Wie der Wappenbär in die Flagge aufgenommen wurde.

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Wie die Berliner Flagge entstand : Im Zeichen des Bären

Erst 1908 unternahm der Magistrat ernsthafte Anstrengungen, eine unverwechselbare Stadtfahne entwerfen zu lassen, konsultierte dazu erst das Geheime Staatsarchiv und das Heroldsamt, reichte die Aufgabe dann an Ernst Friedel weiter, Ex-Stadtrat, Stadtforscher, Gründer des Märkischen Museums und der Heimatkunde-Gesellschaft Brandenburgia. Dieser schlug vor, den Wappenbären in die Flagge aufzunehmen, so behielt man alle drei Farben, ohne mit der Reichsflagge verwechselbar zu sein. Nach einigen Diskussionen war auch die Verteilung von Rot und Weiß geklärt, und so beschloss der Magistrat die neue Stadtflagge am 19. Juli 1912, nach dem Entwurf von Emil Doepler d. J., Maler, Graphiker, Heraldiker und Professor am Kunstgewerbemuseum. Ein vielseitiger Mann: Auch die Schokoladenfabrik Stollwerck bediente sich seiner Entwürfe gern.

Danach durchlief die Berliner Flagge noch manche Detailänderungen, so erhielt der schwarze Bär in Wappen und Flagge 1934 eine rote Zunge und ebensolche Krallen. Mit der politischen Teilung Berlins nach dem Krieg drifteten auch die Symbole auseinander: 1952 veranstaltete der West-Berliner Senat einen Wettbewerb für Wappen und Flagge, im Abgeordnetenhaus entschied man sich für den zweiten Sieger, den Heraldiker Ottfried Neubecker, der die Fahne in der jetzigen Form schuf. Ost-Berlins Stadtflagge dagegen zeigte den Bären im Stadtwappen von 1934 mit Mauerkrone. Auch diese Form wurde gering verändert – und verschwand mit der Wiedervereinigung.

Viel hat sich an der aktuellen Flagge gegenüber der von 1911 also nicht verändert: Die rot-weißen Streifen erinnern an Berlins Brandenburger Ursprünge, der Bär demonstriert städtisches Selbstbewusstsein. Für die Ewigkeit ist solch ein im Winde wehendes Staatssymbol aber nicht gemacht. Eine Fahne habe eine Lebensdauer von etwa zwei Jahren und müsse regelmäßig ausgetauscht werden, weiß man in der Senatskanzlei aus Erfahrung. Erst am gestrigen Montag wurde die Flagge über dem Roten Rathaus durch ein frisch gewaschenes und ausgebessertes Exemplar ersetzt. Angesichts ihres 100. Geburtstages kann man das ja auch erwarten.

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