Star-Pianist unterstützt Klima-Show : Igor Levit und "Vollehalle" bringen Politik auf die Bühne

Igor Levit, Pianist von Weltrang, äußert sich gern zu gesellschaftlichen Themen. Nun übernimmt er den musikalischen Part in einer Show über den Klimawandel.

Infotainment auf der Bühne. Igor Levit und das Team von "Vollehalle" (von links): Igor Levit, Kai Schächtele, Maren Jule Kling, Michael Bukowski.
Infotainment auf der Bühne. Igor Levit und das Team von "Vollehalle" (von links): Igor Levit, Kai Schächtele, Maren Jule Kling,...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Was haben eine Jazzsängerin, ein Journalist, ein Werber, ein Werbetexter und ein klassischer Pianist von Weltrang gemein? Zum einen die Sorge um Klima, Zukunft der Menschheit und des Planeten. Zum anderen eine gewisse Öffentlichkeit.

Der Pianist von Weltrang, Igor Levit, hat die größte. Aktuell ist er wegen seiner Gesamteinspielung der Beethoven-Sonaten in aller Ohr und Munde. Heute soll es aber nicht um ihn gehen, sondern um „Vollehalle – Die Klimashow, die Mut macht”, bei der er am 6. März in der fast noch brandneuen Einrichtung im Regierungsviertel den musikalischen Part übernehmen wird.

Wer in der Öffentlichkeit steht und Gehör findet, das haben schon die alten Athener auf der Agora festgestellt, trägt auch Verantwortung. Wer ihr damals nicht gerecht wurde und nur über sich sprach, statt die Systemfrage zu stellen, den holte die Menge wieder vom Redestein. Von den hier im Futurium Anwesenden wäre das keinem passiert.

Keine Dystopien, dafür Fakten und Handlungsoptionen

Kai Schächtele, der Journalist im Bunde, hat mit Martin Ötting, dem Werber, vor rund drei Jahren „Vollehalle“ gestartet. Die Idee dahinter: Die großen Fragen der Klimakrise sollte „einen anderen Sound bekommen, eine Erzählung, die das Publikum nicht in Angst und Panik verharren lässt“.

Bald erweiterte sich das Kernteam auf vier Menschen, die eine Show auf die Bühne brachten, die von dystopisch mahnenden Faktenaufzählungen absah, dennoch Fakten vermittelte, aber vor allem die positiven Handlungsoptionen in den Vordergrund rückte.

Im Gespräch mit dem Publikum, erzählt Schächtele, habe es nirgendwohin geführt, den individuellen Spritverbrauch, Fleischkonsum und Flugmeilenstand zu diskutieren, weil sich der Komplex Klimakrise, den man verzweifelt zu fassen versucht, immer in Detailfragen verliert. Stattdessen müsse man fragen, in welcher Wirtschaftslogik wir steckten und wie wir über Fragen von Gerechtigkeit, Demokratie, Solidarität und Fairness nachdenken.

Dies solle in keinem Frontalvortrag mit erhobenem Zeigefinger geschehen, sondern im Gespräch, das von gemeinsamen Nennern statt von unversöhnlichen Gegensätzen ausgeht, wie Michael Bukowski, Werbetexter, erzählt. Und es müsse auf allen sinnlichen Ebenen spielen, mit Bild, Ton und Performance-Anteilen, ergänzt Maren Kling, Jazzsängerin. Jemanden wie Levit für die Sache zu gewinnen, habe sich aber niemand erhofft.

"Mit Musik kann ich durchaus Politik machen"

Er sei von Luisa Neubauer von Fridays For Future auf die Show aufmerksam gemacht worden, sagt Levit. „Ich kannte Vollehalle gar nicht. Aber als ich so im Publikum saß, dachte ich spontan: Ich mag auch! Was kann ich dem, was diese Leute da tun, hinzufügen?“ Er könne mit Musik weder die Welt retten noch Gesetze machen. „Politik kann ich mit Musik aber durchaus machen, die Emotion erreicht und zwischen den Bildern und zwischen den Worten etwas bewegt.“

Außerdem käme am Klimathema keine Branche vorbei, fügt er hinzu. Auch die Musik müsse sich damit befassen. „Und zwar auf eine erwachsene Art und Weise. Nicht erwachsen ist es übrigens, Künstlern hinterherzulaufen und boulevard-mäßig zu sagen: du fliegst ja auch, wie ist das denn vereinbar?“

Ebenso verhalte es sich mit dem Fokus auf die Personen statt auf die Klimapolitik. Es könne nicht darum gehen, möglichst prominente Leute bei einer Charityveranstaltung für 25 Minuten im Jahr auf die Bühne zu stellen – oder unglaubwürdige Multiplikatoren in den Sozialen Medien aufzubauen, hinter denen verloren geht, was eigentlich auf dem Spiel steht.

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Was Levit und die Leute von „Vollehalle“ unter sinnvollem Engagement verstehen, wird man demnächst in Berlin sehen können. Möglicherweise, wie der Pianist angedeutet hat, wird es bei einem Mal nicht bleiben.

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