Schule : Welcher Treibstoff-Typ sind Sie?

Von Erdgas bis Wasserstoff: Die Klimadebatte rückt neben Diesel und Benzin andere Kraftstoffe ins Blickfeld. Doch keiner taugt als Allheilmittel

Kai Kolwitz

Eine Exministerin propagiert japanische Hybridautos, der CSU-Generalsekretär will Bayern zum Wasserstoffland machen. Die Klimaschutzdebatte sorgt dafür, dass Fahrzeuge mit alternativen Antrieben aus der Öko-Ecke in den Mainstream fahren. Doch wer sollte was fahren, um Umwelt und Klima so wenig wie möglich zu schädigen?

Der Hybrid-Typ

Ist viel in der Stadt und im dichten Verkehr unterwegs. Denn Hybrid-Fahrzeuge fahren mit zwei Motoren durch die Welt: einem Elektromotor, der mit überschüssiger Energie aus dem Fahrbetrieb geladen wird, und einem konventionellen Verbrennungsmotor. Das zusätzliche Gewicht will bewegt werden – und das kostet wiederum Energie. „Wenn Sie mit Vollgas auf der Autobahn unterwegs sind, dann verursachen Sie mit einem Hybrid-Fahrzeug mehr CO2 als mit einem normalen Wagen“, kommentiert ADAC-Experte Maximilian Maurer. CO2 sparen hilft die Technik vor allem dann, wenn viel beschleunigt und gebremst wird und der E-Motor seine Vorteile ausspielen kann. Dann ergeben sich auch die größten Verbrauchsvorteile.

Der Wasserstoff-Typ

Ist im Kindergartenalter. Denn zwar ist die Motorentechnik bereits weit entwickelt. Doch die Gewinnung und Speicherung des Treibstoffs stellt vor große Probleme. Es wird noch einige Jahre dauern, bis an eine Serienfertigung zu denken ist.

Der Erdgas-Typ

Im Moment noch Großstädter. Denn bei 700 Tankstellen im Land kann es sonst mit dem Nachschub eng werden – auch wenn die Zahl der Zapfsäulen stetig steigt. Erdgas liegt in der CO2-Bilanz besser als Benzin, gleichauf mit Diesel – und sorgt etwa für halbe Tankkosten. „In der Motorenentwicklung steckt noch viel Potenzial“, so macht Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland VCD Hoffnung und auf weitere Spareffekte aufmerksam. In Berlin gibt es derzeit 13 Erdgastankstellen, die Gasag sponsert Neuwagen zurzeit mit 333 Euro, Nachrüstungen (ab 3500 Euro) mit 111 Euro.

Der Ethanol-Typ

Fühlt amerikanisch. Denn dort wird der Einsatz von Bio-Alkohol am stärksten forciert. Standard in Deutschland ist E85, eine Mischung aus 85 Prozent Ethanol und 15 Prozent Benzin – sogenannte „Flexfuel“-Fahrzeuge, etwa von Saab und Ford, können wahlweise mit E85 oder Benzin betrieben werden, Umrüstungen auf E85 liegen bei 700 bis 900 Euro, allerdings gibt es Bedenken, der Treibstoff könne Motorteile angreifen. Ohne Umbau vertragen normale Benzinmotoren meist Ethanol-Anteile zwischen zehn und 25 Prozent. Die CO2-Bilanz ist allerdings Ansichtssache: Befürworter argumentieren, die zur Ethanolgewinnung genutzten Pflanzen absorbierten während des Wachstums so viel CO2, wie das Fahrzeug später in die Luft pustet. „Aber das stimmt nur, wenn die Fläche vorher betoniert war“, hält ADAC-Mann Maurer dagegen. Wird ein Acker nur anders bepflanzt oder sogar Wald für das Feld abgeholzt, dann hinkt die Rechnung. Außerdem fürchten viele, dass ein Großteil der benötigten Pflanzen aus der Dritten Welt kommen wird, wo ihr Anbau Nahrungsflächen blockieren könnte. In Berlin hat momentan eine Tankstelle E85 im Angebot, in Deutschland sind es gut 100.

Der Autogas-Typ

Ist wertkonservativ. Denn das auch LPG genannte Propan-Butan-Gemisch wird schon seit den Siebzigern genutzt , bevorzugt an der Grenze zu den Niederlanden, wo fast jede Tankstelle LPG im Angebot hat. Nachrüstungen gibt es ab etwa 1500 Euro, in der CO2-Bilanz liegt LPG etwas schlechter als Erdgas. Der Liter kostet in Deutschland rund 65 Cent, allerdings steigt der Verbrauch um 5 bis 20 Prozent an. In Berlin gibt es gut 20 Autogastankstellen, deutschlandweit sind es gut 1000.

Der Benziner- und Dieseltyp

Ist in der Mehrheit. Denn gerade bei Umrüstungen auf alternative Kraftstoffe muss gut gerechnet werden, ob sich die Kosten für den Umbau wieder einfahren lassen. Außerdem geht durch Zusatztanks oft ein Teil des Kofferraums verloren, und vorher muss unbedingt geklärt werden, wie sich die Umrüstung mit der Garantie des Herstellers verträgt. Bei Neufahrzeugen sind die Alternativantriebe nur selten in Kleinwagen anzutreffen. Wer wenig fährt und mit einem kleinen Fahrzeug auskommt, ist mit einem sauberen Benzinmotor oft am umweltfreundlichsten unterwegs.

0 Kommentare

Neuester Kommentar