Sommerhitze in Berlin : Dresscode für die heißen Tage

Die Hitze rechtfertigt keine modischen Entgleisungen - und Waschmittel helfen, sympathisch zu bleiben.

Baustadtrat Florian Schmidt in kurzen Hosen bei einem Termin in Kreuzberg.
Baustadtrat Florian Schmidt in kurzen Hosen bei einem Termin in Kreuzberg.Foto: Gewobag/promo

Jeden Tag dasselbe tragen? Man könnte meinen, das sei okay in Zeiten, in denen die Mode sehr individuell interpretiert werden darf. Außer Kraft gesetzt wird diese Regel bei großer Hitze. Öfter mal die Klamotten wechseln, lautet die Regel für eigentlich alle Menschen, die Sozialkontakte haben – und sei es nur eine stumme Fahrt im Bus oder in der Bahn. Wer seinem Körper häufige Duschen gönnt, sollte nicht vergessen, dann auch die Kleidung schnell mal durch die Seifenlauge zu ziehen. Polyester mag schneller trocknen, aber bei diesen Temperaturgraden ist man mit Baumwollkleidung auch olfaktorisch eher auf der sicheren Seite. Tätowierungen gelten nicht als Kleidungsstücke. Da scheinen tatsächlich noch einige gruselige Missverständnisse zu kursieren.

Die meisten Arbeitnehmer wissen sowieso, dass man möglichst vollständig angezogen aussehen sollte, wenn man ins Büro geht. Das ist aber auch im Hinblick auf das körpereigene Hitze-Management sinnvoll. Von einer bestimmten Temperatur an hilft es nämlich gar nicht mehr viel, die Haut in kurzen Hosen oder Spaghetti-Trägern zu exponieren. Mit einer langen Hose aus einem kühlen Stoff wie Leinen fühlt man sich gleich viel angezogener und also auch cooler.

Schlabbrige Bermudas und haarige Männerbeine

Nackte Haut wirkt schnell klebrig und unangenehm. Eine luftige Bluse oder ein Kleid mit weiten Chiffon-Ärmeln sehen gut aus und helfen trotzdem dabei, nicht übermäßig zu schwitzen. Auch transparente Strümpfe führen nicht gleich zum Hitzeschlag. Behaarten Männerbeinen geht es ansonsten wie den Knoblauchfahnen. Über die Jahre haben sie an Akzeptanz gewonnen, besonders wenn sie schon etwas Sonnenbräune vorweisen können und nicht unter zu vielen Altersringen ächzen. Sie in schlabbrigen, bunten Bermudas auszuführen, die von Unterhosen oder Badesachen nicht wirklich zu unterscheiden sind, ist dennoch ein Fehler.

Eine bitte wirklich gut geschnittene, knapp knielange kurze Hose sollte aus festem Material wie Baumwolle oder Leinen bestehen, bevor sie als stadtfein geadelt werden kann.

Es gibt freilich immer noch genug konservative Berufe, in denen man sich mit langen Beinkleidern allemal besser fühlt. Eine gerunzelte Kollegen- oder gar Vorgesetztenstirn sollte einem zumindest zu denken geben. Auch wenn das Denken bei der Hitze natürlich schwerer fällt. Ein Dauerbrenner unter den Entgleisungen sind Socken in Sandalen. Mag die Mode mit ihrer Liebe zu Brüchen sie inzwischen ebenfalls aus der Tabuzone geholt haben, bieten sie doch nach wie vor manche Chance zu Fehltritten. Wer dazu greift, sollte es peinlichst vermeiden, vom Straßenstaub angegraute Socken zu für „noch mal gut“ zu befinden. Menschen, die da am Waschpulver sparen, möchte man dann auch nicht unbedingt im Winter begegnen, wo Finsternis manchen Fauxpas gnädig verhüllt.

Pediküre im Sommerurlaub

Lässig und unter Umständen angezogener wirken nackte oder besockte Füße auch in Loafern oder Espadrilles, und die schwitzen auch nicht heftiger. Diese Lösung bietet sich besonders auch solchen Zeitgenossen an, deren Pediküre gerade im Sommerurlaub weilt. Bevor man nämlich sockenlos in die Sandale schlüpft, empfiehlt sich unbedingt eine selbstkritische Überprüfung der Zehennägel: Kann man sie wirklich herzeigen?

Kopfbedeckungen sind sinnvoll für Menschen, die viel im Freien unterwegs sind. Wagenradgroße Hüte passen freilich besser auf die Rennbahn als in den knappen innerstädtischen Raum. Tücher, auch solche im Piratenlook, Basecaps und Strohhüte mit schmaler Krempe sind indessen in Ordnung.

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Und wer sich aus dem nächsten Sommerurlaub einen feschen Fächer mitbringen mag: Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt. Achten Sie nur bitte darauf, dass sie im Überschwang der heißen Gefühle nicht ihren Sitznachbarn im Bus mehr Luft zufächeln, als es denen bekömmlich erscheint. So heiß kann es gar nicht werden, dass die in diesen Breitengraden allgegenwärtige Angst vor Zugluft plötzlich ganz verschwindet. Rücksichtnahme in herausfordernden Zeiten beschränkt sich nicht nur auf die richtige Kleidung.

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