Show "Afrika! Afrika!" : Tanz den Kontinent

André Hellers Show „Afrika! Afrika!“ gastiert wieder in Berlin. Ein Gespräch mit dem neuen Regisseur Georges Momboye über Kunst, Kultur und Schlagzeilen.

Afrikas Power zeigen. Regisseur und Choreograf Georges Momboye will im Kontrast zu den vielen negativen Nachrichten aus Afrika auch mal die „faszinierende Lebendigkeit“ seines Kontinents auf die Bühne bringen.
Afrikas Power zeigen. Regisseur und Choreograf Georges Momboye will im Kontrast zu den vielen negativen Nachrichten aus Afrika...Foto: promo, Andreas Poschmann

Zum dritten Mal geht die turbulente Zirkus-Show „Afrika! Afrika!“ bundesweit auf Tournee. Deutschlandpremiere ist am kommenden Dienstag im Musicaltheater am Potsdamer Platz. Der österreichische Chansonnier und Aktionskünstler André Heller verwirklichte 2005 erstmals seine Idee eines Afrika-Spektakels unter dem Motto „Kontinent des Staunens“ mit Tanz, Musik und Artistik. Mehr als 70 Darsteller aus 14 afrikanischen Ländern zeigten ihre teils landestypischen Künste. Heller wollte seinem Publikum die Kulturen und die Lebensfreude der Menschen des afrikanischen Kontinentes näherbringen. 2014 folgte die zweite Tournee – und nun ist „Afrika! Afrika“ erneut zu sehen.

André Heller ist allerdings nicht mehr dabei. Und bis auf zwei Nummern wurde das gesamte Programm neu inszeniert. Regie führt der 49-jährige Tänzer und Choreograf Georges Momboye von der Elfenbeinküste. Er gilt weltweit als einer der profiliertesten Vertreter des afrikanischen Tanzes. An den früheren Shows nahm er als Tänzer und als Hellers wichtigster Partner teil. Wir sprachen mit ihm über die neue Show.

Herr Momboye, was sind die spektakulärsten Neuerungen Ihrer Inszenierung?

Da fällt mir gleich „Dumbo“ ein, unser lebensgroßer afrikanischer Elefantenbulle, eine unglaublich tolle, von mehreren Artisten bewegte Puppe aus der Kreativ-Werkstatt des international renommierten US-Puppenbauers Michael Curry. Der hat auch schon für „Der König der Löwen“, die Blue Man Group oder den Cirque de Soleil fantastische Puppen gebaut. Neu sind zum Beispiel auch die „Ikarischen Spiele“, dabei wird ein Artist von seinem am Boden liegenden Partner mit den Füßen durch die Luft gewirbelt. Oder der „Banquin-Act“ – neun Männer, die ihre Arme als Trampolin nutzen.

Inwiefern gehören diese artistischen Acts in besonderer Weise zu Afrika? Was sollen sie vermitteln?

Unser Mix aus Artistik, Tanz und Musik zeigt Facetten der künstlerischen Gegenwart Afrikas genauso wie das traditionsreiche Erbe unseres Kontinents – von Äthiopien bis zur Elfenbeinküste, von Marokko bis Südafrika. Es geht aber auch um die künstlerische Weiterentwicklung von Afro-Amerikanern und Afro-Europäern. Wie haben sie ihre afrikanischen Talente und ihr Temperament, ihre unvergleichliche Leidenschaft für Tanz, Kunststücke und Gesang, mit den kulturellen Einflüssen ihrer neuen Heimat überzeugend verbunden? Auch das soll in der Show rüberkommen.

Das Bild von Afrika in den Medien sieht ganz anders aus. Es wird von Problemen beherrscht: Kriege, Armut, Flucht, Terror, Korruption. Reflektiert das Ihre Show?

Nicht direkt. Aber das sollten Sie nicht falsch verstehen, wir zeigen keineswegs eine der üblichen Folkloreshows, wie sie in Touristenhotels geboten werden. Unser Anliegen ist, im Kontrast zu den vielen negativen Schlagzeilen auch mal das Positive, das Faszinierende von Afrika herauszustellen. Die Leute sollen sehen, wie viele Talente, wie viel Lebendigkeit, Power und Begeisterungsfähigkeit es auf unserem Kontinent gibt, einfach überall. Und dass es auch einen entsprechenden Zusammenhalt unter den Afrikanern gibt, also die Einsicht, dass wir nur mit gemeinsamer Kraft weiterkommen, Schwierigkeiten überwinden und Frieden schaffen können. Letztlich ist auch unsere Show der Beweis dafür, es wirken fast ausschließlich Afrikaner mit. Sie zeigen: Wir bekommen so etwas Tolles auch alleine auf die Bühne. Viele Mitwirkenden, die wir entdeckt haben, verbinden mit dieser Tournee auch große Karrierehoffnungen.

Dennoch flüchten derzeit viele Menschen aus afrikanischen Ländern, sie haben alle Hoffnung auf ein besseres Leben zu Hause verloren. Was sagen Sie diesen Leuten?

Die beste Zukunftschance, die allerwichtigste Aufgabe für uns ist doch eindeutig, die Lebensbedingungen auf unserem eigenen Kontinent nachhaltig zu verbessern Vielleicht kann „Afrika! Afrika!“ auch manche Menschen dazu ermutigen, die schon geflüchtet sind. Das wäre wunderbar.

Termine: 23. bis 28. Januar im Musical-Theater am Potsdamer Platz, Tickets ab 29,90 Euro, mehr Infos unter: www.afrikaafrika.de

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