Schule : Nicht nur der Form halber: Blick aufs Design

Eric Metzler

Nehmen wir den 911er. Der ist so was wie ein Symbol der nationalen Einheit. Der konsensfähige Traum vom schönen Auto. Leute jeden Alters, jeden Gefährts und jeden Geschmacks können sich auf den Porsche verständigen, wenn es um perfektes Design geht. An diesem Lack wird der R8 nicht kratzen; der Neue taugt mitnichten zum größten gemeinsamen Nenner.

Eine Wahnsinnsfigur macht der Audi dennoch – weil er Charakter hat und mehr zeigt als aufgeblasene Backen. Walter de’Silva hat auf dem Zeichenpapier reichlich Herzblut der Marke vermalt. Zwar stehen die vier Ringe auf der Motorhaube und nicht im Grill wie bei den anderen Modellen. Aber die kräftige Front, die Linie um die (All-)Radhäuser und der Bogen des Daches verraten die Herkunft auch ohne das Kennzeichen IN.

Auf unserer Testfahrt bildeten sich Trauben um den R8, wo immer wir anhielten. Vor einer Markteinführung ist das nicht weiter ungewöhnlich. Ungewöhnlich sind das Ausmaß und der Grund dieser Begeisterung: de’Silva hat die Technik des Autos nicht nur betont, er hat sie inszeniert. Das auffälligste Beispiel zeigen wir im Foto rechts aus der Vogelperspektive: Der R8 hat einen Mittelmotor, platziert gleich hinter dem Fahrer – und ausgestellt in einer gläsernen Vitrine. Steht der Fahrer auf Spielchen und Show, wird der Achtzylinder nachts von blauen LED illuminiert; ein ähnlich beeindruckendes Schauspiel wie das Anschalten des Frontlichts. Dort ziehen zwölf Leuchtdioden eine ultrahelle Linie um den Scheinwerfer und den Blinker.

Wer den Blick am R8 entlang wandern lässt, bleibt immer wieder hängen. An den Rädern mit den gelochten Bremsscheiben, die ihre Arbeit genauso gewaltig verrichten, wie sie aussehen. An den Luftschächten hinter den Türen, hier findet die nötige Puste Einlass für das Maschinchen. Und natürlich an den Sideblades, den bündig in die Karosserie eingesetzten Formstücken. Damit lässt sich der Audi personalisieren, Kontrastfarben zum restlichen Lack sind genauso zu haben wie exklusives Carbon.

Nicht alles, was dem R8 gut steht, bekommt man auch zu sehen – schade eigentlich. Die Leichtbaukarosserie aus Aluminium etwa könnte nackt auf der documenta in Kassel stehen. Das zweite Bild von links in der Fotoleiste oben zeigt die 210 kg leichte Skulptur. Eine Schau auch der Unterboden: Eine fast durchgängig glatte Fläche, verkleidet, aerodynamisch optimiert. Ganz wie beim Urahn gleichen Namens, der in Le Mans Renngeschichte geschrieben hat.