Spielzeugladen feiert Jubiläum : 50 Jahre "Werken Spielen Schenken"

Ein Familienunternehmen an der Schloßstraße feiert. Der Chef blickt zurück auf besondere Nachbarn und auf Ideen, von denen nicht alle funktionieren.

Chefsache. Ingo Herpolsheimer und sein Mitarbeiter Alexander Straßko.
Chefsache. Ingo Herpolsheimer und sein Mitarbeiter Alexander Straßko.Foto:Boris Buchholz

Enten gehörten zu „Werken Spielen Schenken“ wie das Rot der Fassade und das Grün im Untergeschoss. Als der Spielzeug- und Bastelladen 1974 in die großen Räume im neuen U-Bahnhof Schloßstraße umzog, bewohnten zur Eröffnung 24 Entenküken das Schaufenster. „Lebendige, echte“, erinnert sich Ingo Herpolsheimer, „wir Kinder mussten sie versorgen“. Der damals Neunjährige war auch für die Krankenpflege zuständig, als das falsche Streu zu Entzündungen der Jungtiere führte, und er die Augen der Vögel mit Kamille abtupfen musste. „Eine Nacht sind die auch ausgebüxt“, Küken einfangen kann eben auch zur Job-Beschreibung einer städtischen Unternehmerfamilie gehören. Ingo Herpolsheimer übernahm 2014 den Spielzeugladen von seinem Vater.

Schon in den Anfangsjahren waren Enten Teil des Erscheinungsbildes von „Werken Spielen Schenken“. Auf einer Papiertüte aus dem Jahr 1970, sie hängt an der Wand im Büro, ist eine freundliche Ente abgebildet. Fotos aus den frühen 80er Jahren zeigen die rote Ladenfassade, auf der Logo-Enten prangen. Erst die technisch ausgeprägten 80er Jahre sorgten für einen Design-Wechsel – das Federvieh verschwand.

Am Anfang war der Überlebenskampf

1968 hatten Anneliese und Manfred Herpolsheimer ihren Laden in der Düppelstraße 34 eröffnet, klein war er und von Spielwaren fehlte jede Spur. Der gelernte Werkzeugmacher Manfred Herpolsheimer wollte mit einem Laden für Heimwerkerbedarf den Familienunterhalt erwirtschaften. „Er hat zwei Jahre ums nackte Überleben gekämpft“, erzählt sein Sohn. Weil der Laden nicht lief, veränderte Vater Manfred das Sortiment: Bald bevölkerten die ersten Spielwaren seine Regale. Die Kunden kamen.

Zwei Jahre später war der Raum zu knapp geworden, das Geschäft zog um die Ecke in die Kieler Straße. 80 Quadratmeter war das neue Lokal groß. Ingo Herpolsheimer erinnert sich: „Daneben gab es Schirm-Schirmer und weiter runter gab es Seifen-Müller. Der war so eine halbe Treppe hoch, und da hat es immer schön nach Seife gerochen.“

Wieder vier Jahre später reichten auch die 80 Quadratmeter nicht mehr aus. Als Manfred Herpolsheimer hörte, dass am und im neuen U-Bahnhof Schloßstraße Ladenfläche – insgesamt 750 Quadratmeter auf zwei Geschossen – ausgeschrieben sei, bewarb er sich und erhielt den Zuschlag. Damals gab es auf der ganzen Schloßstraße kein Fachgeschäft für Spielwaren, sagt sein Sohn.

"Ein Bein muss auf dem Boden stehen bleiben"

Allerdings erlebte das Unternehmen nicht nur Höhen. Vater und Sohn Herpolsheimer kamen in einer stillen Stunde zu der Erkenntnis, dass sie gerade einmal zehn Prozent ihrer Ideen umsetzen würden – und auch die teilweise nur mit wenig langfristigem Erfolg. Das galt für die Spandauer Filiale und das Geschäft für Heimcomputer wie Apple II und Commodore 64 ebenso wie für den Fahrradladen. Der heutige Inhaber vergleicht seinen Vater mit einem Sportler: „Ein Basketballspieler darf den Ball so lange in der Hand haben, wie er mit einem Bein fest auf dem Boden steht. Mit dem anderen Bein darf er hin und her.“ Der Spielzeugladen sei das Standbein.

Das Familienunternehmen mit 43 Beschäftigten bewirtschaftet heute 2500 Quadratmeter Ladenfläche. Und schon wieder reicht der Platz nicht mehr, gerne würde Ingo Herpolsheimer weiter expandieren. Doch wurde der U-Bahnhof Ende 2016 unter Denkmalschutz gestellt, ein weiterer Ausbau sei schwierig. Das Sortiment zu reduzieren, aber auch.

Bastler werden selten, Modellbahner sterben aus

Wirtschaftlich wäre eine Verkleinerung des Angebots sogar angezeigt. „Modellbau ist ein schwieriges und Eisenbahn ist ein fast unmögliches Terrain“, plaudert der Chef aus dem Branchennähkästchen. „Bei der Eisenbahn sterben die Kunden weg, es gibt keine nachfolgenden Kunden, die sich damit noch beschäftigen wollen oder können.“ Modellbahnen hätten sich wegen der hohen Preise von Spielwaren zu Sammlerobjekten entwickelt. Und dem Modellbau gehen die Bastler aus; die Leute kaufen Fertigprodukte.

An diesem Montag wird bei „Werken Spielen Schenken“ Jubiläum gefeiert. Exakt vor 50 Jahren hatte das Ehepaar Herpolsheimer den kleinen Laden in der Düppelstraße eröffnet. Die Zukunft scheint halbwegs gesichert: Zwar habe ihm sein Sohn vor vier Jahren gestanden, dass er am liebsten Eisverkäufer werden wolle und nur im Winter im Laden helfen könne, erzählt Ingo Herpolsheimer. Doch da gäbe es ja noch Raum für Entwicklungen. Seine 16-jährige Tochter zeige „kontinuierliches Interesse“.

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