• Straßenbahnplanung für die Leipziger Straße : Kommt die Tram, haben Autos weniger Platz

Straßenbahnplanung für die Leipziger Straße : Kommt die Tram, haben Autos weniger Platz

Die Straßenbahn soll vom Alex zum Potsdamer Platz verlängert werden. Autos verlieren Platz. Das wird Streit verursachen.

Auf diesen Gleisen in der Leipziger Straße ist noch nie ein Zug gefahren.
Auf diesen Gleisen in der Leipziger Straße ist noch nie ein Zug gefahren.Foto: Jörn Hasselmann

Eine Straßenbahn von Alexanderplatz zum Potsdamer Platz - diesen Plan gibt es schon länger. Am Dienstagabend nun stellte die Verkehrsverwaltung neue Konzepte für die Straßenbahn in der Leipziger Straße vor. Das ist ein alter Plan, schon vor 20 Jahren ließ die Verwaltung Gleise am Leipziger Platz verlegen. Bis heute wurden die nicht genutzt - weil das Projekt wieder eingestampft wurde.

Zu groß erschienen die Probleme: Denn zwischen Leipziger Platz und Charlottenstraße ist die Straße recht schmal, aber sehr stark von Autos befahren - mehr als 50.000 in 24 Stunden. Soll die Straßenbahn nicht im Stau stehen, muss sie eine eigene Trasse bekommen. Für Autos bleibt dann natürlich weniger Platz.

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Die neuen Pläne sehen nur noch einen kurzen Abschnitt vor und hinter der Wilhelmstraße vor, auf der die Tram keine eigene Trasse bekommen soll. Hier soll mit speziellen Ampelschaltungen gewährleistet sein, dass die Tram vor den Autos vorwegfährt, also nicht in den Autostau hineinfährt. „Dynamische Straßenraumfreigabe“ nennen die Planer das, und sagen: „Je kürzer der Abschnitt ist, desto besser.“ Die im vergangenen Jahr vorgestellten Pläne sahen Mischverkehr noch im gesamten engen Bereich, also zwischen Leipziger Platz und Charlottenstraße.

Der Protest der Autolobby ließ nicht lange auf sich warten

Der Protest ließ nicht lange auf sich warten. Der ADAC prophezeite Stau, die CDU sogar „Chaos“. „Die Rückbau- & Trampläne des Senats für die Leipziger Straße sind nicht überzeugend. Die Ost-West-Achse ist eine wichtige Entlastungsverbindung, teilte die CDU mit. Wenn auch noch der Boulevard Unter den Linden zur Fußgängerzone wird, „wäre das Chaos programmiert“, sagte der CDU-Abgeordnete Oliver Friederici. Sein Fazit: „Ideologie war eben noch nie ein guter Planer.“ Die FDP machte es kürzer: Das würde bedeuten: Dauerstau!, twitterte die Fraktion.

So könnte es an der Ecke Leipziger Straße/Friedrichstraße künftig aussehen.
So könnte es an der Ecke Leipziger Straße/Friedrichstraße künftig aussehen.Grafik: SenUVK/LocLab

Die Strecke ist fester Bestandteil des von der rot-rot-grünen Koalition vereinbarten Straßenbahn-Ausbauprogramms. Anfang 2019 war die Planung für die Neubaustrecke Alexanderplatz – Potsdamer Platz wieder aufgenommen worden.

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Die Strecke schaffe neue Direktverbindungen zwischen den nordöstlichen Stadteilen und der südlichen Innenstadt, teilte die Verwaltung mit. Das Umsteigen zu den in Nord-Süd-Richtung fahrenden S-Bahn-Linien am Potsdamer Platz und der U-Bahnlinie 6 am U-Bahnhof Stadtmitte werde deutlich verbessert.

„Damit steigt die Qualität des Nahverkehrs in der Innenstadt“

„Damit steigt die Qualität des Nahverkehrs in der Innenstadt und die Belastungen aus dem motorisierten Individualverkehr werden verringert.“ Die Planer der Verwaltung schätzen, dass die Zahl der Autos halbiert werde, angeblich weil die Leute in die Tram steigen. Später soll die Strecke verlängert werden vom Potsdamer Platz Richtung Steglitz.

Die Pläne sehen neben dem Einbau von Gleisen die völlige Umgestaltung des Straßenzuges vor, von dem vor allem Fußgänger und Radfahrer profitieren sollen: „Mehr Lebensqualität, mehr Querungsmöglichkeiten für Fußgänger, mehr Grün und attraktive Radverkehrsanlagen“, verspricht die von Regine Günther (Grüne) geführte Verkehrsverwaltung.

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Weniger Autos bedeuten auch weniger Lärm und Abgase. Leichter umzusetzen sind die Pläne im östlichen Teil der Strecke, also zwischen Alexanderplatz und Charlottenstraße. Hier gibt es derzeit überbreite vielspurige Fahrbahnen für Autos. Diese sollen nur noch zwei Spuren pro Richtung bekommen, Radfahrer eigene Wege. Der Fußgängertunnel aus DDR-Zeiten soll zugeschüttet werden.

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