Berliner Abitur 2019 : Am Ziel und unterwegs

Ein extrem kurzes Schuljahr ist vorbei – und ein Abitur im Schnelldurchgang. Alle sind geschafft, aber immerhin ist es geschafft. Nun kann gefeiert werden.

Tschüss Schule! Rund 15 000 Schülerinnen und Schüler machten in diesem Jahr in Berlin ihr Abitur.
Tschüss Schule! Rund 15 000 Schülerinnen und Schüler machten in diesem Jahr in Berlin ihr Abitur.Foto: Getty Images/iStockphoto

Noch wird gefeiert und getanzt, und erst vor wenigen Tagen waren die letzten Nachprüfungen. Jetzt machen die rund 15 000 Berliner Abiturientinnen und Abiturienten des Jahres 2019 Pläne für die Zukunft. Von Friedrichshagen bis Frohnau, von Kladow bis Karow werden Reisen gebucht oder Zimmer gesucht, Koffer oder sogar Kisten gepackt.

Der diesjährige Jahrgang hat besonders viel geleistet, denn er hatte viel weniger Zeit zum Lernen als üblich: „Eine stressige Zeit für die Schüler und auch für die Kollegen“, resümiert Lars Gottschalk, der Pädagogische Koordinator des Wilmersdorfer Gymnasiums zum Grauen Kloster. Viele Schüler ließen es sich berlinweit trotz der Zeitnot nicht nehmen, bei den Demonstrationen für „Fridays for Future“ mitzugehen: Auch vom Grauen Kloster, Berlins ältester Schule, waren etliche dabei, und dennoch schaffte der Jahrgang den grandiosen Schulschnitt von 1,7: Sechsmal stand bei den 77 Absolventen eine 1,0 auf dem Zeugnis. „Es wurde auch abiturrelevanter Stoff verpasst, dennoch haben sie es hingekriegt“, freut sich Koordinator Gottschalk.

894 von 900 Punkten, wer bietet mehr?

Der Berliner Gesamtschnitt steht noch nicht fest: Die Senatsverwaltung für Bildung rechnet nicht vor Freitag mit der Auswertung. In den vergangen Jahren – seit der Einführung des Zentralabiturs – lag der Schnitt stets bei 2,4. Ob es wieder jemanden geben wird wie Antonia Arndt aus Zehlendorf, die 2016 die maximal mögliche Punktzahl (900) erreichte, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Doch dass jemand sehr nahe herankommt, ist sicher: Emily Radke vom Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasium schaffte 894 Punkte, bei ihrem Mitschüler Ole Schmidt waren es 893.

Ihr Schulleiter Ralf Treptow kann berichten, dass von seinen 154 Abiturienten sogar 16 die 1,0 erreichten. Als Vorsitzender des Verbands der Oberstudiendirektoren findet er, dass sich der gymnasiale zwölfjährige Weg zum Abitur bewährt hat. Rund 100 000 Gymnasiasten haben bereits das „Turbo-Abitur“ in Berlin hinter sich seit der Einführung 2012: Damals gab es den Doppeljahrgang, als gleichzeitig der letzte 13-jährige und der erste zwölfjährige Durchgang zum Ziel kamen.

In Chemie musste man Gummibärchen untersuchen

Das Gros der Berliner Abiturienten – weit über 10 000 – kommt aus den Gymnasien. Die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen tragen rund 4000 Abiturienten bei, die Beruflichen Gymnasien rund 1600. Über den Zweiten Bildungsweg schaffen etwa 500 das Abi. Neu ist dieses Jahr, dass sich sechs Oberschulen zu drei Verbünden zusammengeschlossen und gemeinsam erstmals zum Abitur geführt haben.

Kaum jemand rechnet damit, dass der Schnitt wegen der angeblich zu anspruchsvollen Mathematikprüfung merklich schlechter ausfällt. Zwar hatten bei einer Umfrage des Landesschülerausschusses 75 Prozent der Teilnehmer angegeben, dass die Prüfungen „zu schwer“ waren. Aber die Kritik fiel letztlich in Berlin viel verhaltener aus als etwa in Bayern oder Hamburg. Einzelne Schulen teilten mit, dass die Mathematik-Zensuren sogar etwas besser ausgefallen seien als im Vorjahr.

Und was wurde sonst noch so geprüft? Willi Hanewald vom Archenhold-Gymnasium in Oberschöneweide berichtet, dass er in Chemie herausfinden sollte, warum sich vegane Gummibärchen in erhitztem Wasser (Bunsenbrenner!) anders verhalten als ihre nicht veganen Pendants. Wer Biologie gewählt hatte, bekam es wahlweise mit dem Bienensterben oder den Mammuts (Evolution!) zu tun. In Erdkunde lag die chinesische Einkindpolitik an, und – tatsächlich – auch Schillers Sturm und Drang ist noch nicht vergessen. So kann als sicher gelten, dass die diesjährigen Abiturienten mit Deutsch als Prüfungsfach noch wissen, was „Kabale und Liebe“ zu bedeuten hat.

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