Serie "Berlin hat die Wahl" (6) : Gesundheit und Pflege: Nicht immer gut versorgt

Pflegenotstand und Nachwuchsmangel: Wer wird im Alter nach mir sehen?

„Ich mache mir große Sorgen, wer sich im Alter mal um mich kümmern soll“, sagt Günter Niederhausen. Der 61-Jährige ist selbst in der Pflege tätig und hat einen guten Einblick in die Entwicklung. „Mein Sohn wird mich nicht pflegen können, und die Heime sind immer mehr Zwängen unterworfen.“ Die psychischen und körperlichen Belastungen seien hoch. „Wenn wir guten Nachwuchs wollen, muss die Arbeit auch mehr wertgeschätzt werden“, sagt Niederhausen. Viele hörten nach sechs Jahren im Beruf auf, weil sie dem Arbeitsdruck nicht standhielten. „In Zukunft wird es noch mehr Alte in den Heimen geben.“ Das belaste das Pflegepersonal zusätzlich.

Günter Niederhausen, Altenpfleger aus Hellersdorf

Warum werde ich nicht überall gleich gut medizinisch versorgt?
„Die ewige Sucherei macht einen ganz mürbe“, sagt Florian Beck. Der 27-Jährige hat in Neukölln händeringend nach einem guten Hautarzt gesucht. Gefunden hat er ihn schließlich in Zehlendorf. „Für die paar Termine im Jahr nehme ich den längeren Fahrtweg in Kauf“, meint der Gastwirt. Bei chronischen Erkrankungen habe man ja kaum eine Wahl. „Bei kleineren Sachen überlegt man sich dann aber, ob man sich wirklich an einen Facharzt überweisen lässt.“ Und leider sehe es in anderen medizinischen Bereichen mit der Versorgung in Neukölln kaum besser aus. „Ich kann es ja verstehen. Wenn ich Arzt wäre, würde ich auch lieber in einem reichen Bezirk arbeiten.“ Von selbst werde sich deshalb an diesem Problem nichts ändern.

Florian Beck, Wirt aus Neukölln

Spart der Senat die Charité und vor allem den Campus Benjamin Franklin kaputt?
„Die Zuschüsse für die Charité wurden überproportional gestrichen“, sagt Jan Kunkel. Der 35-jährige Arzt beobachtet diese negative Entwicklung schon seit einiger Zeit an der Charité. „Die Gebäude verfallen. Teilweise gab es Wassereinbrüche in Untersuchungsräumen“, sagt er. Das Geld, das nun zur Instandhaltung gebraucht werde, verhindere wichtige Investitionen. „Auch an Ärzten wurde gespart. Die Arbeit wird auf weniger Schultern verteilt.“ Gleichzeitig werde aber versucht, immer mehr Patienten zu behandeln, um Geld in die Kasse zu bringen. „Ich will kein Horrorszenario entwerfen, aber jeder sieht, dass dieser Prozess endlich ist“, sagt Kunkel. Schon jetzt leide die Pflege unter dem Sparprogramm des Senats.

Jan Kunkel, Arzt aus Prenzlauer Berg

Was schlagen Fachleute vor?

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben