• Schulstart nach Corona-Lockdown in Berlin: Für diese Schulklassen beginnt am Montag der Unterricht

Schulstart nach Corona-Lockdown in Berlin : Für diese Schulklassen beginnt am Montag der Unterricht

Die Abschlussjahrgänge sind schon da, jetzt geht es weiter. Beim Probejahr gehen die rot-rot-grünen Ansichten auseinander: Ein paar Antworten zum Schulstart.

Am Montag beginnt für viele Schülerinnen und Schüler in Berlin wieder der Unterricht.
Am Montag beginnt für viele Schülerinnen und Schüler in Berlin wieder der Unterricht.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Bisher war alles nur Vorgeplänkel: Dass die Abiturienten seit dem 20. April ihre Klausuren schreiben und den Zehntklässlern seit dem 27. April Schichtunterricht angeboten wird, hat damit zu tun, dass es hierbei um Abschlussjahrgänge geht. Erst an diesem Montag beginnt die „normale“ Schule.

Schon nach der ersten Woche mit den Zehntklässlern ist klar, dass es nicht einfach wird: Nicht alle Schulen seien während der langen Schließzeit gereinigt worden, berichtet Landeselternsprecher Norman Heise. Ganz zu schweigen von den jetzt erhofften und nicht erfolgten Mittagsreinigungen zum "Schichtwechsel" der Lerngruppen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass viele Lehrer fehlen, weil sie als "Risikopersonen" - krankheits- oder altersbedingt - nicht in der Schule erscheinen müssen.

Zudem bezeichnete Heise am Sonntag das Verhalten vieler Zehntklässler als „besorgniserregend“, die oftmals gegen die Abstandsregeln verstoßen und sich – „Küsschen hier, Küsschen da“ – vor der Schule und auf den Fluren umarmt hätten.

Welche Jahrgänge sind als Nächstes dran?

Jedes Bundesland kann seine eigenen Prioritäten setzen. In Berlin machen die sechsten Klassen den Anfang, um sie auf den Wechsel zur Oberschule vorzubereiten. Bisher fand an den Grundschulen nur eine Notbetreuung statt. Außerdem starten die Jahrgangsstufen neun und zwölf an Sekundarschulen sowie die Jahrgangsstufe elf an den Gymnasien.

Was passiert mit den fünften Klassen?

Landeselternsprecher Heise geht davon aus, dass am 11. Mai die Fünftklässler folgen, denn die Noten am Ende der fünften Klasse sind wichtig für die Grundschulempfehlung. Absolute Sicherheit gebe es aber noch nicht. Falls es aus Gründen des Infektionsschutzes nicht klappt, könnte das dazu führen, dass die Noten für das zweite Halbjahr nicht mehr ermittelt werden können.

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Somit würde alles am ersten Halbjahr der sechsten Klasse hängen. Das aber wäre ein Problem, zumal die sogenannten Nebenfächer, die auch in die Grundschulempfehlung einfließen, während der Schließzeit kaum unterrichtet werden und auch bis zum Sommer weitgehend unter den Tisch fallen dürften.

Benachteiligung von Förderschülern?

Der Landeselternausschuss sieht ein „riesengroßes“ Problem darin, dass die Zehntklässler mit geistigem Förderbedarf bei der Schulöffnung außen vor bleiben. Dies führe dazu, dass die Eltern nicht arbeiten gehen könnten, sofern sie keinen Anspruch auf Notbetreuung hätten. Zum anderen werde es viel schwieriger, für diese Jugendlichen den Anschluss nach der Schule – etwa in Behindertenwerkstätten – zu organisieren.

Wie geht es an den Berufsschulen weiter?

An die beruflichen Schulen kommen jetzt die Abschlussjahrgänge zurück, die ihre Prüfungen bei der IHK und Handwerkskammer vorbereiten. Daneben werden auch die Abschlussjahrgänge der Berufsfachschule, der Fachoberschule, der Berufsoberschule und der Fachschulen wieder Unterricht haben.

Wird das Probejahr ausgesetzt?

Harter Schlag für Schüler, die sich seit dem 6. April in Sicherheit wähnten: Da hatte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) verkündet, sie „plane“, das Probejahr an Gymnasien „ausnahmsweise ins nächste Schuljahr zu verlängern“. Dies hat ihre Behörde am 23. April teilweise revidiert: Nun soll das Probejahr nur dann verlängert werden, „wenn die Nichteignung nicht sicher festgestellt werden kann“.

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Gegen diese Revision gibt es Gegenwehr der Bildungsexpertinnen der Grünen und Linken, Marianne Burkert- Eulitz und Regina Kittler: Beide sind sowieso gegen das Probejahr, also dagegen, dass Gymnasien Schüler abschulen dürfen. Nun warnen sie zudem, dass sich die Bildungsverwaltung juristisch verheben könnte, denn da es wegen der Schließzeit kein volles Probejahr gab, könne man die Verlängerung einzuklagen versuchen.

Wozu sind Lehrer verpflichtet?

Da nur wenige Jahrgänge in die Schulen zurückdürfen, wird Homeschooling mindestens bis zu den Ferien wichtig bleiben. Landeselternausschuss und SPD- Fraktion fordern daher verbindliche Vorgaben an die Lehrer, was sie für das Homeschooling zu leisten haben. Ob es zu derartigen Vorgaben kommt, ist noch ungewiss – was Norman Heise bedauert. Er verweist auf Lehrer, die ihren Schülern zwar Aufgaben zusenden, das Ergebnis aber nicht kontrollieren, sondern stattdessen „Lösungsblätter verschicken“.

Gibt es eine Maskenpflicht?

Elternvertreter berichten von einzelnen Schulleitern, die eine Maskenpflicht aussprechen. Dies entspricht jedoch nicht den Vorgaben der KMK, die eine Maskenpflicht an Schulen ausdrücklich „nicht empfiehlt“.

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