Bildung in Berlin : Weiter Streit ums Schulfach Politik

Fachlehrerverbände werfen Senatorin Scheeres einen „Alleingang“ vor. Sie fordern, dass Ethik nicht zugunsten von Politischer Bildung gekürzt wird.

Unterricht in einer Schule (Symbolbild).
Unterricht in einer Schule (Symbolbild).Foto: Armin Weigel/dpa

Um die Einführung des Schulfaches Politik an Berliner Schulen ab der siebten Klasse gibt es weiter Streit. Die Fachlehrerverbände Geschichte, Geografie, Ethik und Philosophie und der Philologenverband Berlin/Brandenburg lehnen das Konzept ab, das Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) in der vergangenen Woche zusammen mit dem Landesschülerausschuss präsentiert hat.

Die Verbände sprechen in einer am Montag veröffentlichten Erklärung von einem „politischen Alleingang“ der Senatorin, den sie „nicht widerstandslos hinnehmen“. Sie werfen Scheeres vor, den Konsens, der in den Verhandlungen mit den Verbänden erzielt worden sei, „über den Haufen geworfen“ zu haben. In diesen Gesprächen, die seit Juni 2017 liefen, sei mit der Bildungsverwaltung vereinbart worden, dass eine Kürzung beim Fach Ethik nicht zur Debatte stehe.

Kontingentlösung für gesellschaftswissenschaftliche Fächer

Das Konzept von Scheeres sieht nun allerdings vor, dass bei Ethik Stundeneinbußen möglich sind. Geplant ist eine leicht veränderte Stundentafel in den Klassen 7 bis 10 mit einer sogenannten Kontingentlösung für die Fächer Geschichte, Politische Bildung, Geografie und Ethik. An Gymnasien sind für diese Fächer in den Jahrgangstufen 7/8 und 9/10 zehn Stunden vorgesehen, an Integrierten Sekundarschulen acht Wochenstunden.

Schulen sollen die Verteilung der Stunden auf die Fächer unter bestimmten Voraussetzungen selbst vornehmen können, wobei jedes Fach in jedem Jahrgang unterrichtet werden muss. Bei Ethik, das bisher als zweistündiges Fach acht Wochenstunden in vier Jahren zur Verfügung hatte, können Schulen maximal zwei Stunden kürzen. Dann blieben also sechs Wochenstunden verteilt auf vier Jahre. Die Schulen könnten aber auch bei Geografie oder Geschichte Abstriche machen, um Stunden für Politik freizuschaufeln. Eine Verordnung, die Mindest- und Höchststundenzahlen festlegt, soll noch überarbeitet werden. Die Änderungen sollen ab dem Schuljahr 2019/20 wirksam werden. Ab kommendem Schuljahr soll Politische Bildung schon mit einer eigenen Note auf dem Zeugnis erscheinen.

Fachlehrerverbände wollen Profilstunde kürzen

Die Fachlehrerverbände fürchten, dass eine Kontingentlösung, die den Schulen die Stundenverteilung überlässt, zu Konflikten in den Kollegien führen könne. Sie fordern stattdessen, dass die Fächer Geschichte, Politik und Geografie um eine Stunde aufgestockt werden, dafür soll eine Profilstunde gekürzt werden.

Kritik an Scheeres’ Konzept kam, wie berichtet, auch von Linken-Bildungspolitikerin Regina Kittler: „Dass jetzt wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass Ethik Stunden abgeben muss, war so nicht vereinbart.“ Auch die CDU, die FDP und der Humanistische Verband hatten sich kritisch geäußert. Zuspruch kam dagegen vom Landeselternausschuss, der Vereinigung der Oberstudiendirektoren und den Grünen.

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