Serie: Berlins Bezirke im Polit-Check : Treptow-Köpenick kommt immer mehr in Schwung

Treptow-Köpenick liegt zwar fern von allem, erlebt aber einen starken Zuzug. Am Müggelsee wird das Strandbad saniert – und gegen Naturschutz demonstriert.

Das Strandbad am Müggelsee soll ab diesem Jahr saniert werden - bei laufendem Betrieb.
Das Strandbad am Müggelsee soll ab diesem Jahr saniert werden - bei laufendem Betrieb.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Was war: Viel Tamtam, Glanz und Gloria

Treptow-Köpenick gewinnt laufend an Bedeutung, weil die Stadt an der Peripherie noch gestaltet werden kann. Da macht Politik noch richtig Spaß. Kurz vor Weihnachten wurde mit viel Tamtam die neue Minna-Todenhagen-Brücke eingeweiht, die Schöneweide vom Durchgangsverkehr entlasten soll. Die „Wissenschaftsstadt“ Adlershof wächst in einem enormen Tempo, neben Bürogebäuden für Start-ups aus der Wissenschaft werden laufend kleine Apartments für Studenten und Forscher gebaut. Die Howoge bekam Ende November vom Senat grünes Licht für ihr Projekt „Wohnen am Campus“, das auch Familien im Fokus hat. 570 Wohnungen sollen an der Hermann-Dorner-Allee entstehen.

Das wichtigste Bauprojekt, das im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht wurde, ist mit dem Makel des Scheiterns behaftet. Die vom Glanz und Gloria der Kaiserzeit kündenden Vergnügungstempel Riviera und Gesellschaftshaus in Grünau werden in ein Ensemble für altersgerechtes Wohnen integriert – und damit sediert. Nach zehn Jahren des spekulativen Verfallenlassens durch die Eigentümerfamilie gab es für den Bezirk offenbar nur noch die Alternative: Friss oder stirb. Viele sind darüber enttäuscht und frustriert.

Der Müggelsee: Zwischen Naturschutz und Eventschauplatz.
Der Müggelsee: Zwischen Naturschutz und Eventschauplatz.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Im Zwist um das neue Natur- und Landschaftsschutzgebiet am Müggelsee stand der Bezirk eher beobachtend am Rande. Der Bezirkssportbund (Bsbtk), ein Zusammenschluss von Sportvereinen, machte mit mehreren Bootsdemos, Petitionen und offenen Briefen Front gegen das neue Regelwerk. Trotz wiederholter Zusicherungen der Naturschutzverwaltung, Segler und Kanuten könnten munter weiter über den See kreuzen, haben viele Vereinschefs und Inselbewohner keine Lust mehr auf neue Paragraphen. Die Schutzverordnung wurde trotzdem erlassen.

Die Maschinerie im Bezirksamt hat im ersten Jahr mit AfD-Beteiligung besser funktioniert als befürchtet. Bernd Geschanowski, AfD-Stadtrat für Gesundheit, Umwelt und Natur, trägt die Entscheidungen mit, die aus anderen Ressorts kommen – im Gegenzug lässt man ihm freie Hand. Kurioserweise wehrt sich Geschanowski gegen eine „Amnestie“ bei Steganlagen, die zu DDR-Zeiten oder in den Wendejahren ohne Genehmigung entstanden sind, und stellt sich damit hinter seine beamteten Naturschützer. SPD-Bezirksbürgermeister Oliver Igel und sein Stellvertreter von den Linken, Sozialstadtrat Gernot Klemm, kennen und schätzen sich. Vor ein paar Wochen protestierten sie gemeinsam gegen Investoren aus Luxemburg, die ein Kita-Projekt scheitern ließen. Schwieriger ist es für Igel, seinem für fast alles zuständigen Parteifreund Rainer Hölmer den Rücken frei zu halten. Als Bau- und Ordnungsstadtrat ist Hölmer Zielscheibe für den Frust über verschleppte Brückensanierungen, zugestaute Straßen, zahnlosen Milieuschutz und die allgegenwärtige Vermüllung von Wegen und Plätzen. Schulstadträtin Cornelia Flader (CDU) legt viel Fleiß an den Tag, verzettelt sich aber gelegentlich beim Kümmern und Problemlösen vor Ort statt dem Senat Zugeständnisse abzuringen, wenn es um neue Schulen und Sporthallen geht.

Was wird: Neuer Müggelturm, neues Strandbad

Den Maifeiertag schon mal vormerken für den Müggelturm-Aufstieg. Turmchef Matthias Große will bis zu diesem Termin die Grundsanierung schaffen, wie er an seinem 50. Geburtstag im Oktober verkündete. 1000 Gäste sollen hier künftig bewirtet werden können.

Der 1. FC Union kann fast die 30-fache Menge an Menschen in seinem Stadion unterbringen. Zum Weihnachtssingen 2017 verkaufte der Verein 28 500 Tickets. Die Karten sind inzwischen so begehrt, dass nur noch Vereinsmitglieder welche abbekommen. Schon deshalb braucht man ein neues Stadion, in diesem Jahr soll ein Verkehrskonzept entwickelt werden, dort liegt die Achillesverse der Köpenicker. Mit dem Fußball klappte es zuletzt nicht so gut. Nach einigen Niederlagen entließ der Club den beliebten Trainer Jens Keller. Trotzdem: Union ist eisern entschlossen, 2018 den Aufstieg zu schaffen.

Wird langsam eng. Das Stadion An der Alten Försterei.
Wird langsam eng. Das Stadion An der Alten Försterei.Foto: Hannibal/dpa

Grün-Berlin-Chef Christoph Schmidt plant, im Frühjahr seinen Masterplan zur Entwicklung des Spreeparks zu präsentieren. Dabei will er unbedingt vermeiden, dass es zu einer Ablehnungskampagne kommt wie beim großen Bruder Tempelhofer Feld 2013/14. Schmidt muss keine Randbebauung durchsetzen, aber etwas Kunst, Kultur und Besucher-Animation soll schon sein. Schon drei Mal diskutierte das Spreepark-Planungsteam Ideen mit den Anwohnern und Fans. Klar ist, dass kein neuer Vergnügungsrummel entstehen wird.

Im Kunstquartier Schöneweide starten in diesem Jahr zwei große Namen der Szene ihre Arbeit. Der Däne Olafur Eliasson baut sich die Betonhalle im ehemaligen Transformatorenwerk zum Groß-Atelier aus. Und in der „Spreehalle“ von Bryan Adams richtet sich die Berliner Künstlerin Alicja Kwade zwei große Hallen ein. Elf der 14 Ateliers sind bereits verkauft oder reserviert. Ob Bryan Adams selbst einzieht, sei noch offen, sagte Peter Hoppe, der sich um das Haus kümmert.

In diesem Jahr beginnt die Sanierung des Strandbads Müggelsee, im März sollen die Planungen vorgestellt werden. Zielstellung ist, dass der Charakter des Strandbades erhalten bleibt. Also auch der kostenlose Eintritt.

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