Bestimmte Wetterkonstellationen treten immer häufiger auf - und bringen Unglück über die Menschen.

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Scharf gewürzte Wetterküche : Vom Rekordmärz zum Aprilwetter
Heiter bis schaurig. Wenn der Meteorologe Jörg Riemann das Berliner Wetter erklärt, beginnt er mit der Weltkarte. Weil alles mit allem zusammenhängt, ist auch vieles möglich. Zum Beispiel die von der Wärme geweckten Weidenkätzchen vor einer Woche und der eisige Graupel an diesem Samstag.
Heiter bis schaurig. Wenn der Meteorologe Jörg Riemann das Berliner Wetter erklärt, beginnt er mit der Weltkarte. Weil alles mit...Fotos: Kitty Kleist-Heinrich; dpa; Kai-Uwe Heinrich

In dieser Nähe liegt der Schlüssel zur Erklärung der scheinbar gehäuften Extreme: Eine Studie der Universität Halle über das Wetter von 1902 bis 2000 ergab, dass sich das Winterwetter um 1950 umgestellt hat: Seitdem kam die Luft viel häufiger aus Westen, was milde, oft regnerische Winter nach sich zog. „Nach meinem Eindruck ändert sich das gerade wieder“, sagt Riemann mit Blick auf die vergangenen drei Winter mit ihren eisigen und teils schneereichen Perioden.

Der März hätte ein Rekordmonat werden können. Es gab Sonne satt:

Frühling in Berlin
Auch am Sonntag lagen die Temperaturen bei knapp 30 Grad - erfrischen kann man sich im Wasser, wie dieses Kind, das im Märchenbrunnen im Friedrichshain badet.Weitere Bilder anzeigen
1 von 56Foto: dpa
29.04.2012 20:39Auch am Sonntag lagen die Temperaturen bei knapp 30 Grad - erfrischen kann man sich im Wasser, wie dieses Kind, das im...

Im Sommer dagegen häufen sich laut der Studie gleich drei Wetterkonstellationen mit Potenzial zu Extremen: Hochdrucklagen, bei denen wochenlang die Sonne vom blauen Himmel scheint und alles verdorren lässt wie im Sommer 2003. Das Gegenstück sind die ebenfalls gehäuften Troglagen, bei denen ein Tief genau über uns festhängt und tagelangen Regen bringt. Extremfälle waren die schweren Hochwasser von Oder, Neiße und Elbe, die alle bei solchem Wetter entstanden, ebenso der Juli 2011, in dem 200 Liter Regen pro Quadratmeter prasselten. Nur im August 1948 war es noch etwas mehr. Und im Dezember 2010 brachte eine winterliche Troglage die mit 43 Zentimetern höchste Neuschneedecke eines Monats.

Der dritte und spektakulärste Trend ist der zu Südwest-Lagen, bei denen die Luft vom Mittelmeer oder aus Nordafrika kommt. Solange es sonnig bleibt, sind sommerliche Temperaturrekorde drin. Dass der bisherige Höchstwert von 1959 auch in Zeiten des Klimawandels immer wieder knapp verfehlt wurde, zeigt für Riemann, „dass die Natur ihre Grenzen hat“.

Lädt sich der südwestliche Luftstrom mit Feuchtigkeit auf, ergibt das im Sommer Unwetterpotenzial. Dass der Tagesrekord von 125 Litern, die am 14. August 1948 herunterkamen, bisher nicht offiziell überboten wurde, ist Zufall, denn die Referenz-Messstelle befindet sich bei der FU in Dahlem, und die schwersten Gewitter der vergangenen Jahre entluden sich vor allem über anderen Kiezen.

Das Fazit des Meteorologen: Nicht die Extremwerte häufen sich, sondern die potenziell rekordverdächtigen Wetterlagen. „50 Grad werden wir in Berlin auch in Zukunft nicht bekommen. Dank Atlantik und Gebirge sind wir mit unserem Wetter hier schon gut bedient.“

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