Steuerprüfungen bei Millionären : Wenn das Finanzamt doppelt draufzahlt

In manchen Bezirken werden Großverdiener oft kontrolliert, in anderen kaum. Noch unterschiedlicher sind die Resultate. Eine Glosse.

Wer viel verdient, soll auch mehr abgeben. Die Finanzämter helfen gern dabei.
Wer viel verdient, soll auch mehr abgeben. Die Finanzämter helfen gern dabei.Foto: imago/Rolf Zöllner

Die Welt der Mathematik steckt voller Geheimnisse. So verkünden zahlreiche Menschen – besonders gern wochenends auf der großen Wiese vor dem Reichstag oder am Alexanderplatz –, man müsse doch nur mal eins und eins zusammenzählen. 

Aber dann kommt selbst bei dieser leichtesten aller Aufgaben nichts Brauchbares heraus, sondern höchstens etwas für die Rubrik „Stuss mit lustig“. Oder die Negativzinsen, die manche Banken verlangen: Müsste der Zinseszinseffekt das Guthaben nicht wieder wachsen lassen, da Minus mal Minus bekanntlich Plus ergibt?

"Steuerpflichtige mit besonderen Einkünften"

Nun betrifft dieses zweite Problem nur sehr reiche Menschen. „Steuerpflichtige mit besonderen Einkünften“ werden sie in einer gerade beantworteten parlamentarischen Anfrage zweier Linksfraktionäre genannt. Die Bezeichnung klingt nach einer leichten Behinderung. Tatsächlich aber handelt es sich – siehe auch Karl Marx et al.: „Das Kapital“ – um Menschen mit besonderem Forderungsbedarf, also Einkommensmillionäre. Wie viele Außenprüfungen bei denen die Finanzämter im vergangenen Jahr veranstaltet haben und was dabei herumkam, wollten die Linken vom Senat wissen.

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Die Antwort der Finanzverwaltung ist in mehrfacher Hinsicht erschütternd: Die Finanzämter Wedding und Treptow-Köpenick absolvierten 2019 nur je eine solche Prüfung. Bei Letzterer sprang immerhin eine Nachzahlung über 4436 Euro heraus, in Wedding blieb es bei plusminus null, also außer Spesen nichts zu beanstanden gewesen. 

Das Finanzamt Prenzlauer Berg müsste mit zwölf Außenprüfungen und eingetriebenen 293.331 Euro eine goldene Ehrennadel für besondere Verdienste erhalten, das von Charlottenburg - elf Prüfungen, 257.176 eingetriebene Euro - die silberne, getreu dem alten Bonmot: Beim Millionär ist nichts zu schwär.

Zwei Finanzämter mussten nachzahlen

Aber manchmal eben doch, wie die Bilanz des Finanzamtes Wilmersdorf zeigt: Insgesamt neun Außenprüfungen erbrachten in Summe -547.507 Euro. Ja, minus. Beim Finanzamt Zehlendorf ergaben die elf Außenprüfungen zusammen ebenfalls ein Minus, aber mit -5434 Euro ein deutlich kleineres. 

Die Günstigerprüfung ergibt, dass eine Freistellung der Wilmersdorfer Steuerprüfer - auch eine bezahlte - in diesem Fall für den Landeshaushalt am besten gewesen wäre. Aber hinterher ist man immer schlauer - und manchmal eben ärmer.

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