Immer wieder gibt es Lärmbeschwerden

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Streifzug durch die Clubs von Berlin : Jetzt steigt die Party in Lichtenberg
Philip Barnstorf
Glänzend. Berlins Clubszene verlagert sicht.
Glänzend. Berlins Clubszene verlagert sicht.Foto: Kai-Uwe Heinroch

Diese Probleme sieht auch Christian Goiny, der seit 2006 für die CDU im Abgeordnetenhaus sitzt. „Bei Clubs geht es nicht nur um Musik, sondern auch um bildende Künste, Performances, um Raum für Kreativität von jungen Leuten“, sagt er. Clubs seien außerdem wirtschaftlich für die Stadt wichtig, etwa weil sie die Lebensqualität Berlins gerade für Mitarbeiter in jungen Start-up-Unternehmen erhöhen. „Die Politik hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu wenig gekümmert“, sagt er. „Wenn wir überall gegen Clubs entscheiden, verliert der Standort Berlin wirtschaftlich und sozial.“

Er hat sich erfolgreich für eine Änderung der Berliner Liegenschaftspolitik eingesetzt. „Jetzt können wir Grundstücke auch nach inhaltlicher Bewertung verkaufen oder vermieten und nicht nur nach dem Preis“, sagt der Politiker aus Zehlendorf. So konnte die Stadt etwa den Yaam-Betreibern für das neue Gelände an der Schillingbrücke eine bezahlbare Miete anbieten. Goiny kämpft außerdem für eine Änderung der Lärmschutzauflagen für Neubauten. Danach sollen Investoren, die Wohnungen an einen bestehenden Club heranbauen, für Schallschutz sorgen und nicht mehr der Club.

Die Räume werden weniger

Die Lärmbeschwerden sind auch für nachwachsende Kulturschaffende des Nachtlebens wie Thomas Scheele ein Problem. „Immer mehr Brachflächen werden zugebaut. Die Räume für kreative Partys werden enger und es gibt mehr Lärmbeschwerden“, sagt er. „Dadurch wird der Einstieg in die Clubszene schwieriger.“ Daher will sich Christian Goiny etwa um eine Vernetzung von Clubcommission, einem Interessenverband der Berliner Partyveranstalter, und Beamten in den Bezirksverwaltungen einsetzen. Auch hat die Clubcommission gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Berlin einen Workshop für Open-Air-Betreiber veranstaltet, der die Teilnehmer über Umweltschutz, Lärmbelästigung und rechtliche Fragen rund um das Thema Open Air aufklären soll. Die Teilnehmer erhielten einen Veranstalterpass, der die freiwillige Verpflichtung enthält, Partys mit Rücksicht auf Anwohner und umweltbewusst zu gestalten. Goiny ist zuversichtlich, dass die Open-Air-Szene dadurch wieder mehr akzeptiert werden wird.

Bedrohte Clubs in Berlin
Noch so ein bedrohter Strandclub: Das Yaam muss Ende des Jahres schließen. Der Umzug auf das versprochene Ersatzgrundstück an der Schillingbrücke ist nicht sicher. Das Areal wurde nun i n den Gesprächen für ein Ersatzgrundstück für das Bauprojekt an der East Side Gallery ins Spiel gebracht.Weitere Bilder anzeigen
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25.03.2013 17:47Noch so ein bedrohter Strandclub: Das Yaam muss Ende des Jahres schließen. Der Umzug auf das versprochene Ersatzgrundstück an der...

Daher sieht Olaf Hilgenfeld optimistisch in die Zukunft. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die junge Clubkultur eingeht“, sagt er. Es gebe noch immer viel Leerstand und sonst müsse man eben an den Stadtrand ausweichen, wie es das Sisyphos gemacht hat. „Wir haben hier gestern Musik gemacht, wir machen hier heute Musik und wir werden auch morgen in Berlin Musik machen“, sagt Hilgenfeld.

Auch Christian Goiny ist guter Dinge: „Wir als Politiker versuchen nur Bedingungen zu schaffen, damit die Leute möglichst so leben können, wie sie das wollen. Viele Berliner feiern offensichtlich gerne und solange die hier sind, wird es auch das Nachtleben geben.“

Die bunte Truppe im Sisyphos gibt ihm recht.

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