Die Eltern fordern eine gymnasiale Oberstufe

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Refik-Veseli-Sekundarschule in Berlin-Kreuzberg : Neuanfang mit neuem Namen

Ein großes Ziel der neuen Rektorin: Den Teufelskreis der schulischen Segregation zu durchbrechen, den es wie in vielen anderen Innenstadtkiezen auch in Kreuzberg gibt. „Es gibt den Wunsch, dass die Kinder hier im Kiez gemeinsam groß werden. Aber momentan ist das nicht so. Die U-Bahnen sind morgens voll mit Kindern, die zu Schulen in anderen Bezirke fahren“, beschreibt Becker die Ausgangslage. Tatsächlich wählt ein großer Teil der Schüler im Kiez weiterführende Schulen außerhalb Kreuzbergs, besucht Gymnasien in Friedrichshain oder Treptow, oder versucht einen Platz auf den beliebten Sekundarschulen in Schöneberg oder Tempelhof zu bekommen.

Um die Schule für die bildungsinteressierten Eltern attraktiver zu machen, ist zum Beispiel geplant, dass ein Lehrer einer Montessori-Klasse der Nürtingen-Grundschule mit seinen ehemaligen Sechstklässlern gemeinsam an die Refik-Veseli-Schule wechselt und die Klasse weiter begleitet. An die Fichtelgebirge-Grundschule soll ein Lehrer der Sekundarschule wechseln und dort ebenfalls die Gestaltung des Schulübergangs erleichtern. Auch die Einrichtung von Lernbüros, in denen die Schüler eigenständig lernen können und die Möglichkeit, zwischen sieben Schwerpunktprofilen zu wählen, könnte bildungsnahe Familien ansprechen.

Es gibt keine Oberschule im Kiez, die direkt zum Abitur führt

Bei den Eltern trifft das auf breite Unterstützung. „Viele wollen gar nicht unbedingt, dass ihre Kinder aufs Gymnasium gehen, weil sie gute Erfahrungen mit reformpädagogischem Unterricht gemacht haben“, sagt eine Mutter. „ Und viele würden ihre Kinder auch gern weiter in der Nähe zur Schule schicken. Aber bisher gab es hier keine wirkliche Alternative.“

Und auch an der Refik-Veseli-Schule gibt es noch einen großen Haken: Sie hat, wie auch alle anderen Oberschulen im ehemaligen SO 36, keine gymnasiale Oberstufe. Schon seit Jahren gibt es Bemühungen darum, doch bisher hat die Bildungsverwaltung das mit Hinweis auf die geringe Nachfrage nach Oberstufenplätzen in der Gegend abgelehnt. Zudem verweist sie auf die Möglichkeit, am Oberstufenzentrum Handel Abitur zu machen.

Die Eltern überzeugt das nicht. Sie haben eine Initiative gegründet und sammeln Unterschriften. Am 12. September wird Staatssekretär Mark Rackles (SPD) mit den Eltern sprechen. Für diese ist klar: So überzeugend das neue Schulkonzept auch ist, es geht nur dann auf, wenn die Schüler auch die Möglichkeit haben, an Ort und Stelle Abitur zu machen.

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