Sonderangebot zur Fête de la Musique : Konzert plus Freakshow - live aus dem Edeka

Der Edeka-Markt von Sandra Lawrenz streamt zur Fête de la Musique ein fünfstündiges Show- und Konzert-Programm, wie es die Einzelhandelsbranche noch nicht erlebt hat

Wo jetzt noch Chipstütenpaletten und Cola-Flaschentürme den Weg versperren, direkt vor der Salate-und-Käse-Theke, wird die Konzertbühne stehen. Mit Lichtanlage, Mischpult, protzigen Drums und dem üblichen Kabelwirrwarr. Besonders stolz ist die Supermarkt-Crew auf das Rolltor zum Lager. Dort wird am 21. Juni gegen 16 Uhr die Kamera draufhalten, dann schnellt das Tor hoch und aus dem Nebel erscheinen die Musiker der ersten Band, die bei Edeka-Lawrenz in Alt-Treptow die Butter zum Schmelzen bringt. 

Die Fête de la Musique traut sich diesmal nicht auf die Straßen Berlins, wegen Corona, dafür wird aus allen Ecken der Stadt gestreamt, Den Nachmittag und Abend des 21. Juni kann der geneigte Musikfan auch ausschließlich via Fête-Internetportal im Edeka-Markt von Sandra Lawrenz verbringen. Das Programm dauert bis 21 Uhr. 

Fünf Bands treten auf, in den Umbaupausen gibt es vorproduzierte Backstage-Interviews sowie Show- und Slapstick-Einlagen der Edeka-Belegschaft, auch die Moderation übernimmt ein Kollege. Bei Lawrenz sind sie solche Nebenjobs schon gewöhnt.

Marketingchef Sascha Frentzen freut sich besonders auf die "Freakshow" von Kollegen und Freunden, Näheres möchte er lieber nicht verraten. Eine Froschmaske wird eine Rolle spielen, Kids skaten durch den Markt, die Chefin singt auch mal selbst, im Playback, und getanzt wird eigentlich ständig, auch mal im Takt des Kassenscanners. 

Für den Trailer des Streams haben sie bis drei Uhr morgens im Markt gedreht. Der Supermarkt, den alle nur als Kunden erleben, entwickelt ein Eigenleben. Der Film "Nachts im Museum" fällt Sandra Lawrenz dazu ein. 

Warum sie das alles macht? Weil sie es kann. Ihr gehört der Markt, nicht Edeka. Habe sich alles irgenwie ergeben, sagt die 41-Jährige, die in Tegel aufgewachsen ist. Sie kennt Leute aus ihrer Jugend, die in Bands spielen und immer nach Auftrittsgelegenheiten suchen, da dachte sie eben auch mal an ihre Käsetheke, da wäre doch Platz. Aber wie sollte das gehen, bei laufendem Betrieb? Besser, einen Lkw mit ein paar Boxen auf den Parkplatz zu stellen, "Plane hoch, Feuer frei." 

So war das vor vielleicht fünf Jahren bei ihrer ersten Fête-Teilnahme. Die Kundschaft war zufrieden, neue Bands meldeten sich, also wuchsen in den folgenden Jahren auch die Bühne und das Programm. Letztes Jahr trat die bekannte Punkrock-Band Cryssis auf dem Parkplatz auf. Als die Polizei darum bat, das Konzert zu beenden, protestierten die Fans und die Band spielte unplugged weiter.

 Als die Fête wegen Corona ins Netz abwanderte, wollte Lawrenz nicht einfach aussetzen. Das Geschäft hat wegen Corona mehr Umsatz gemacht als sonst, die Konzertveranstalter und -techniker, die auch diesmal für die professionelle Abwicklung zuständig sind, können dagegen jeden Auftrag gebrauchen.

Edeka-Lawrenz ist kein normaler Supermarkt. Auf dem Parkplatz steht ein Bauwagen, in dem regelmäßig zum Repair-Café geladen wird, daneben haben sie mit Leuten aus dem Kiez ein Hochbeet gebaut, es gibt Flohmärkte, Tauschbörsen und Malaktionen. Einen Poetry-Slam hat Frentzen schon im Markt organisiert. Auf den Social-Media-Kanälen erzählt er kleine Geschichten rund ums Sortiment, das soll die Menschen mit ihrem Edeka-Markt verbinden. Es geht natürlich um Werbung, aber eben besser verpackt.

Für die Fête-Aktion will ihr alter Deutschlehrer aus seinem Buch über Walter Benjamin vorlesen, erzählt Lawrenz, darin spielen auch Schüler-Texte über Cornflakes, Café Creme und Nutella eine Rolle. 

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