Jugendliche mit Migrationshintergrund sind in Abitursjahrgängen unterrepräsentiert.

Seite 2 von 3
Abitur mit 1+ : Vom Außenseiter zum Spitzenreiter
Yigit Muk ist der beste Schüler seines Jahrgangs.
Yigit Muk ist der beste Schüler seines Jahrgangs.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Wie wichtig gerade die interkulturellen Kompetenzen sind, zeigt ein Blick in die Statistik. Obwohl rund ein Drittel aller Berliner Schüler einen Migrationshintergrund haben, liegt ihr Anteil an den Abiturienten bei nur 14,1 Prozent und ist damit gegenüber dem Vorjahr sogar noch gesunken.

Yigit Muk erinnert sich an eine andere Zahl. Zwei Hände gingen in die Höhe, als einmal in der 10. Klasse an der Neuköllner Schule zwei junge Frauen kamen, um die Schüler für eine Studie zu fragen, wer denn Abitur machen will. Muk hat sich gemeldet und noch ein Mitschüler, die anderen hätten verwundert geguckt. Rückblickend kritisiert Muk nicht die Hauptschulempfehlung. Er sei zu der Zeit nicht so leistungsstark gewesen, das wäre gegenüber den Lehrern nicht fair. Davor hätte es aber an Ansporn gefehlt. Lehrer sollten ihre Schüler auf die Zielgerade rücken und klarmachen, was sich mit der Schule entscheidet, fordert Muk. Ihn habe niemand gefragt, was er später mal werden möchte. Als seine Mutter von „Arzt“ sprach, habe er nur gelacht. Das war für ihn eine ganz andere Welt.

Für einen Vortrag ist der erfolgreiche Schüler an seine alte Schule zurückgekehrt. Rund 90 Prozent der Kinder haben dort einen Migrationshintergrund. Die Schüler sollten Gas geben, habe er gesagt, und die Lehrer sollten mehr motivieren. Die landen alle in der Gosse, meinte sein alter Mathematik-Lehrer über die neuen Schüler ihm gegenüber. „Das sagt ein Lehrer“, ärgert sich Muk, der kein Verständnis für diese Haltung hat.

Manchmal seien die Botschaften nur unterschwellig, aber setzen sich in einem fest. Muk erinnert sich an einen Mitschüler. In der 1. Klasse, als die anderen noch Zauberkunststücke vorgeführt hätten, habe er bewiesen, dass Luft etwas wiegt. Beendet habe er die Schule mit einem schlechten Realschulabschluss. Heute sitze er zu Hause mit Hartz IV.

Seite 2 von 3 Artikel auf einer Seite lesen