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Scheeres lobt Schwerpunkt Elektromobilität : Die Bildungssenatorin besuchte den Neubau am OSZ

Künftig werden Kraftfahrzeugmechatroniker sich mit Elektroautos auskennen müssen. Das zuständige Oberstufenzentrum hat darauf reagiert. Ein Besuch.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres inspiziert mit zwei Berufsschülern ein Auto im OSZ für Kraftfahrzeugtechnik.
Bildungssenatorin Sandra Scheeres inspiziert mit zwei Berufsschülern ein Auto im OSZ für Kraftfahrzeugtechnik.Foto: tabu

Ein bisschen trist sieht es aus an diesem Dezembermorgen. Was daran liegt, dass es bis auf einen Kran noch nicht viel zu sehen gibt. Doch auf der Fläche hinter dem Baustellenzaun, soll in zwei Jahren die in Beton gegossene Zukunft stehen: der „Neubau E-Mobilität“. Er wird zum Oberstufenzentrum für Kraftfahrzeugtechnik (OSZ) in Charlottenburg gehören. Hier werden seit Jahren junge Menschen zu Kraftfahrzeugmechatronikern ausgebildet.

Und weil mit der Mobilitätswende die Tage des Verbrennungsmotors gezählt sind, hat das auch Folgen für deren Ausbildung. Wer künftig beruflich Fahrzeuge reparieren oder warten möchte, muss sich mit Elektromobilität auskennen. Das OSZ hat darauf reagiert und den elektrischen Antrieb zum Schwerpunkt gemacht.

Das OSZ in Charlottenburg.
Das OSZ in Charlottenburg.Foto: tabu

Das neue Gebäude soll nach Fertigstellung vier Werkstatt-Labore zählen, vier Seminarräume, ein Mehrzwecksaal, drei Geschosse und ein Windrad sowie eine Photovoitalkanlage auf dem Dach. Vor vier Wochen ging es los mit den Bauarbeiten. Am Mittwoch kam Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zu Besuch an die Schule, um sich das Ganze genauer anzusehen. „Wir reagieren an unseren Oberstufenzentren schnell auf die sich verändernden beruflichen Anforderungen“, sagt Scheeres.

Gerade beim Thema Kraftfahrzeugtechnik sei das wegen der anstehenden Mobilitätswende sehr wichtig. Geplant ist, dass der 1250 Quadratmeter große Neubau 2021 fertig sein wird. Er kostet neun Millionen Euro. Knapp eine Million Euro kommen vom Land Berlin, den Rest trägt der Bund.

2000 Schüler lernen derzeit am OSZ, auch junge Geflüchtete in Willkommensklassen sind darunter. Schulleiter Ronald Rahmig stellt klar: „Die Mobilität der Zukunft muss in der Ausbildung fest verankert sein.“ Schließlich wolle man den jungen Menschen nicht zur einen Berufsschulabschluss bieten, sondern sie auch fit machen für die nächsten 45 Jahre in ihrem Berufsleben.

Veränderung der Berufsbilder durch neue Technologien

Jörg Nolte, Geschäftsführer für Wirtschaft und Politik bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), sieht das ähnlich: „Viele Berufsbilder haben sich durch neue Technologien rasant verändert. Das gilt natürlich auch für die Kraftfahrzeugtechnik. Umso wichtiger ist es, dass die Jugendlichen bereits in der Ausbildung – also von Anfang an – die richtigen Kompetenzen erwerben. Es ist deshalb erfreulich, dass auch das OSZ für Kraftfahrzeugtechnik die Weichen für die Zukunft stellt und mit seinem Neubau das Thema Elektromobilität in den Fokus der Ausbildung rückt.“

Eine der immer noch wenigen Frauen, die sich zur Kfz-Mechatronikerin ausbilden lassen, ist Silvia Hammer. Sie absolviert gerade das dritte Lehrjahr. Dass E-Mobilität die Zukunft sein wird, ist für sie gar keine Frage. Allerdings fehlen ihrer Ansicht nach noch viel zu viele Ladestationen in der Stadt.

Zu Besuch im Werkstatt-Labor.
Zu Besuch im Werkstatt-Labor.Foto: tabu

Ihr Mitschüler Jan-Carsten Hildebrandt ergänzt: „Wenn sich die Lithium-Ionen-Akkus durchsetzen, haben der Verbrenner oder das Hybridauto keine Chance mehr.“ Mit dieser neuen Technik soll Schnelladen in rund zehn Minuten möglich werden. Doch damit die Ladezeit eines Elektroautos auf rund zehn Minuten verkürzt werden kann, müssten die Akkus eine Ladeleistung von 400 Kilowatt aushalten, was bisher nicht möglich ist. Die Forscher probieren derzeit aber Methoden aus, um das hinzubekommen.

Dieter Rau von der Kfz-Innung merkt an, dass momentan der Trend sowieso eher dahin gehe, weg von der Batterie und hin zu Wasserstoff, beziehungsweise zu synthetischen Kraftstoffen zu kommen.Silvia Hammer und Jan-Carsten Hildebrandt werden zwei von 280 bis 320 jungen Nachwuchskräften sein, die jährlich das OSZ mit bestandener Prüfung verlassen.

Senatorin Scheeres glaubt, dass durch die geplante Ansiedlung von Tesla in Brandenburg auch viele der Schüler des OSZ dort einen Arbeitsplatz finden werden.Schulleiter Rahmig und Innungschef Dieter Rau sehen das etwas anders: Grundsätzlich sei die Tesla-Ansiedlung positiv, allerdings würden dort eher Industrie-Mechatroniker gebraucht. „Aber die sogenannte ’After-Production’, also beispielsweise Firmen, die die spezielle Raumpflege der Hallen übernehmen, wird von der Ansiedlung profitieren“, vermutet Rahmig.

2000 Schüler lernen derzeit am Oberstufenzentrum für Kraftfahrzeugtechnik.
2000 Schüler lernen derzeit am Oberstufenzentrum für Kraftfahrzeugtechnik.Foto: tabu

Bei ihrem Rundgang durch das OSZ, lässt Scheeres sich noch einzelne Bereiche der Schule zeigen. In einer Klasse lernen junge Nachwuchskräfte in Kleingruppen gerade etwas über die Fach-Werkzeuge. In einer anderen Abteilung probieren sich die Schüler im Reparieren von Motorrädern und Fahrrädern. Auch dieser Zweig gehört zur Mechatroniker-Ausbildung. An einer Station machen Silvia Hammer und Jan-Carsten Hildebrandt mit der Senatorin sogar im Schnelldurchgang eine kleine Unterboden-Inspektion an einem Kleinwagen – eine klassische Aufgabe eines Kfz-Mechatronikers.

Seine Sorge: Am Schreibtisch hocken

Die beiden Schüler sind ein wenig bekümmert, dass sie beim Einzug der Elektrofahrzeuge später nicht mehr viel zu tun haben könnten. Rein praktisch. „Beim E-Auto gibt es einen Elektromotor, einen Kondensator, ja gut, da kann was kaputt sein, aber sonst ist bei so einem Fahrzeug ja nicht viel zu machen“, beschreibt Hildebrandt.

Seine Hauptsorge: Am Schreibtisch sitzen und Papierblätter bearbeiten müssen. Dafür hat er sich den Beruf nicht ausgesucht. Er liebe das Herumschrauben an Autos, das habe er von seinem Großvater schon als Kind gelernt. „Der war nämlich noch klassischer Kfz-Mechaniker“, erzählt er.

In Berlin gebe es bisher nur ein bis zwei Prozent reine Elektroautos

„Die Schüler werden auf die ganze Elektronik vorbereitet, die in den Autos mitverbaut wird“, sagt Schulleiter Rahmig. Aber eines sei klar: Beim E-Auto gebe es 50 bis 60 Prozent weniger Service-Leistung für die Werkstätten. „Das ist einfach drastisch weniger als beim Verbrenner.“ Auch darauf müsse sich die Branche einstellen.

Dieter Rau kenne bislang keinen Werkstatt-Betrieb in Berlin, der sich ausschließlich um E-Fahrzeuge kümmert. In der Hauptstadt gebe es bislang nur ein bis zwei Prozent reine Elektroautos, nimmt man die Hybridfahrzeuge dazu, seien es zehn bis 15 Prozent alternativ betriebene Verkehrsmittel. „Der Trend geht aber in den Betrieben eindeutig weg von der Fixierung auf den Verbrenner“, weiß Rau. Fast jeder Betrieb sei jetzt auch in der Lage ein E-Auto zu reparieren.

Wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sieht mit dem Schwerpunkt Elektromobilität am OSZ für Kraftfahrzeugtechnik den richtigen Schritt in die Zukunft der Stadt. „Mit rund 500 Firmen und Institutionen aus der Branche steht Berlin für die erfolgreiche Entwicklung der Elektromobilität. Ich freue mich, dass sich das OSZ mit dem Neubau für Elektromobilität fit für die Zukunft macht.“

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Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung in unserer Stadt. Diese „bedeutenden Investitionen, die die neuen Mobilitätserfordernisse von Sauberkeit, Nachhaltigkeit und Freiheit von fossilen Brennstoffen fest im Blick haben“, kämen auch der Berliner Wirtschaft zu Gute.

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