Gemeinsame Sache in Neukölln 2017 : Vorlesen begeistert - die ganze Familie

Japanisches Erzähltheater und Aktivitäten rund um den Garten können sich sehen lassen. Das Welcome Festival lockt mit selbstgekochtem Essen.

Lukas Haas Helke Ellersiek
Hier hören alle zu.
Hier hören alle zu.Foto: Lukas Haas

"Hat der Schmetterling nen Schnurrbart?", fragt das Mädchen und alle Kinder kichern, auch die Kita-Betreuerinnen schmunzeln. Alle Beteiligten haben sichtlich Spaß. Die Integrationskita Neukölln veranstaltet im Rahmen der Aktionstage "Gemeinsame Sache" ein Vorlesen für Kinder, an dem ein Mitglied der Lebenshilfe den Kindern Geschichten vorliest.

"Lesen spielt eine große Rolle", sagt Franziska Rössel, Sprachfachkraft an der Kita. Sie hat extra ein japanisches Erzähltheater dabei, das den Text visualisiert. "Wir versuchen die Kindern und auch die Familien ans Lesen heranzuführen. Ziel ist es, dass auch Zuhause gelesen wird." Bei solch großer Begeisterung definitiv erreichbar!

Vita domus Rixdorf - Obdach für wohnungslose Frauen

Das gemeinsame Gärtnern bringt zusammen.
Das gemeinsame Gärtnern bringt zusammen.Foto: Lukas Haas

"Warum warten sie denn nicht, ich kann Ihnen doch helfen." Die Bewohnerin stürmt herbei, um anderen Helfern zur Hand zu gehen. Denn sie verschönern gerade den Garten von Vita domus, eine Einrichtung für wohnungslose Frauen, die teilweise mit Kindern dort leben. Dafür wurden in den letzten Tagen Blumenkästen gebaut und seit längerem ein Kompost angelegt.

"Es ist wichtig auch mal etwas abseits des Alltags gemeinsam zu machen", sagt Tamara Schür, Leiterin der Einrichtung. "Manche Bewohnerinnen begegnen sich danach ganz anders auf dem Flur." Die Aktion bringt letztendlich mehr als nur einen bunteren Garten.

Vita e.V. - Betreutes Wohnen für psychisch Kranke

Die Gartengruppe geht ans Werk.
Die Gartengruppe geht ans Werk.Foto: Lukas Haas

Schon vor der Tür der betreuten Wohneinrichtung liegt Erde. Im Flur und Gemeinschaftsraum ebenso. Denn die Klienten, zumeist Menschen mit psychischen Erkrankungen, bauen im Hinterhof ein Hochbeet. Zusammen pflanzen sie engagiert diverse Blumen und Kräuter. Ein "kleines Gartenparadies" soll es werden, damit mehr Aktivitäten draußen stattfinden können, erklärt Pawel Gawryl, zuständig für den Garten und die Gartengruppe der Eingliederungshilfe.

"Wir wollen das Beet erweitern, damit die Klienten Lust haben häufiger zur Gartengruppe zu kommen." Das Ergebnis kann sich definitiv sehen lassen.

Touristeninformation Neukölln

Heiko Büttner vor dem Rathaus Neukölln.
Heiko Büttner vor dem Rathaus Neukölln.Foto: Lukas Haas

Heiko Büttner ist selbst Raucher. Trotzdem hat er den Zigarettenstummel auf der Straße den Kampf angesagt. "Wenn die Kippen erstmal auf dem Kopfsteinpflaster liegen, ist es schwierig sie wieder wegzubekommen.", sagt er. Er arbeitet bei der Touristeninformation Neukölln. Im Rahmen des Aktionstags verteilt er deshalb mobile Aschenbecher vor dem Rathaus – kleine, wiederverschließbare Boxen, in denen man seine Kippen ausdrücken kann.

Er spricht aus Erfahrung, wenn er sagt, dass die Kartonschachteln praktisch sind. Und jeder der eine Zigarette in der Hand hat, bekommt einen.

Von Braun zu Grün.
Von Braun zu Grün.Foto: Lukas Haas

Kindern ein Gefühl für ihre Stadt geben

"Wenn Leute Langeweile haben, schick sie vorbei", ruft Christian Hoffmann, Umweltconsultant und Ingenieur, einer Freundin hinterher, obwohl schon viele Freiwillige bei der Begrünungsaktion in der Neckarstraße helfen. Christian Hoffmann ist sozusagen Stammgast beim Freiwilligenaktionstag – er macht jedes Jahr mit. Dieses Mal begrünt er gemeinsam mit Familien und Kindern aus der Nachbarschaft Baumbeete.

"Die Kinder haben sich bereit erklärt, die Pflanzen in Zukunft zu pflegen und gießen", sagt er stolz. Susanna Kahlefeld, Vorsitzende des Ausschusses für bürgerschaftliches Engagement im berliner
Abgeordnetenhaus, ist auch da. "Die Kids, die hier mitmachen, achten mehr auf die Umgebung", sagt sie. "Sie sollen ein Gefühl dafür entwickeln, dass es auch ihre Stadt ist."

Interkulturelle Tage

Ein Fest auf den Straßen Neuköllns
Ein Fest auf den Straßen NeuköllnsFoto: Lukas Haas

Was das Sozialunternehmen 'Interkular' am Neuköllner Wartheplatz auf die Beine gestellt hat, erinnert mehr an ein Volksfest als eine kleine Kiezaktion. Lachende Kinder, zahlreiche Freiwillige, die Essen verkaufen, und afrikanische Musik inklusive. Das Ganze nennt sich "Interkulturelle Tage" und findet im Rahmen der Aktion "Gemeinsame Sache" statt.

Ziel der Gruppe ist es die Nachbarschaft am Kiezwandel teilhaben zu lassen und den Interkulturellen Austausch zu fördern. Auch Bezirksstadtrat für Soziales, Jochen Biedermann, ist da und hilft als Freiwilliger mit. "In Zeiten der Gentrifizierung ist es umso wichtiger, Dinge gemeinsam zu gestalten", sagt er. "Deshalb finde ich das Projekt Klasse."

Tagesförderstätte Neukölln

Mit Müllgreifern, Müllsäcken und kleinen Eimern bewaffnet machen sich die Klienten der Tagesförderstätte Neukölln auf den Weg, um den Buschkrugfriedhof zu säubern. Die kleine Gruppe, vorwiegend Menschen mit komplexer Behinderung, putzen die Wege und sogar die Sitzbänke, damit ältere Menschen dort wieder sitzen können.
"Den Klienten macht es richtig Spaß", sagt Jeanette Hoffmann, Leiterin der Tagesförderstätte. Das ist jedoch nicht alles. Es gehe auch darum "im sozialen Raum sichtbar zu werden", um die Inklusion anzuregen.


Neuer Anstrich

Garten und Malerarbeiten Bürgerzentrum Neukölln.
Garten und Malerarbeiten Bürgerzentrum Neukölln.Foto: Helke Ellersiek

Im Bürgerzentrum Neukölln haben die Freiwilligen am Samstag gleich mehrere Baustellen bearbeitet: Der Flur und ein Zimmer bekamen einen neuen Anstrich, unterstützt von der Weddinger Grafikerin Olga Veer.

Auf dem Balkon siebten drei Helfer das Granulat für die Blumenkästen aus. "Das ist zu teuer, um es jedes Jahr neu zu kaufen", sagt Koordinatorin Marina Friedenberger.

Oben auf dem Dach gruben zehn Frauen zusammen die Erde aus den zwei Jahre alten Hochbeeten und tauschten den Strohkern aus.

Fleißig mit dabei die 80-jährige Waltraud Knoblauch: "Ich hatte früher auch einen Garten in Britz, mit einem großen Birnbaum", erzählt sie, "den vermisse ich sehr." So ein Dachgarten mit Aussicht sei aber auch schön.

Gutes Essen bei schlechtem Wetter

Das Welcomefest Neukölln auf dem Tempelhofer Feld unter dem Motto: "Für eine solidarische Nachbarschaft - interkulturelle Tage".
Das Welcomefest Neukölln auf dem Tempelhofer Feld unter dem Motto: "Für eine solidarische Nachbarschaft - interkulturelle Tage".Foto: Helke Ellersiek

Das dritte Welcome Festival auf dem Tempelhofer Feld litt am frühen Samstagnachmittag noch unter dem schlechten Wetter.

Der guten Laune an den Ständen voller Helfer tat das keinen Abbruch: Gut gelaunt verteilten Freiwillige kiloweise selbstgekochtes Essen aus riesigen Töpfen an die wenigen hundert Gäste.

"In den letzten beiden Jahren waren wir immer um die 4.000 Leute", sagte Thomas Gamper vom Verein "Schön dass ihr da seid."

"Wir hoffen aber, dass es heute Nachmittag bessert wird." Das spendenfinanzierte Willkommensfest für Geflüchtete hat viel auf die Beine gestellt: "Besonders stolz sind wir auf unser Frauenzelt." Dort gab es den ganzen Tag Selbstverteidigungskurse und Workshops.

Unterstützen kann man das Fest noch auf Startnext.

Popráci räumt auf

Fünf junge Frauen, die alle aussehen wie die Künstlerin Frida Kahlo, rollen unter großem Jubel der Menge einen Strohballen über das Kopfsteinpflaster, vor ihnen liegen uneinholbar Männer mit blonden Perrücken. Popráci, so heißt das Rixdorfer Strohballenrollen auf dem Richardplatz. Verbunden ist es mit einem großen Straßenfest, mit Ständen für Handarbeit, selbstgemachtes Essen und Infos für Anwohner. Danach wird zusammen aufgeräumt, die Veranstalter rufen dazu auf der Bühne auf. Freiwillige kriegen dann Zangen, Besen und Müllsäcke.


Rennen, werfen und springen für's Sportabzeichen

Beim Verein LC Stolpertruppe Berlin konnten sportlich Aktive am Samstag wieder kostenlos ihre Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen abnehmen lassen. Das braucht man mittlerweile für immer mehr Berufe, beispielsweise bei der Polizei, wo die Uhrkunde Bewerbungsvoraussetzung ist. "Wir haben aber alle Altersgruppen hier", sagt Friedrich Veuhoff, einer der vier ehrenamtlichen Prüfungsabnehmer vom Verein.

"Heute war die Jüngste neun Jahre alt, die Älteste 75." Auf dem Sportplatz in der Lipschitzallee können Kandidaten jeden Mittwoch und Samstag ihre Prüfungen absolvieren - ganzjährig, während viele andere Leichtathletikplätze ab Oktober in Winterpause gehen. Mit der Prüfungskarte können die Absolventen dann beim Deutschen Olympischen Sportbund ihre Urkunde abholen.

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