Schule neben Start-ups in Berlin-Treptow : Streit um private "New School" eskaliert

Die Privatschule "New School" wollte Bildung revolutionieren. Nun mussten alle Kinder sie verlassen, Leitung und Eltern sind im Konflikt.

Lernen mit Tablet. Wovon viele staatliche Schulen nur träumen können - an der New school ist es Normalität. (Symbolbild)
Lernen mit Tablet. Wovon viele staatliche Schulen nur träumen können - an der New school ist es Normalität. (Symbolbild)Foto: dpa

Das Konzept klingt vielversprechend: An der staatlich anerkannten „New School“ sollen Kinder, die es an anderen Schulen schwer hatten oder sogar scheiterten, frei lernen dürfen. Die alternative Privatschule in der Alt-Treptower „Factory“ – einem alten Fabrikgebäude mit Start-ups nahe des Landwehrkanals – unterrichtet nicht mit Kreide und Tafel, sondern mit Tablets. Die Unterrichtsbedingungen sind familiär: Insgesamt besuchen die Einrichtung für 12- bis 17-Jährige weniger Schüler, als an öffentlichen Schulen in einer einzigen Klasse sitzen.

"Erfolg im 21. Jahrhundert"

An der „New School“ werden sie „Talents“ genannt, das Motto laut Webseite: „Vorbereitung auf den Erfolg im 21. Jahrhundert“. Doch nun müssen alle zuletzt verbliebenen neun Schüler wegen eines tiefgreifenden Konfliktes in der Einrichtung in den Sommerferien neue Schulen finden. Sieben Mädchen und Jungen wurde von Seiten der Schule gekündigt, zwei weitere Jugendliche wurden von ihren Eltern von der Schule genommen.

Was ist passiert? Anstoß des Konfliktes ist ein Mentor, so heißen die Lehrer an der New School. Er wurde zwei Wochen vor Ferienbeginn von der Schulleitung überraschend freigestellt. Der Grund seien pädagogische Differenzen, sagt der Mann. Man sei uneinig über die Lernziele gewesen. Seinen Namen möchte er nicht nennen, betont aber, dass er mit den „Talents“ viel erreicht habe: Ein Kind lernte nach seiner Darstellung Schlagzeugspielen, eins baute eine Webseite, ein anderes schrieb eine Filmkritik. Zu den Vorstellungen der Schulleitung wollte sich der Pädagoge wegen des laufenden Konflikts nicht äußern.

Dieser begann offenbar, als sich die Eltern nach der Freistellung des Mentors für diesen einsetzten und sich in einer E-Mail direkt an die Schulgründerin und Geschäftsführerin Sabrina Heimig-Schloemer wandten. Sie baten um ein Gespräch mit ihr und betonten, dass sie den Mentor gerne weiter an der Schule hätten. „Die häufigen und nicht nachvollziehbaren Mentorenwechsel erschüttern das Vertrauen der Talents genauso wie das von uns Eltern, und das Ansehen der Schule nimmt Schaden“, heißt es in der Mail. Und weiter: „Uns eint der Wunsch, die guten Bedingungen an der Schule zu erhalten.“

Traumhafte Lernbedingungen

Cornelia Eybisch-Klimpel ist eine der Mütter. Sie sagt: „Keiner wollte, dass es so kommt. Meine große Hoffnung ist, dass dieser Konflikt für etwas gut ist, es zu einer Verständigung über das pädagogische Konzept kommt." Sie möchte, dass die New School fortbesteht. Ihr Kind habe an der Schule „eine super Entwicklung hingelegt.“ Von den Bedingungen der New School können viele staatliche Schulen nur träumen. Geld war seit der Gründung 2015 kein Problem, die Schule wird von Udo Schloemer unterstützt. Er ist ein bekannter Name in der Start-up-Branche: 2011 gründete er den ersten Bürocampus „Factory“ in Mitte.

Schulleiterin Kirsten Henschke sagt, Eltern hätten „erhebliche persönliche Vorwürfe“ gegenüber dem Team erhoben und unterstellt, es seien E-Mails an die Schulgründerin abgefangen worden. Dies mache das vertrauensvolle Miteinander unmöglich. Mutter Cornelia Eybisch-Klimpel entgegnet, sie habe lediglich in einer SMS an Schulgründerin Heimig-Schloemer nachgefragt, ob das Schreiben der Eltern sie erreicht habe.

Prüfung durch Schulaufsicht

Die Privatschulaufsicht der Senatsbildungsverwaltung prüft derzeit die Informationen der Eltern, unterstützt diese bei der Suche nach neuen Schulplätzen und hat den Träger der Schule um eine Stellungnahme gebeten. Letztlich geht es darum, ob die Voraussetzungen zur staatlichen Anerkennung weiter gegeben sind.

Die New School will im kommenden Schuljahr sechs neue Kinder aufnehmen. Am 12. August gibt es laut Website einen Tag der offenen Tür.

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