Nun ist die Bildungsverwaltung am Zug

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Streit um Klassenmischung : Eltern: Kreuzbergs Lenau-Schule ist nicht rassistisch
Unterricht an der Lenau-Schule in Kreuzberg.
Unterricht an der Lenau-Schule in Kreuzberg.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Es gebe ein offenes Müttercafé und „Bilderbuchkino-Lesungen“ in türkischer und arabischer Sprache. Dieser Schule einen Rassismusvorwurf zu machen, sei „absurd“, heißt es in dem Brief. Die Eltern verlangen von der Politik, dass sie die Schule in Schutz nimmt, anstatt sie in der Öffentlichkeit zu maßregeln. Besonderen Ärger hat der Grüne Wolfgang Lenk auf sich gezogen. Ohne mit der Schule oder mit der Gesamtelternvertretung gesprochen und ohne die Schule besucht zu haben, vertritt er öffentlich die Auffassung, dass in der Schule „ein langer Prozess der interkulturellen Fortbildung weitergehen muss“. Zudem fragt sich Lenk, „ob die Schule so aufgestellt ist, dass sie mit der Vielfalt der Kinder umgehen kann“.

„Mich erstaunt, dass Kommunalpolitiker so naiv sein können“, sagt Vera Vordenbäumen. Sie hatte ihre Tochter sechs Jahre lang an der Lenau-Schule, war Gesamtelternvertreterin und ist zudem im Bezirkselternausschuss aktiv. Ihres Erachtens hätte Lenk „erst alle Seiten hören müssen, bevor er Partei ergreift“. Ihr tut es nicht nur um die jahrelange schwere Aufbauarbeit des Kollegiums leid, sondern auch um die Schulleiterin, die extrem engagiert sei.

Ebenso wie Elternsprecherin Aydan Yeyin-Kocadag fragt sich Vordenbäumen, was die Kritiker der Schule um Sonay Avci und die anderen Mütter, umtreibt, die „weiter aggressiv gegen unsere Schule arbeiten“, anstatt den Dialog mit der Schule, den Gremien oder mit den beiden Sozialarbeiterinnen der Schule, die beide einen Migrationshintergrund haben, zu suchen. Von den anderen Müttern, die sich bei Lenk und Beckers beklagt hatten, war bislang noch keine Stellungnahme zu bekommen. Avci stellte in Aussicht, dass „nächste Woche“ ein Gespräch möglich sein könne.

Nun ist die Bildungsverwaltung am Zug. Sie muss zunächst die Dienstaufsichtsbeschwerden prüfen, die laut Avci „laufen“. Gleichzeitig wollen die anderen Lenau-Eltern von der Verwaltung wissen, warum sie jahrelang der Entmischung in den Kreuzberger Schulen tatenlos zugesehen hat, um dann „per Anordnung“ an der Lenau-Schule ein solches Exempel zu statuieren. „Anstatt sich gleich unter der Rassismuskeule zu ducken, hätte die Verwaltung erstmal alle Vorwürfe prüfen müssen“, heißt es aus der Elternschaft. Stadtrat Beckers hat jetzt die Aufgabe, auf die Schnelle neue Schulen für die Kinder zu suchen, deren Mütter möchten, dass sie die Lenau-Schule verlassen. Es gebe wohl zwei Plätze an der Adolf-Glasbrenner-Schule, sagte Beckers am Montag. Ihm gehe es vor allem darum, dass der Konflikt schnell beigelegt werde, „damit die betroffenen Kinder zur Ruhe kommen“.

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