Sommerferien in Berlin : Ein Rückblick auf das alte Schuljahr – und ein Ausblick auf das kommende

Das Schuljahr endet. Wir blicken auf Probleme, die Lehrer, Eltern und Schüler beschäftigt haben und weiter beschäftigen werden: Etwa das AfD-Portal.

Am Mittwoch gibt's Zeugnisse. Dann wird - hoffentlich - geputzt und viel saniert.
Am Mittwoch gibt's Zeugnisse. Dann wird - hoffentlich - geputzt und viel saniert.Foto: dpa/Maja Hitij

Diesen Donnerstag beginnen die Sommerferien in Berlin. Wir werfen einen Blick auf ein paar Schlaglichter aus dem vergangenen Schuljahr 2018/2019 - ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Unter anderem dabei: Die AfD, Lehrermangel und das Thema Mobbing.

Das AfD-Portal „Neutrale Schule“

RÜCKBLICK. Ein dominierendes Thema war zu Beginn des vergangenen Schuljahres für einige Wochen auch das AfD-Portal „Neutrale Schule“: In fast allen Bundesländern forderte die AfD Schüler und Eltern auf, Fälle von angeblich einseitiger Beeinflussung durch Lehrer zu melden. In der Folge ging die Angst vor der „Schnüffelei“ im Klassenzimmer um. Viele Lehrer reagierten mit Protest, darunter waren auch Unterschriftenaktionen am Heinz-Berggruen-Gymnasium und an der Kreuzberger Lina-Morgenstern-Schule. Im März teilte die AfD auf Anfrage mit, dass es rund 32.000 Zugriffe auf das Portal gegeben habe. Es hätten 6900 Nutzer Kontakt zur AfD aufgenommen, aber nur in 15 Einzelfällen sei es dazu gekommen, dass die AfD „mit allen Beteiligten um eine Lösung im Sinne der neutralen Schule gerungen“ habe. Eine Einbindung der Bildungsverwaltung sei aber nicht notwendig gewesen.

AUSBLICK. Die AfD kündigte an, dass das Portal „aufgrund dieser Erfolge dauerhaft online bleiben“ wird.

Die Lehrersituation

RÜCKBLICK. Das Schuljahr 2018/19 hatte mit einem Paukenschlag begonnen: Erstmals gab es nicht einmal mehr genügend Quereinsteiger, also Bewerber, die zumindest ein Fach der Berliner Schule studiert haben, wenn auch ohne Lehramtsbezug. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sprach im Juni 2018 von einem „Gap“, der sich zwischen Bedarf und Bewerbern auftue. Die „Gap“- Gruppe war am Ende sogar noch größer als die der Quereinsteiger, wie Scheeres Mitte August zugeben musste: 1000 Lehrer wurden flankiert von rund 750 Quereinsteigern und rund 900 weiteren Kräften, die dann als „Lehrer ohne volle Lehrbefähigung“ (Lovl) bezeichnet wurden. Zur Teilmenge der Lovls wurden auch Studenten gezählt, die parallel zum Studium mit halber Stelle unterrichten: Dieses Programm, das Scheeres unter dem Titel „Unterrichten statt Kellnern“ publik machte, veranlasste die Universitäten zu einer Protestnote: Sie befürchteten, dass sich das Studium durch die vielen Unterrichtsstunden verlängern werde.

AUSBLICK. Im kommenden Schuljahr werden alle Notmaßnahmen neu aufgelegt: Quereinsteiger und Lovls werden im vergleichbaren Umfang benötigt, daher wird auch das Programm „Unterrichten statt Kellnern“ fortgesetzt. Da die Hoffnung auf eine rasche Rückkehr Berlins zur Verbeamtung zerstoben ist, droht überdies eine noch größere Abwanderungswelle in andere Bundesländer.

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Der Schulraummangel

RÜCKBLICK. Berlins Schüler mussten noch mehr zusammenrücken als in den Vorjahren: Die Gesamtschülerzahl wuchs weiter. Sekundarschulen klagten, dass sie in Klasse 7 bis zu 26 Schüler aufnehmen müssen, obwohl sie pro Klasse bis zu vier Schüler mit festgestelltem Förderbedarf und weitere Förderkinder ohne festgestellten Status aufnehmen müssen. Mindestens drei Gymnasialklassen im siebten Jahrgang bestanden aus 34 Schülern, obwohl die Obergrenze bei 32 liegt. Immer mehr Schüler müssen in Modularen Erweiterungsbauten unterkommen. Vor allem aber werden die Wege für Grundschulkinder länger: Wenn die umliegenden Grundschulen voll sind, müssen sie zu weiter entfernten Schulen ausweichen.

AUSBLICK. Die Schülerzahl steigt weiter an, die genauen Daten wird es erst im August geben. Die Schulbauoffensive greift nicht so schnell wie nötig, die regionalen Schulbauverbünde sollen aber immerhin innerhalb des kommenden Schuljahres arbeitsfähig werden.

Das Thema Mobbing

RÜCKBLICK: Der Tod einer Reinickendorfer Schülerin Ende Januar 2019 brachte das Thema „Mobbing“ wochenlang und bundesweit in die Schlagzeilen: Eltern der betroffenen Hausotter-Schule behaupteten, dass sich das Mädchen infolge von Mobbing umgebracht habe. Bestätigt wurde das zwar bis heute nicht, aber sicher ist, dass es an der Schule jahrelang massive Probleme im sozialen Miteinander gab. In den Diskussionen wurde vor allem deutlich: Mobbing ist und bleibt ein massives Problem an allen Schulformen. Noch weitere Suizide und Suizidversuche an anderen Schulen wurden mit Mobbing in Zusammenhang gebracht. Was bei der Diskussion aus dem Blick geriet: Die Reinickendorfer Schulpsychologen hatten seit Beginn des Schuljahres ihre Angebote bei der Prävention und Intervention gegen Mobbing erheblich ausgeweitet. Die Hausotter-Schule machte davon wohl anfangs keinen Gebrauch. Das hat sich aber längst geändert.

AUSBLICK: Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) kündigte nach dem tragischen Fall an der Hausotter-Schule an, dass es einen Antimobbingbeauftragten geben soll. Die Stelle ist inzwischen ausgeschrieben. Außerdem kümmern sich Schulen zunehmend um Intervention. Der Reinickendorfer Koordinator für schulische Prävention, Reimer Siemsen, berichtete am Montag, dass weitere Schulen eine zusätzliche Schulstunde ansetzen werden, um Soziales Lernen fest zu verankern. Für 2019/20 rechnet er damit, dass fast alle Bezirksschulen einen Interventionsbeauftragten haben werden. Viele Schulen nutzen die Fortbildungsprogramme „Fairplayer“ (Prävention) und „Contigo“ (Intervention).

Die Brennpunktzulage des Senats

RÜCKBLICK. Die rot-rot-grüne Koalition hatte für den Doppelhaushalt 2018/19 beschlossen, dass Erzieher und Lehrer im Brennpunkt mehr Geld verdienen sollen. Nach langen Diskussionen um die beste Verteilung des Millionenbetrages wurde beschlossen, dass die Lehrer eine monatliche Zulage von 300 Euro bekommen. Für Erzieher wurde eine tarifliche Höhergruppierung beschlossen. Je nach bisheriger Gehaltsgruppe und Erfahrungsstufe haben Erzieher jetzt bis zu 450 Euro mehr, im Schnitt etwa 150 Euro. In etlichen Fällen allerdings führt die Tarifautomatik dazu, dass Mitarbeiter jetzt weniger haben als vorher. Der Personalrat will das nicht hinnehmen. [Die Liste der Brennpunktschulen, die von der Zulage profitieren, gibt es HIER als PDF zum Herunterladen.]

AUSBLICK. Noch ist unbekannt, ob der Senat diese Fälle beheben kann. Zudem ist unklar, ob und wenn ja wann die Erzieher profitieren, die bei freien Hortträgern arbeiten.