Sternfahrt mit 600 Teilnehmern : Radfahrer demonstrieren für fahrradfreundliche Stadt

Wegen der Corona-Pandemie haben Fahrradfreunde in Berlin eine kreative Protestform für ihre Forderungen nach mehr und sicheren Radwegen finden müssen.

Normalerweise nehmen an der Sternfahrt tausende Radfahrer teil. Dieses Jahr waren es nur gut 600.
Normalerweise nehmen an der Sternfahrt tausende Radfahrer teil. Dieses Jahr waren es nur gut 600.Foto: Carolina Mazza/ADFC

Sonst sind es Zehntausende, die am ersten Sonntag im Juni aus allen Teilen der Stadt zur Siegessäule radeln. Diesmal ließen die Veranstalter vom ADFC die traditionelle Sternfahrt ausfallen, weil sie keine coronasicheren Abstände auf der Demo garantieren konnten. Stattdessen organisierten sie eine Mini-Kundgebung am Fuße der Siegessäule – und auf den Straßen ringsum einen „Fahrradstern“, dessen Äste sich auf etwa 60 Kilometer Straßenlänge summierten.

Gut sichtbar war das allerdings nur in einer App, denn die laut Veranstalter rund 600 Teilnehmer – teils einzeln, teils zu zweit – hatten jeweils etwa 100 Meter voneinander entfernte Zielpunkte angesteuert. Die Ziele waren nach vorheriger Anmeldung zugeordnet worden und beispielsweise durch die Nummer der nächstgelegenen Laterne zu lokalisieren.

Dadurch wurde die Aktion zum Fall für Enthusiasten, während sie sonst ein Massenspektakel ist, das vor allem wegen der Passagen über die Stadtautobahn und die Avus sehr beliebt ist. Oft war die Sternfahrt die größte Demonstration des ganzen Jahres, wobei die Angaben über die Teilnehmerzahlen meist weit auseinandergingen: Der ADFC behauptete in früheren Jahren bis zu 250.000 Teilnehmer und nannte zuletzt Größenordnungen um 90.000, während die Polizei teilweise nur 20.000 schätzte.

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Wegen der enormen Diskrepanz hatte der Tagesspiegel vor drei Jahren einen der beiden Hauptströme gezählt und eine Gesamtteilnehmerzahl von etwa 30.000 ermittelt. Vielleicht werden es im nächsten Jahr wieder so viele - und wahrscheinlich werden sie ihre alte Forderung „Mehr Platz fürs Rad“ zumindest teilweise erfüllt sehen: Wie berichtet, will der Senat bis Jahresende die Einrichtung von 30 bis 50 Kilometern „Pop-up-Radwegen“ finanzieren. Aktuell sind es rund 15 Kilometer; weitere sind in Arbeit und wieder andere geplant.

Die Provisorien aus gelben Linien und Baustellenbaken sollen größtenteils in Dauerlösungen überführt werden.

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