie hier nicht landen durften. Rosinenbomber zum Greifen nah, wäre toll gewesen.“

Mehrere 100 Zuschauer haben sich auf dem Tempelhofer Feld versammelt, um das Comeback der fliegenden Oldtimer live zu erleben. Ein eher kümmerliches Publikum. Der kurze Überflug hat die Berliner offenbar nicht allzu sehr angelockt.

„Wo fliegen sie denn?“

Ursprünglich waren die Pläne zur Feier der genialen Hilfsaktion aus der Luft ja vielversprechender gewesen: Der „Förderverein Luftbrücke Berlin 70“, Organisator der DC-3-Anfluges, wollte 20 „Rosinenbomber“, mit denen West-Berlin während der Blockade von 1948 bis 1949 versorgt wurde, während eines Festes auf dem Tempelhofer Feld landen lassen. Symbolkräftig sollten die aus allen Kontinenten extra zum Jubiläum nach Deutschland eingeflogenen Maschinen zuvor noch übers Brandenburger Tor brummen.

Aber beides scheiterte an behördlichen Verboten, am Desinteresse des Senats und wohl auch an organisatorischen Pannen der Veranstalter. Am Brandenburger Tor hätten die Maschinen ins Flugbeschränkungsgebiet um den Reichstag einfliegen müssen, offenbar ein unlösbares Problem, anders als beim Anflug der siegreichen Fußballnationalmannschaft der WM 2014. Am Tempelhofer Feld wurde auf Gesetzesparagrafen verwiesen. Das Areal müsse zugänglich bleiben.

„Da hätte man doch eine Ausnahme machen können“, ärgern sich Sigrid und Peter Jens aus Schöneberg, bevor die um 14.40 Uhr in Faßberg gestartete Luftflotte heranbrummt. Dann lacht er und sagt, er sei 1949 geboren. „Ein echtes Luftbrücken-Baby“. Überhaupt, die Generation 70 plus überwiegt im Publikum. „Die Luftbrücke“, meint Jens, „ist den Jüngeren halt nicht mehr so nah.“

Unterdessen hat sich Thomas Winter (72) aus Wilmersdorf mit seinem fernrohrlangen Teleobjektiv an der einstigen Runway postiert. Neben zehn weiteren Fotografen. Es brummt. „Wo fliegen sie denn?“ ruft einer. Dann reißen alle ihre Telekanonen hoch.

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