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Die Schiffsstation Kongsnaes steht unter Denkmalschutz - und soll in Zukunft ein Restaurant mit skandinavischer Küche beherbergen.

© Andreas Klaer

Schiffsstation "Kongsnaes" in Potsdam: Akquise für die Kombüse

Der Wiederaufbau der ehemaligen Kaiserlichen Matrosenstation dauert länger als bisher geplant. Der Bauherr sucht nach Gastronomen.

Eigentlich möchte Michael Linckersdorff die positiven Nachrichten für den Wiederaufbau der ehemaligen Kaiserlichen Matrosenstation „Kongsnaes“ in den Vordergrund stellen: Die rotbraun lackierte und in norwegischem Stil aus Holz gebaute Ventehalle, die einmal Platz für rund 120 Restaurantgäste bieten soll, ist „bis auf kleinere Nacharbeiten“ fertig. Selbst ein nach historischem Vorbild angefertigter Kronleuchter „hängt wieder im First der fast sakralen Halle“, wie der Berliner Bauherr Linckersdorff vor wenigen Tagen auf PNN-Anfrage schwärmte.

Doch bis Restaurantbesucher in dem Haus am Ufer des Jungfernsees auch bewirtet werden können, wird es noch bis nächstes Jahr dauern - die nächste Verschiebung für das seit Jahren gerade bei Anwohnern äußerst kritisch beäugte Projekt an der Schwanenallee. Das Problem für Linckersdorff: Einen Pächter für sein Restaurant hat er noch nicht gefunden, die Verhandlungen mit Interessenten verliefen bisher ohne Erfolg.

Pachteinnahmen für gemeinnützige Stiftung gedacht

Linckersdorff verweist auf seinen hohen Qualitätsanspruch: „Der Aufwand für die bauliche Wiederherstellung dieser norwegischen Visitenkarte in der Potsdamer Weltkulturerbelandschaft war für mich gewaltig – umso mehr fühle ich mich in der Verantwortung auch die gastronomischen Inhalte auf den Weg zu bringen.“

Für das mit Drachenköpfen geschmückte Haus in Nachbarschaft des Neuen Gartens wünsche er sich einen Küchenchef und einen Pächter, „der die Aura des Ortes begreift und den Potsdamern und ihren Gästen aus nah und fern auch ein skandinavisches Gaumenerlebnis anbietet“. Aus diesem Grund habe er auch einen griechischen Gastronomen, der Interesse an dem Projekt hatte, ablehnen müssen, bestätigte Linckersdorff.

Die "Kongsnaes"-Matrosenstation am Jungfernsee.
Die "Kongsnaes"-Matrosenstation am Jungfernsee.

© picture alliance/dpa/Soeren Strache

Doch es geht dem Investor nicht nur um das Ambiente: „Denn die Einnahmen der Pacht sind auch für meine gemeinnützige Stiftung gedacht, die gerade im Entstehen ist.“ Diese Stiftung soll wie berichtet begabte Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen fördern. „Dafür wird die Pacht für die 350 Quadratmeter auskömmlich sein müssen.“

Und selbst wenn ein Pächter gefunden wäre, würde dies nicht automatisch die sofortige Öffnung des Restaurants bedeuten – drei bis vier Monate Zeit würden dann noch benötigt. Denn erst mit einem passenden Gastronom könnte der neben der Ventehalle gelegene und ziemlich schmucklos wirkende Funktionsbau fertiggestellt werden – dort muss noch eine passende Küche eingebaut werden. Erst danach könne dieser Bau auch von Ämtern abgenommen werden. Daher sei dieses Jahr nicht mehr mit einer Eröffnung zu rechnen, machte der Investor deutlich.

Frist für Sanierung verlängert

So bleiben Linckersdorff nun erst einmal die noch nötigen Restarbeiten, die anspruchsvoll genug sind. Denn zu dem denkmalgeschützten Ensemble der Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. errichteten Matrosenstation gehören auch drei weitere historische Gebäude auf der anderen Seite der Schwanenallee, die originalgetreu saniert und künftig als Wohnhäuser genutzt werden sollen.

Noch in diesem Herbst sei zudem an der von einer polnischen Spezialfirma gefertigten Ventehalle geplant, dort nordische Bäume und Sträucher anzupflanzen. Auf solche historischen Details legt Linckersdorff erklärtermaßen viel Wert, siehe eingangs erwähnter Kronleuchter. Daneben sei es beim Projekt aber auch gelungen, allen Anforderungen der Barrierefreiheit, der Dämmwerte oder der Be- und Entlüftung gerecht zu werden, sagte Linckersdorff – und scherzte: „Der Kaiser als ehemaliger Auftraggeber für diese Station kannte das aktuelle deutsche Baurecht nicht.“

Allerdings: Große Eile muss Linckersdorff nicht an den Tag legen. Stadtsprecher Jan Brunzlow bestätigte auf PNN-Anfrage, die Frist für die vollständige Sanierung des Ensembles sei von 2019 auf 2024 verlängert worden – auf Grundlage einer von Brunzlow nicht näher beschriebenen „privatrechtlichen Erklärung der Stadt“.

Fertigstellung bis Ende 2019

Das habe der Investor beantragt und begründet – und zwar mit zu Tage getretenen Mängeln an der Bausubstanz der drei besagten historischen Gebäude – ein Kapitäns- und Bootshaus sowie eine Matrosenkaserne. Durch die Mängel hätten neue Baugenehmigungen beantragt und genehmigt werden müssen, so der Stadtsprecher. Linckersdorff versicherte dennoch: „Unser Ziel ist es bis Ende 2019 die Matrosenstation mit den drei Bestandshäusern vollständig zu restaurieren.“

Schon seit 2009, als Linckersdorff nach einer Ausschreibung das Gelände für eine Million Euro von der Stadt kaufen konnte, ist das Projekt immer wieder in die Schlagzeilen geraten und musste mehrfach verschoben werden. So hatten Anrainer – darunter prominente Anwohner wie Ex-„Bild“-Herausgeber Kai Diekmann und TV-Moderator Johannes B. Kerner – eine Großgastronomie mit Lärmbelästigungen und Schäden für das Welterbe befürchtet und das Projekt vor Gericht zu Fall bringen wollen.

Damit hatten sie zunächst auch Erfolg, woraufhin die Stadt die Baugenehmigung noch einmal überarbeitete. Doch gegen die neue Genehmigung gingen die Nachbarn letztlich vergebens vor. Im April hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in letzter Instanz die zweite Baugenehmigung für gültig erklärt.

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