Sicherheit im Berliner Straßenverkehr : Bau neuer Ampeln steckt im Stau

Nur wenige Bauanträge für Ampeln werden von der Berliner Verkehrslenkung genehmigt. Und wo es doch mal die Erlaubnis gibt, zieht sich das Umsetzen häufig in die Länge.

Der Ruf nach neuen Ampeln, um Straßen oder Kreuzungen sicherer zu machen, verhallt in Berlin oftmals ungehört.
Der Ruf nach neuen Ampeln, um Straßen oder Kreuzungen sicherer zu machen, verhallt in Berlin oftmals ungehört.Foto: Imago

Es ist nur ein Beispiel von vielen: Eltern der Grünauer Gemeinschaftsschule wollen den Weg der Kinder sicher machen und fordern eine Ampel an der Wassersportallee. Und es passiert nichts. Die bei der Senatsverkehrsverwaltung angesiedelte Verkehrslenkung Berlin (VLB) hat sich nach Angaben einer Mitarbeiterin am Ort umgeguckt und festgestellt, dass die Lücken im Verkehr so groß seien, dass die Straße auch ohne Ampel sicher genug überquert werden könne. Eine solche Antwort hatte auch die Inselschule am Adlergestell in Schmöckwitz erhalten. Mehr als Tempo 30 ist bei der VLB meist nicht zu holen.

Neue Ampelanlagen lassen sich nur schwer durchsetzen, wie aus der Antwort der Verkehrsverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Stefan Förster hervorgeht. So wurden nach Angaben von Staatssekretär Jens-Holger Kirchner im vergangenen Jahr 23 Anträge abgelehnt und nur eine Anordnung erteilt. 2016 gab es 14 Ablehnungen und fünf Anordnungen, 2015 lehnte die VLB alle 19 bearbeiteten Anträge ab, 2014 war das Verhältnis 20:3, 2013 lag es bei 25:1 und 2012 war ebenfalls kein Antrag erfolgreich.

Zahl der Ampeln kaum verändert

Die Zahl der Ampelanlagen insgesamt hat sich in den vergangenen Jahren kaum geändert. Im vergangenen Jahr waren 2100 vorhanden, 2016 war es sogar eine mehr und 2015 lag man bei 2091; zwei weniger als 2014. Zehn Jahre zuvor waren es allerdings erst 1951.

Doch selbst wenn die VLB dem Bau einer Ampelanlage zustimmt, geht es oft nur schleppend voran. Von 19 Anordnungen sind derzeit elf noch nicht gebaut. Umsetzungen in diesem Jahr sind laut Kirchner auf folgenden Straßen geplant: Brandenburgische Straße (Ballenstedter Straße–Wittelsbacher Straße) in Wilmersdorf, Blücherstraße/Brachvogelstraße– Mittenwalder Straße in Kreuzberg, Lindenstraße/E.T.A.-Hoffmann-Promenade in Kreuzberg, Hauptstraße/Helmstraße in Schöneberg, Pasewalker Straße–Berliner Straße/Bahnhofstraße–Rosenthaler Weg in Pankow, Siemensstraße/Nicolaistraße in Lankwitz, und Rennbahnstraße/Gustav-Adolf-Straße in Weißensee.

Mehrere Anlagen bis 2019

2018/19 soll die Prenzlauer Promenade (Elsa-Brändström-Straße) in Pankow folgen, 2019 soll auch die Chausseestraße/Boysenstraße in Mitte an der Reihe sein. Bei der Bundesstraße 2/Am Luchgraben in Malchow hängt die Ampel-Installation nach Kirchners Angaben vom Bau einer neuen Straßenverbindung ab, und an der Wuhlheide–Lindenstraße in Oberschöneweide muss die Ampel auf den Ersatzneubau der Pyramidenbrücke warten.

Das Umsetzen der Anordnungen erfolgt, wenn sich die Infrastruktur ändere, etwa durch den Bau neuer Straßen oder Schulen, teilte Kirchner weiter mit. Bei allen anderen Anlagen bestimmten die Verkehrsverhältnisse die Reihenfolge: Hierbei würden Unfallzahlen und -folgen, das Verkehrsaufkommen, das Vorhandensein von besonders schützenswerten Einrichtungen wie Schulen oder Behinderteneinrichtungen sowie der Abstand zur nächsten Ampelanlage berücksichtigt und entsprechend gewichtet.

Genügend Geld für neue Ampeln wäre da

Am Geld scheint der Bau neuer Ampelanlagen nicht zu scheitern. Das Finanzierungsvolumen sei ausreichend, erklärte Kirchner. Für Maßnahmen der VLB gebe es jährlich rund 1,3 Millionen Euro. Die Mittel seien seit 2012 unverändert geblieben. Zum Teil beteiligten sich auch private Investoren an der Finanzierung. Zudem gebe es Sonderprogramme.

Am billigsten ist der Bau von so genannten Bedarfsampeln für Fußgänger, die ihr Grün auf Knopfdruck anfordern. Diese Ampeln kosten etwa 150.000 Euro. Bei Anlagen, die Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer lenken, werden nach Kirchners Angaben rund 340.000 Euro fällig.

Angenommen ist dabei ein Knotenpunkt mit vier zulaufenden Straßen, ein Mittelstreifen in der Hauptverkehrsrichtung, eine integrierte Beschleunigung für Busse oder Straßenbahnen. eine behindertengerechte Ausstattung und der Einbau von Induktionsschleifen unter der Fahrbahn für eine verkehrsabhängige Steuerung, heißt es in der Antwort.

Keine Bedarfsampeln für Radler

Einfach war die Frage von Förster zu den Kosten von Bedarfsampeln für Radfahrer zu beantworten. Solche gebe es in Berlin nicht, teilte Kirchner mit. Die Kosten lägen wahrscheinlich auch über 300.000 Euro, weil es – anders als bei Fußgängern – auch für Radler Induktionsschleifen geben müsste.

Doch nicht nur beim Neubau muss man warten. Die Reparatur einer bei einem Unfall beschädigten Ampel in Reinickendorf dauerte nur gut vier Jahre.

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