Start der Winterferien : Wo es in Berlin bergig ist

Wer jetzt in den Winterurlaub fährt, verpasst die heimischen Gebirgswelten: Von Höhenluft in Dosen bis zu neuen Gipfeln.

Anna Pia Möller Caspar Schwietering Anja Zobrist
Hoch hinaus. Die Goldelse schwebt zwar nicht in alpinen Höhen, aber immerhin 60 Meter hoch am Großen Stern.
Hoch hinaus. Die Goldelse schwebt zwar nicht in alpinen Höhen, aber immerhin 60 Meter hoch am Großen Stern.Fotos: photocase, Thilo Rückeis, Montage: TSP

Bergeweise Spaß

In den Winterferien wollen viele Berliner die Berge sehen und fahren gen Süden. Dabei sind die hiesigen Berge auch nicht zu verachten. Der Pfefferberg etwa – mitten in Prenzlauer Berg gelegen und damit, wenn man so will, ein Berg auf dem Berg – lockt mit Theater, Architekturmuseum und den Ateliers der Künstler Ólafur Elíasson und Ai Weiwei.

Auch der Rollberg in Neukölln ist ein wahrer Wunderberg, sogar ein eigener Kiez. Dort kann man Kart fahren (Werbellinstraße 50) oder in schnuckeligen Schachtelkinos Filme in Originalsprache gucken (Rollbergstraße 70). Nebenan in der alten Kindl-Brauerei haben Schweizer, die wissen wie man mit Bergen Geld verdient, ein Zentrum für zeitgenössische Kunst eröffnet. Auf dem Kindl-Areals wird außerdem das Rollberg-Bier gebraut. Überhaupt scheint Bergbier eine Berliner Spezialität zu sein: Auch auf dem Pfefferberg brauen sie Bier – in der Bergbrauerei. Und im Neuköllner Bergschloss in der Kopfstraße wird das Berliner Berg Bier ausgeschenkt.

Großstadtgebirge

Der Berg ist allgegenwärtig – Schöneberg, Kreuzberg, Prenzlauer Berg. Besonders der Osten fühlt sich dem Berg verbunden: Lichtenberg, Falkenberg, Herzberge, Wartenberg. Und wer in der S-Bahnlinie 5 bis zur Endstation sitzen bleibt, landet irgendwann in Strausberg.

Das große Gondeln

Das Gelächter war groß, als die EU-Kommission Berlin 2003 unter Androhung von 791 000 Euro Strafe zwang, ein Seilbahngesetz zu erlassen. Einige Jahre später sollte sich zeigen, dass es doch nicht ganz sinnlos war: Seit der Internationalen Gartenausstellung im vergangenen Jahr gibt es eine in Marzahn. Vom U-Bahnhof Kienberg aus schweben Besucher eineinhalb Kilometer zu den Gärten der Welt. Auf der Fahrt überwindet sie dank Zwischenhalt auf dem 102 Metern hohen Kienberg immerhin 70 Höhenmeter. Wer auf dem Kienberg aussteigt, kann sich mit einer 500 Meter langen Naturbobbahn zurück ins Tal stürzen. Die IGA-Seilbahn ist übrigens nicht Berlins erste. Zur internationalen Bauausstellung 1957 fuhr eine vom Zoo zum Schloss Bellevue. Damals noch ganz ohne Seilbahngesetz.

Gipfelstürmer

An den Rändern Berlins warten sechs Einhunderter darauf bestiegen zu werden. Der höchste von ihnen steht seit ein paar Jahren im Nordosten Pankows. Ein Unternehmer hat den Südgipfel der Arkenberge mit Bauschutt auf 122 Meter angehoben – der Teufelsberg ist übertrumpft. Auf den Arkenbergen ein Freizeitpark entstehen. Noch können sie ihre Entstehungsgeschichte allerdings nicht verleugnen und präsentieren sich dem Besucher als Müllberg mit schlammigen Wegen.

Vorerst bleibt der 120 Meter hohe Teufelsberg in Grunewald also der beliebtere Berg. Noch in den siebziger Jahren gab es dort einen Schlepplift für Skifahrer. Die Amerikaner ließen ihn demontieren. Die Anlage vertrug sich nicht mit ihrer Abhörstation auf dem Gipfel, denn die Bügel produzierten Störsignale. Auf der alten Piste kann man gut Skifahren und Rodeln. Auch eine Kletterwand gibt es am Teufelsberg – natürlich.

Eine weitere interessante Anhöhe ist der Fichtenberg mit 68 Metern. Er liegt zwischen Schloßstraße und Botanischem Garten. Um den Berg entwickelte sich das 1242 erstmals erwähnte Dorf Stegelitze, das später Steglitz genannt wurde. Der Berg trug bis etwa 1900 den Namen Kiefernberg.

Muskelberge

Die Berliner Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) ist der zweitgrößte Sportverein der Hauptstadt. Wer für die nächste Alpentour trainieren will, kann das nicht nicht nur beim DAV in der Seydlitzstraße 1 tun, denn Klettern ist angesagt: Seit ein paar Jahren erleben Berliner Kletter- und Boulderhallen einen Boom. Berlin hat mit dem BergWerk den größten Indoor-Kletterpark Europas. Dieser bietet verschiedene Parcours mitten durch das Einkaufszentrum Helle Mitte in Hellersdorf. Der Weg führt senkrecht nach oben, bis unters Glasdach. Von dort geht’s mit einer Seilrutsche quer durch die Shopping Mall zurück auf den Boden.

Langläufer kommen im Tiergarten und auf dem Tempelhofer Feld auf ihre Kosten. Für nordische Kombinationen fährt man zu den Skisprungschanzen nach Bad Freienwalde. Die Abfahrer finden ihren Hang in der Senftenberger Skihalle.

Das ist die Höhe

Berlin ist bekannt für seinen Größenwahnsinn, aber auf den Gipfel hat es der Architekt Jakob Tigges getrieben. Der dachte sich: „100 Meter sind doch lächerlich“ und plante 2009, kurz nach der Stilllegung des Flughafens, einen 1071 Meter hohen Berg auf dem Tempelhofer Feld – mit Ziegen, Seilbahn und Wanderwegen. Ein bisschen Alpenlandschaft mitten in Berlin. Er fand schnell Unterstützer, sogar die Senatsverwaltung prüfte die Idee. Das Ergebnis: nicht realisierbar.

Auch der Österreicher Robert Halmer wollte Berge nach Berlin tragen, 2016 war das. Name des Crowdfunding-Projekts: „Lowland Alps“. Gerade mal ein Unterstützer fand sich – und gab drei Euro. Knapp vorbei am Finanzierungsziel von einer Milliarde Euro.

Höhenluft

Das ganze Jahr freut sich die Stadtlunge auf die Winterferien. Endlich wieder klare Bergluft einatmen, so gut wie frei von Schadstoffen. Wenn es nichts wird mit dem Urlaub, gibt es eine Alternative: Alpenluft aus der Dose. Die Besitzer des Erfinderladens in Prenzlauer Berg, Marijan Jordan und Gerhard Muthenthaler, produzieren und vertreiben die Dosen. Die Alpenluft stammt aus Österreich, momentan ist sie vergriffen, doch Jordan will bald neue Luft importieren.

Feiern mit Ausblick

Berlins Partykathedrale, das Berghain, heißt so, weil es in Friedrichshain nahe der Grenze zu Kreuzberg liegt. Klar, kein ausländischer Tourist könnte unfallfrei nach dem Weg zum „Kreuzfriedrichs“ fragen. Passenderweise erklimmen die Besucher vom Mainfloor aus ein paar Stufen zur Panorama Bar. Hier hat man Ausblick auf viel nackte Haut und Menschen zwischen Euphorie und Zusammenbruch.

Gestatten, Berg

Das Telefonbuch kennt in Berlin 192 Berge – also Menschen, die mit Nachnamen Berg heißen. Einer von ihnen hat es 2016 gar ins Landesparlament geschafft: Hans-Joachim Berg von der AfD, bis vor Kurzem auch Geschäftsführer Bundestagsfraktion.

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