Berlin : Sanfte Songs und wilde Worte Adam Green tritt heute

zur Mondfinsternis auf

Johannes Boie

Graues Sweatshirt, weißes Hemd, karierte Bügelhose – rein äußerlich wäre Adam Green auf einer Pressekonferenz von 3sat und dem ZDF Theaterkanal zwischen Theater- und Klassik-Künstlern kaum aufgefallen. Green ist einer von mehreren Künstlern, die heute Nacht um 23.44 auf 3sat ein Konzert anlässlich der 33-minütigen Mondfinsternis geben (siehe auch Stadtlichter unten). Und bis auf Green sind die Stars, die den Mond besingen werden, eher von der zahmen Sorte: Barbara Sukowa wird vertonte Eichendorff-Gedichte singen und Opernstar Christine Schäfer will Schuberts „An den Mond“ zum Besten geben. Alles ganz ruhig also.

Doch als im hinteren Bereich des Raumes ein Teller herunterfällt, ist Green die Freude am Krawall sofort anzusehen: Er weiß, was man von einem Rockstar seiner Dimension erwartet – zumindest für einige kurze Augenblicke, bevor er sich wieder setzt und Fragen beantwortet. Etwas später steht der wilde Sänger der sanften Songs wieder auf und klopft einem Journalisten auf die Schulter: „In Berlin will ich mir einen Film anschauen.“ Davor hatte er auf die Frage, was er in Berlin sehen wolle, noch „Auschwitz oder so“ geantwortet.

Doch die Programmverantwortlichen wussten genau, warum sie den New Yorker verpflichtet haben. Acht Songs wird er singen, einer weicher als der andere: „Friends of mine“ ist ebenso dabei wie sein Hit „Tropical Island“. Außerdem will er ein Duett mit seiner puertoricanischen Freundin Loribeth Capella singen. Mit seinen ruhigen, aber cleveren Songs hat sich Green längst in die Herzen der europäischen Alternative-Fans gesungen. Als Protagonist der „Anti-Folk“-Strömung haben ihn vor allem deutsche Feuilletons gefeiert. Zuletzt gab er im März vergangenen Jahres ein bejubeltes Konzert im Tempodrom.

Nach der Pressekonferenz erklärte er im Nieselregen, was ihm an Berlin gefällt: „Schwarzfahren“. In New York hätten sie ihn dafür eine Nacht ins Gefängnis gesteckt, hier ginge das „easy“. Außerdem habe er sich ganz oft die Verfilmung des Drogenromans „Christiane F.“ angesehen. Daher wisse er, dass Berlin schon immer ein wilder Ort gewesen sei. „Ich hab schon oft darüber nachgedacht, hierherzuziehen.“

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