Ausstellung in Berlin-Schöneberg : Wie vital ist Dein Händedruck?

In der Ausstellung „Ey Alter“ im Schöneberger Gasometer kann man was lernen – aber ganz anders als in der Schule: An vielen Mitmachstationen kommen Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich selber auf die Spur.

Milena Reinecke
Modell eines Gehirns in der Ausstellung "Ey Alter" im Schöneberger Gasometer.
Modell eines Gehirns in der Ausstellung "Ey Alter" im Schöneberger Gasometer.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wer lernt, kriegt das nicht unbedingt mit. Denn nicht nur Vokabeln pauken ist Lernen, auch neue Erfahrungen und die Verknüpfung von Erlebnissen füllen das Hirn – dafür muss man gar nicht in die Schule gehen. Das geht zum Beispiel auch in der Ausstellung „Ey Alter“, die im Gasometer in Schöneberg zu sehen ist. Die Ausstellung, die auf Initiative von Mercedes Benz entstanden ist, beschäftigt sich mit dem demografischen Wandel, mit Kompetenzen, die in der Zukunft gefragt sein werden – und mit dem Lernen. Für Schüler und Schulklassen gibt es spezielle Programme während der Schulzeit, aber auch in den Ferien kann man dort viel übers Lernen lernen.

Was Lernen bedeutet

Da gibt es zum Beispiel die Unterrichtseinheit „Young Learners“, die kurz vor den Ferien von dem Diplompädagogen Frank Weber moderiert wurde. „Überlegt euch doch mal, was Lernen für euch ist“, fragt Weber gleich zu Anfang in die Runde, als Achtklässler des Friedrichshainer Dathe-Gymnasiums ins Gasometer gekommen sind. Sofort melden sich mehrere Schüler. „Lernen heißt, sich etwas anzueignen, was man vorher noch nicht konnte“, sagt einer der Jugendlichen, ein anderer ergänzt: „Wenn ich kochen lerne, muss ich meinen Vater nicht mehr fragen, ob er mir was zu essen macht.“ Der Moderator schmunzelt und klickt die nächste Powerpoint-Folie an. Hier wird die Erfahrung des Schülers bestätigt: „Lernen ist ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens oder Denkens aufgrund von neu gewonnenen Einsichten“, steht da, und der Begriff „Mustererkennung“.

Was das bedeutet, dürfen die Schüler gleich auszuprobieren: Sie sollen eine vorgegebene Reihenfolge mit den Fingern klopfen, als spielten sie Klavier. Nach dem zehnten Mal klappt es fast von allein – so schnell geht Lernen.

Das hängt damit zusammen, dass das Gehirn bis zum Alter von etwa 25 Jahren am besten Neues lernen und verinnerlichen kann, erfahren die Schüler im weiteren Verlauf des Vortrags. Mit ihren 13, 14 oder 15 Jahren sind sie noch in der fluiden Lernphase und damit in der Lage, buchstäblich kinderleicht neue Sprachen und Bewegungen zu erlernen. Was aber nicht heiße, dass Lernen im höheren Alter nicht mehr möglich sei, betont Frank Weber.

Eine Kugel mit Gedanken steuern

Das Konzept der „Ey Alter“-Ausstellung besteht darin, Vorurteilen über das Alter(n) mit fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen entgegenzutreten. Deshalb arbeiten die Entwickler der Ausstellung unter anderem mit der Jacobs-University in Bremen und Population Europe zusammen, einem Institut, das alle europäischen Forschungsergebnisse zum Thema Demografie bündelt. „Denn Demografie hat mit jedem von uns zu tun“, sagt der Wissenschaftler Andreas Edel. Um gerade die junge Zielgruppe an die trocken klingende Thematik heranzuführen, gibt es jede Menge Mitmachexponate: Am längsten ist die Schlange bei der Station, an der man eine Kugel allein mit den Gedanken steuern kann. Die Gehirnaktivität wird mithilfe eines stirnbandähnlichen Apparats übertragen. „Setz dir das Ding auf und denk dir: Geh in dieses Loch rein!“, rät ein Schüler seinem Freund, der konzentriert auf die Kugel starrt, während seine Klassenkameraden probieren, ihn mit mehrstimmigem Gesang abzulenken. Wem das zu unproduktiv ist, der kann an anderen Stationen seine Vitalität anhand des Händedrucks messen, seinen Gleichgewichtssinn testen oder seine Reaktionsgeschwindigkeit. „Du kannst dich mal kennenlernen!“, heißt es deshalb im Untertitel der Ausstellung.

Persönliche Lernstrategien herausfinden

Dazu gehört auch herauszufinden, welcher Lerntyp man ist. „Ich bin mehr so der taktile Typ“, erzählt Vy, nachdem sie den Fragebogen ausgefüllt hat. Im Anschluss werden jedem Schüler persönliche Lernstrategien vorgeschlagen. Lernstrategien, so Moderator Weber, seien dazu da, Informationen vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis zu befördern. Zur Illustration zeigt er Bilder von einem Schreibtisch mit einem Bücherstapel und von einer Bibliothek. So müsse man sich das Langzeitgedächtnis vorstellen – und wenn Vy als taktile Lernerin die im Kurzzeitgedächtnis gespeicherte Englischvokabel dauerhaft in ihrer Bibliothek lagern will, könnte es ihr helfen, beim Lernen auf- und abzugehen.

Am hilfreichsten bleibt allerdings eine gute Mischung verschiedener Lernmethoden: Vortrag, Film, Experiment, Diskussion oder Stillarbeit. Wichtig ist, dass alle Sinne mal angesprochen werden.

Und das haben die Organisatoren der außerschulischen Lerneinheit im Gasometer auch umgesetzt. „Es hat Spaß gemacht!“, sagt Vy hinterher in der Feedbackrunde und klingt überrascht dabei. Auch ihre Freundin bestätigt, es sei „sehr cool“ gewesen. Vor allem habe man gesehen, dass auch die Mitarbeiter motiviert waren und Spaß hatten. „Es ist eine Hüpfburg für Erwachsene“, meint Moderator Frank Weber lachend.

Informationen zur Ausstellung

Die Ausstellung „Ey Alter“ ist täglich geöffnet: montags bis mittwochs und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr. Gasometer Berlin, Euref Campus 17, Torgauerstr. 12, Schöneberg. Normale Tickets kosten 9 Euro für Erwachsene, 4,50 Euro für Kinder. In den Sommerferien gibt es 50 Prozent Rabatt für Familien. In der Schulzeit können Lehrer Unterrichtssequenzen für die 6. bis 9. Klasse und für Schüler ab der 10. Klasse buchen. Anmeldung über die Webseite www.eyalter.com.



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