Schnelles Internet in der U-Bahn : So denken Berliner über den 4G-Ausbau

Endlich online in der U-Bahn: Die BVG baut das Handy-Netz aus. Der Fortschritt bleibt von vielen noch unbemerkt.

Sophie Kratzer
Die Nutzung des schnellen LTE-Netzes ist streckenabschnittsweise bereits für alle BVG-Fahrgäste verfügbar.
Die Nutzung des schnellen LTE-Netzes ist streckenabschnittsweise bereits für alle BVG-Fahrgäste verfügbar.Foto: Thilo Rückeis

Wer vormittags gegen 10:30 Uhr an der Haltestelle Stadtmitte in die U2 Richtung Pankow steigt, sucht den Blickkontakt mit anderen Fahrgästen vergeblich. Gesenkte Köpfe, gebeugte Körper und Augen, die fest auf das Display gerichtet sind – im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht bei den meisten das eigene Smartphone. Der Ausbau des Handy-Netzes in den Tunneln der BVG könnte dafür sorgen, dass sich diese Haltung nun noch verstärkt.

Seit Dienstag gibt es auf vier U-Bahn-Linien schnelles LTE-Netz (auch: 4G), wenngleich bislang nur abschnittsweise. In den Teilbereichen der Linien U2 (Pankow bis Stadtmitte), U5 (Alexanderplatz bis Tierpark), U7 (Gneisenaustraße bis Rudow) und U8 (Bernauer Straße bis Hermannstraße) sollen davon alle Fahrgäste profitieren, unabhängig von ihrem persönlichen Mobilfunkanbieter.

Kunden im O2-Netz merken kaum Unterschiede

Telefonica, der Käufer des deutschen O2-Netzes, verantwortet den technischen Ausbau der 4G-Verfügbarkeit, Telekom und Vodafone beteiligen sich finanziell und werden zugeschaltet.

Kunden, die über das O2-Netz eingewählt sind und schon länger die 4G-Technologie in der U-Bahn nutzen, könnten demnach gegebenenfalls gar keine Unterschiede bemerken. „Ich wusste noch überhaupt nichts von dem neuen LTE-Angebot, aber bislang war ich mit der Datengeschwindigkeit in der U-Bahn zufrieden – wenn ich sie denn genutzt habe. Dann hat alles geladen“, sagt Anne Holzel (29) aus Lichtenberg. 

Für Tine Lange (31) aus Friedrichshain machte sich der 4G-Ausbau bereits bemerkbar: „Von der LTE-Neuerung habe ich heute Morgen gehört – und auch gleich von ihr profitiert! Ich konnte endlich einmal richtig schnell meine Arbeitsmails laden. Ich arbeite als IT-Beraterin, daher nutze ich die Zeit in der Bahn gerne schon für Mails. Die neue Geschwindigkeit heute war sehr erfreulich.“ Und dabei soll es nicht bleiben. LTE gilt zwar derzeit noch als schnellster Übertragungsstandard, die technischen Anforderungen orientieren sich beim Netzausbau aber bereits an den Anforderungen für das geplante 5G-Netz.

Das ausgebaute Netzangebot erreicht nicht alle Fahrgäste

Dennoch sind nach wie vor einige Fahrgäste auf das W-Lan-Angebot der BVG angewiesen: „Ich bin nur vorübergehend in Berlin und habe mir deshalb eine Prepaidkarte mit 5 GB Datenvolumen gekauft“, sagt Nathaniel Shamir (30, Friedrichshain). „Vor allem in der U-Bahn ist es damit aber mühsam. Ich versuche dann, alle möglichen W-Lan-Hotspots zu nutzen. Ich habe das Gefühl, nicht von dem LTE-Angebot zu profitieren.“ Immerhin: das BVG-W-Lan, das es seit 2018 in allen Stationen gibt, bleibt erhalten.

Im Pendlerverkehr könnte es künftig auch während der Stoßzeiten zu Datenengpässen kommen.
Im Pendlerverkehr könnte es künftig auch während der Stoßzeiten zu Datenengpässen kommen.Foto: picture alliance / Hauke-Christian Dittrich

Um künftig noch mehr Fahrgäste von einer schnellen Datenübertragung profitieren zu lassen, sollen bis Ende 2020 weitere U-Bahnstrecken mit dem schnellen LTE-Netz versorgt sein. Derzeit nutzen viele Fahrgäste das verfügbare Netz noch mit starken Einschränkungen: „Meine mobilen Daten funktionieren in der U-Bahn recht langsam, und am Alexanderplatz überhaupt nicht“, sagt Francesca Spedicato (43, Prenzlauer Berg).

Ein Problem bleibt indes die allgemeine Netzabdeckung. Gerade in den Außenbezirken Berlins und in Brandenburg gibt es nach wie vor Funklöcher. Sachiyo Nomuro (57) nutzt den Nahverkehr aus Neuenhagen am östlichen Stadtrand Berlins in die Hauptstadt: „Ich komme oft von außerhalb nach Berlin. Ich finde die verfügbaren mobilen Daten unterwegs nicht zufriedenstellend. Eine Veränderung habe ich auch in der Innenstadt noch nicht bemerkt.“

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Innerhalb Berlins waren bislang vor allem die Fahrten zwischen den Haltestellen für viele Handynutzer eine Herausforderung: „Man hangelt sich von Bahnhof zu Bahnhof“, sagt ein Fahrgast. Das neu eingeführte LTE-Netz blieb für viele bis dato unbemerkt. Das soll sich schnell ändern. Zumindest in den Ballungszeiten während des Berufsverkehrs könnte es aber auch künftig größere Datenengpässe geben.

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