Berlin : Sollen die Blitzer-Warnungen im Radio untersagt werden?

Christian van Lessen

Es gibt Reizworte, die auch durch ständiges Wiederholen nicht erträglicher werden. „Flitzerblitzer“ ist eines, ohne das diverse Radiostationen gar nichts oder sehr viel weniger zu sagen hätten. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die ständigen, leidenschaftlich vorgetragenen Blitzermeldungen das Schnellfahren geradezu sanktionieren.

Diesen Vorwurf dürften die Stationen natürlich entrüstet von sich weisen. Aber was ist ihr ständiges Vermelden von Flitzerblitzer-Adressen anderes als Ausdruck einer kumpelhaften Solidarität mit denen, die dauerhaft gegen Verkehrsregeln verstoßen? Was bedeutet die Anruf-Ermunterung an Hörer anderes als einen Aufruf, vorübergehend doch bitte den Fuß vom Gas zu nehmen. Nach dem Motto: Fahrt ruhig weiter schnell, aber lasst euch nicht erwischen. Geblitzt wird ja nur hier und dort.

Vor den Unfallfolgen schnellen Fahrens warnt niemand. Die Durchsagen mögen Quote bringen, aber die Zahl der Verkehrsopfer durch ständiges Rasen auf vermeintlich blitzersicheren Strecken ist viel zu hoch, um dieses Räuber-und-Gendarm-Spiel weiterzutreiben. Der Polizeipräsident hat sich endlich entschieden, keine eigenen Blitzerwarnungen mehr zu vermelden. Radiostationen sollten dem folgen.

Dass die „Flitzpiepen“, die stolz ihre Beobachtungen durchgeben, meistens das Handy beim Fahren benutzen, ist ein weiterer, provozierender Verstoß.

Die Frage kann doch nicht sein, ob durch Blitzermeldungen im Radio fragwürdige Solidarität mit Verkehrssündern geübt wird, sondern muss lauten: Verbessert sich die Situation auf den Straßen? Wird mehr gerast oder weniger? Was bessert sich, wenn die Polizei heimlich blitzt? Gar nichts.

Die Mehrheit fährt nach Vorschrift, weil sie das für vernünftig hält, während die notorischen Raser weiter durch die Straßen preschen. Das geringe Risiko, erwischt zu werden, schreckt sie nicht. Und was passiert, wenn im Radio Blitzer gemeldet werden? Die Raser treten auf die Bremse und halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung.

Noch einmal: Die Raser halten sich an vorgegebene Tempolimits. Zwar nur an ausgesuchten Orten, aber immerhin. Das ist ein Ergebnis, das die Berliner Polizei mit ihrer Nacht-und-Nebel-Methode noch nie bewerkstelligen konnte. Blitzer-Meldungen im Radio zu verbieten, ist also Unfug.

Im Gegenteil. Wenn es der Berliner Polizei um die Sicherheit auf den Straßen ginge und nicht um die paar Euro, die ihr durch Radiowarnungen durch die Lappen gehen, würde sie dafür sorgen, dass nicht weniger, sondern mehr Standorte im Radio durchgegeben werden – sogar solche, die es gar nicht gibt.

Übrigens: In Kreuzberg auf der Skalitzer Straße nahe Kottbusser Tor wurde kürzlich eine Tempo-30-Zone eingerichtet. Auch da wird gerne mit Blitzern kontrolliert. Moritz Honert

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