Stadtbäume statt Parkplätze : Berlins Grüne wollen Straßen bepflanzen

In Berlin gibt es immer weniger Stadtbäume. Eine Idee ist, für sie Fläche auf Parkplätzen zu schaffen. Raum ist allerdings nicht das größte Problem.

Hitze und Dürre macht den Stadtbäumen besonders zu schaffen – teilweise helfen Anwohner, oder auch mal die Feuerwehr beim gießen.
Hitze und Dürre macht den Stadtbäumen besonders zu schaffen – teilweise helfen Anwohner, oder auch mal die Feuerwehr beim gießen.Foto: Bernd Settnik/dpa

Die Berliner Grünen haben mehr Flächen für die Nachpflanzungen von Stadtbäumen gefordert. „In Straßen mit wenig Stadtgrün sollten Parkplätze entsiegelt und für neue Stadtbäume umgewidmet werden“, sagte Georg Kössler, Sprecher für Umweltpolitik.

Nach den jüngsten Daten der Umweltverwaltung habe Berlin 2019 fast 3000 Stadtbäume aus dem gesamten Bestand von rund 431.000 verloren. Rund 6000 Fällungen standen lediglich 3000 Neupflanzungen gegenüber.

Die Bezirke gehen laut Statistik mit Nachpflanzungen sehr unterschiedlich um. So setzte Marzahn-Hellersdorf danach nur einen neuen Baum – bei 782 Fällungen. Mitte hingegen ließ 406 Bäume fällen, setzte aber 507 neue.

„Weniger Bäume bedeuten weniger Klimaschutz, weniger Schatten und weniger gute Luft“, sagte Kössler. In einer sich ständig weiter entwickelnden Stadt seien viele Fällungen leider nicht immer zu vermeiden. Deshalb seien neue Flächen nötig.

Den Berlinern sind ihre Bäume wichtig – und sie greifen dafür auch in die eigene Tasche. In der Kampagne „Stadtbäume für Berlin“ wurden bisher rund 1,6 Millionen Euro an Spenden eingenommen und 10.000 Straßenbäume gesetzt – zusätzlich zu den Neupflanzungen der Berliner Bezirksämter.

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Die Pflanzung eines Straßenbaums kostet rund 2000 Euro. Ab einer Spendensumme von 500 Euro wird der fehlende Restbetrag aus Mitteln des Landeshaushaltes finanziert.

Das Problem ist nicht das Geld, sondern das Wetter

Die Stadtbaum-Kampagne war Ende 2012 gestartet, um den schon damals jahrelangen Schwund des Straßengrüns aufzuhalten. Nach Einschätzung des Umweltverbandes BUND sind die langjährigen Verluste aber noch immer nicht kompensiert – trotz wachsender Spendenbereitschaft von Bürgern und Unternehmen.

Einen exakten Überblick über den Bestand gibt es nicht, weil viele Bezirke ihre Daten erst mit großer Verspätung aktualisieren und immer wieder Flächen umgewidmet werden, was die Statistik beeinflusst.
Nachdem das Land unter Rot-Rot-Grün das Budget zur Baumpflege massiv aufgestockt hat, ist der Geldmangel der Bezirke als einstiger Hauptgrund der Verluste weitgehend behoben. Dafür machen die zunehmenden Wetterextreme den Bäumen zu schaffen.

Tausende sind 2017 durch schwere Stürme beschädigt worden oder haben die Dürrejahre 2018 und 2019 mit ihren wochenlangen Hitzeperioden nicht überlebt. Für 2020 befürchten Fachleute die Verschärfung der Probleme, weil die Böden bis in tiefe Schichten völlig ausgetrocknet sind. (mit dpa)

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