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Sohn, Mann, Affäre, alles da : Nina Hoss stellt ihren Film „Das Vorspiel“ in Berlin vor

Nina Hoss ist zurück im Kino – in „Das Vorspiel“ spielt sie eine Geigenlehrerin, die ihre Schüler demütigt. Am Mittwochabend feierte sie die Premiere in Berlin

Sie spielt selber, aber hören kann man sie nicht: Nina Hoss in "Das Vorspiel"
Sie spielt selber, aber hören kann man sie nicht: Nina Hoss in "Das Vorspiel"Foto :Judith Kaufmann/Port au Prince Pictures/dpa

Nina Hoss kann man jetzt im Kino Geige spielen sehen, aber hören kann man sie nicht. Denn für Hoss' neuen Film „Das Vorspiel“, der am Mittwochabend im Kino in der Kulturbrauerei Premiere feierte, musste Hoss Geige lernen – im Film wurde sie dann aber übertönt von einer, die es wirklich kann.

Ihr Sohn verachtet Sie, ihr Schüler kriegt Bach nicht gestrichen

Hoss spielt Anna Bronsky, eine Geigenlehrerin im Prenzlauer Berg, die eigentlich alles hat, was man sich wünschen kann: Einen Franzosen als Ehemann, der ihr zum Geburtstag Liebeslieder auf der Gitarre klampft und einen Cellisten, den sie besucht, wenn sie Lust auf Sex hat.

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Außerdem einen Sohn, der nicht nur französisch und deutsch spricht, sondern auch ein Ausnahmetalent an der Geige ist. Eishockey spielt er übrigens auch. Soweit, so Prenzlauer Berg. Nur leider verachtet ihr Sohn sie, wenn sie Geige spielt, fliegt ihr beim Konzert der Bogen aus der Hand, und ihr neuer Schüler kriegt Bachs Etüden einfach nicht anständig gestrichen.

Wie hart muss man arbeiten, um zu den Besten zu gehören?

„Es war eine Wonne, Anna zu spielen“, sagte sie am Mittwochabend nach der Premiere. „Sie macht es sich so schwer und kommt einfach nicht zur Ruhe.“ Anna ist eine von der Perfektion besessene Frau, die mit steinernem Blick ihren Schüler Alexander immer und immer wieder „Nochmal“ sagt, weil der das Stück für das Vorspiel nicht anständig hinbekommt.

Der Film soll die harte Arbeit zeigen, die es braucht, um auf einer Bühne zu bestehen, sagte die Regisseurin Ina Weisse, als sie nach dem Film zusammen mit Hoss vor der Leinwand stand. Sie zeigt den Druck, die Selbstzweifel und die Konsequenzen des Drills.

Hoss sagte, für sie sei es besonders gewesen, mit so vielen Frauen zu drehen – neben der Regisseurin Ina Weisse war da die Kamerafrau Judith Kaufmann, und Sophie Rois, die eine herrlich biestige Lehrerkollegin von Anna spielt. Geige spielen lernte Hoss von Marie Kogge.

Wie spielt man Zuhören?

Außergewöhnlich sei auch das Zuhören gewesen, sagte Hoss. Anna hört immer zu, als hätte sie schon vor dem ersten Ton die Kritik im Kopf: angestrengt und ernst. Egal ob bei der Aufnahmeprüfung für die Schule, beim Üben ihres Schülers oder ihres Sohnes. Nur einmal im Film scheint sie die Musik tatsächlich genießen zu können – als ihr Ehemann ihr ein Stück vorspielt und ihr nicht sagt, dass sie es ist, die da spielt.

Für Nina Hoss, die in Berlin lebt, ist es der erste Kinofilm seit zwei Jahren. Doch als sie auf der Bühne vom Moderator gesagt bekam, dass sie endlich wieder zurück sei, fragte sie nur: „War ich weg?“ Jetzt ist sie jedenfalls definitiv da. Zu sehen ist Hoss ab heute im Kino.

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