• Spenden für Feuerwehrmann nach Attentat: „Wir dürfen die anderen Opfer nicht vergessen“

Spenden für Feuerwehrmann nach Attentat : „Wir dürfen die anderen Opfer nicht vergessen“

Feuerwehrmann Manuel Barth sammelt Spenden für seinen Kollegen, der beim Anschlag auf der A 100 schwer verletzt wurde. Der Mann ist auf der Intensivstation.

Bei einem islamistisch motivierten Attentat auf der A 100 wurden mehrere Menschen verletzt – auch ein Feuerwehrmann.
Bei einem islamistisch motivierten Attentat auf der A 100 wurden mehrere Menschen verletzt – auch ein Feuerwehrmann.Odd ANDERSEN / AFP

Manuel Barth, 49, ist Mitarbeiter der Berliner Feuerwehr. Er hat eine Spendenaktion gestartet für seinen Kollegen, der am Dienstag beim islamistisch motivierten Attentat auf der A100 schwer verletzt wurde. Der Beamte erlitt schwere Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule. Selbst wenn er überlebe, seien gravierende Folgeschäden zu befürchten, sagt die Staatsanwaltschaft. Barth sprach mit dem Tagesspiegel über seinen Kollegen, die Folgen des Anschlags und Gewalt gegen Einsatzkräfte, dies aber ausdrücklich nicht im Namen der gesamten Feuerwehr, sagt er.

Sechs Menschen sind bei der Anschlagsserie am Dienstagabend auf der A 100 verletzt worden. Ein Opfer, ein Berliner Feuerwehrmann, hat offenbar schwere Kopfverletzungen erlitten. Wie geht es ihm?
Er wird weiterhin intensivmedizinisch behandelt, er ist sehr schwer verletzt. Nach einem Besuch kann ich sagen, dass das medizinische Personal super engagiert ist, dafür sind wir dankbar.

Schildern Sie uns bitte den Tag des Kollegen. Was hat er am Tag des Attentats gemacht, wo wollte er hin?
Der Kollege versah einen anstrengenden 12-Stunden-Dienst in der Leitstelle der Berliner Feuerwehr. Er war anschließend auf seinem Motorroller auf dem Weg nach Hause zu seiner Familie.

Zahlreiche Einsatzkräfte waren am Tattag im Einsatz. Wie haben sie die Umstände erlebt, insbesondere da sie ihren eigenen Kollegen retten mussten?
Hierzu kann ich allgemein nichts sagen, da ich davon selber keine Eindrücke erhielt. Ich stand vor der Vollsperrung kurz vor der Detmolder Straße, als mich ein Kollege anrief, der noch an der Einsatzstelle vorbeigeführt wurde. Ihm kam der Roller bekannt vor. Das sich einstellende mulmig-miese Gefühl bestätigte sich dann leider etwas später.

Wie gehen Ihre Kollegen damit um?
Sehr unterschiedlich. Von schockiert bis wütend über traurig und still. Aber dennoch, und darin sollte der Fokus liegen, nehme ich uns geeint im gleichen Ziel wahr, in den gleichen Wünschen und Hoffnungen.

[Zur Spendenaktion geht es hier: www.tagesspiegel.de/feuerwehrspende]

Sie haben eine Spendenaktion für ihren verletzten Kollegen gestartet. In zwei Tagen sind bereits knapp 29.000 Euro zusammengekommen.
Ich bin überwältigt, wie großzügig und solidarisch die „Familie“ der Kolleginnen und Kollegen sowie Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr ist, und das über die Landesgrenzen hinaus. Damit habe ich nicht gerechnet. Wenn man unbedingt nach einer Erklärung suchen mag, dann würde mir als Erstes einfallen, dass es hier um die Folgen eines Angriffs von außen geht. Bei all der Zickerei, die sich Geschwister im Innenverhältnis manchmal liefern mögen, sollte, muss jeder hier erkennen, dass man es mit einer echten Gemeinschaft und nicht nur mit Kollegen zu tun hat. Nicht zuletzt hat der Feuerwehrmann, die Feuerwehrfrau ein Bedürfnis handlungsfähig zu sein, dass liegt in der Natur des Berufsbildes. Und das sehen wir hier.

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Sie haben Kontakt zur Familie, wie kommt diese derzeit zurecht?
Ausnahmezustand ist der Begriff, der genannt wurde, und die Dankbarkeit, eine so große Community hinter sich zu wissen. Nicht wirklich überrascht hat mich die Sorge der Familie darüber, wie es den anderen Opfern dieser Tat geht, den Opfern, die keine so große Gemeinschaft hinter sich haben. Die Familie wünscht sich hier aktuell mehr Öffentlichkeit – und dass jene anderen fünf Opfer nicht vergessen werden.

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