Sexismus-Debatte um Gedicht : "Wollen wir auch das Lächeln der Mona Lisa abhängen?"

Das "avenidas"-Gedicht ist zurück. Und an der Wand eines Hotels an der East Side Gallery gibts die Mona Lisa. Unser Autor staunt über Hauswandkunst in Berlin.

Da war das Gedicht noch an der Alice Salomon Hochschule.
Da war das Gedicht noch an der Alice Salomon Hochschule.Foto: dpa

Da sind sie wieder, die Zeilen von den Alleen, den Alleen und den Blumen, Blumen, den Blumen und den Frauen, Alleen, Alleen und Frauen, Alleen und Blumen und Frauen und – daran stießen sich die meisten – die Zeile mit dem Bewunderer! Genau, es ist das ursprünglich auf Spanisch verfasste Gedicht „avenidas“ von Eugen Gomringer, dem Begründer der „Konkreten Poesie“. Es zierte einst eine Hauswand der Alice Salomon Hochschule in Hellersdorf.

Doch eine Mehrheit im Allgemeinen Studentenausschuss... oder im Studierendenausschuss oder dem Studierinnenausschuss (?), sagten: Wir im AStA der Hochschule, finden es sexistisch. Es reproduziere eine klassische patriarchale Kunsttradition, hieß es. Also wurde die Wand überstrichen. Doch ein „Bewunderer“ lässt sich nicht so einfach von einem AStA aus dem Stadtbild entfernen: Nun hängt das Gedicht wieder – und zwar an gleich zwei Wänden (in deutscher und spanischer Fassung) auf etwa acht mal zehn Metern an einer Fassade der Wohnungsgenossenschaft „Grüne Mitte“, ebenfalls in Hellersdorf. Und weil es diesen Hellersdorfern nicht hell genug sein kann, lässt die „Grüne Wohnen“ das Stück Poesie Nachts sogar beleuchten.

21.02.2019, Berlin: Ein Sprayer vollendet, auf dem Gerüst sitzend, das riesige Wandbild von Da Vincis Mona Lisa.
21.02.2019, Berlin: Ein Sprayer vollendet, auf dem Gerüst sitzend, das riesige Wandbild von Da Vincis Mona Lisa.Foto: dpa

Andrej Eckhard, der Vorstand der Genossenschaft, will damit ein Zeichen setzen – für Kunstfreiheit. „Leute es reicht, wollen wir auch das Lächeln der Mona Lisa abhängen?“, fragte er. Das war wohl rhetorisch gemeint. Doch wusste er, dass Sprayer jetzt an der Brandwand eines Hotels an der East Side Gallery ihre 170-Quadratmeter-Kopie von Da Vincis Mona Lisa vollendet haben? Hoffen wir, dass diese Kopie keine Bewunderer findet. Streit mit dem AStA einer bestimmten Hochschule wäre programmiert.

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