So kann's gehen: Gekränkter Ex-Mann : Vorsichtiger Blick in die Zukunft

Die Bezeichnung als "Ex-Mann" durch seine ehemalige Partnerin kränkt einen Mann lange nach der Trennung. Unsere Kolumnistin geht seinem Beweggrund auf die Spur.

Alles aus? Als "Ex" will sich ein Mann nicht gern bezeichnen lassen.
Alles aus? Als "Ex" will sich ein Mann nicht gern bezeichnen lassen.Foto: picture alliance / dpa

Ein Freund war 25 Jahre mit seiner Frau verheiratet. Die beiden haben zwei erwachsene Kinder und sechs Enkel, sind jeweils auch ein Vierteljahrhundert nach der Trennung keine neue feste Bindung eingegangen. Sie sehen sich alle zwei bis drei Jahre zu besonderen Familienanlässen, tauschen sich aber nach wie vor in unregelmäßigen Abständen über ihre Lebensumstände aus, obwohl sie 500 Kilometer entfernt voneinander leben. Nun erfährt mein Freund, dass sie gelegentlich von ihm als „Ex-Mann“ spricht. Er fühlt sich durch diese Wortwahl gekränkt. Schließlich lebe er noch, und beide hätten sich ein Grundverständnis mit regem Gedankenaustausch über all die Jahre bewahrt.

Bert, vermittelnd

Kann es sein, dass ihr Freund sich eine eigene Welt geschaffen hat, die mit der Wirklichkeit nur bedingt zu tun hat? Der Begriff „Ex-Mann“ ist ja nun wirklich sehr verbreitet. Kaum jemand würde auf den Gedanken kommen, dass es sich um ein Synonym handelt für einen exhumierten Mann, der schon lange verstorben ist. Wenn ein Paar in der Lage ist, nach der Trennung oder Scheidung trotzdem in freundschaftlichem Kontakt zu bleiben, ist das vor allem eine gute Nachricht, von der ja nicht zuletzt Kinder und Enkel profitieren. Es gibt ihnen die Möglichkeit, mit Eltern und Großeltern zusammen zu kommen, ohne dass sie Streit und Anfeindungen ertragen müssen. Dass man sich in einem gegenseitigen „Grundverständnis“ miteinander verbunden fühlt und einen „regen Gedankenaustausch“ pflegt, annulliert freilich die Trennung nicht.

Auf den ersten Blick gibt es überhaupt keinen Grund für Ihren Freund, gekränkt zu sein. Es sei denn, er erhofft sich mehr von der Beziehung zu seiner Ex-Frau und würde das Band gern wiederherstellen. Ein Versuch ist nicht ganz ungefährlich, dabei könnten alte Minen durchaus noch explodieren. Auch könnte herauskommen, dass vielleicht doch im Hintergrund eine neue Liebe existiert. Niemand zwingt einen, jede neue Beziehung gleich an die große Glocke zu hängen oder der Familie bei der Konfirmation des Enkels vorzustellen. Manche Menschen trennen lieber ihre alten und neuen Lebenswelten voneinander, was durchaus vernünftig sein kann. Selbst wenn man sich mit dem Ex-Partner austauscht, muss man ihm nicht unbedingt alles erzählen. Aber wenn die beiden sich tatsächlich regelmäßig über ihre Lebensumstände auf dem Laufenden halten, spricht nichts dagegen, sich mal ohne die Familie zum Essen zu treffen. Ein Anlass lässt sich zur Not schnell konstruieren. Dabei könnte man jedenfalls besser vorfühlen als bei einem großen Familienfest, ob die Trennung nun lebenslänglich halten soll, oder ob vielleicht doch noch die Chance besteht, auch nach Jahren wieder zusammen zu kommen. Dafür sprächen Kinder und Enkel. Die würden sich sicher freuen.

Mehr zum Thema

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an: meinefrage@tagesspiegel.de

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!