Streit um Amazon-Turm : Heftige Reaktionen auf mögliches Aus des Edge

Die Meldung über ein mögliches Scheitern eines Bürohochhauses in Friedrichshain-Kreuzberg hat für Aufregung gesorgt. Bauherr und Architekten schweigen bislang.

In der Nähe der Warschauer Brücke sollte der Turm gebaut werden.
In der Nähe der Warschauer Brücke sollte der Turm gebaut werden.Foto: picture alliance / dpa

Scheitert die Ansiedlung des Internetriesen Amazon in Friedrichshain-Kreuzberg an einem Streit über die Baupläne? Die Meldung, wonach Bezirk und Senat rechtliche Schritte gegen den Bauherrn des EDGE an der Warschauer Straße prüfen, hatte heftige Reaktionen zur Folge.

Entscheidung soll nichts mit Mieter Amazon zu tun haben

Christian Gräff, wirtschaftspolitische Sprecher der CDU, forderte den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) dazu auf, Turmbau und Amazon-Ansiedlung zur Chefsache zu machen. „Erst Google, jetzt Amazon. Mit seinem Kulturkampf gegen jeden Investor von Weltruf verhindert der selbstherrliche Grünen-Stadtrat Schmidt großartige Zukunftschancen für den Bezirk und unsere Stadt“, sagt Gräff. Der Ruf des Wirtschaftsstandortes Berlin nehme Schaden. Gräffs Fazit: „Unsere Stadt braucht Investoren, Macher und Ideen, keine ideologisch verbohrten Blockierer.“

Auf Twitter wies Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) die Vorwürfe zurück: „Um Spekulationen vorzubeugen: Die Entscheidung für dieses Vorgehen hat nichts mit Amazon als Mieter zu tun. Die Institution Baukollegium ist kein Papiertiger und ein derartig dominantes Gebäude darf gestalterisch nicht übers Knie gebrochen werden.“

Schmidts Parteifreundin, Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, hatte vor Kurzem Amazons Pläne zur Anmietung von rund drei Viertel der Bürofläche in dem 35-stöckigen Hochhaus begrüßt: „Unternehmensansiedlungen wie SAP oder jetzt Amazon und die Schaffung gut bezahlter Arbeitsplätze sind eine gute Nachricht.“ Pop mahnte aber: „Unternehmen haben auch Verantwortung. Dazu gehört selbstverständlich das Zahlen von Steuern, die Schaffung guter Arbeitsplätze und die Beteiligung der Menschen bei Expansions- und Bauplanungen.“

Die ursprüngliche Planung für den Amazon-Turm weicht deutlich ab von den finalen Plänen.
Die ursprüngliche Planung für den Amazon-Turm weicht deutlich ab von den finalen Plänen.Foto: promo

Im aktuellen Streit, so hieß es aus der Wirtschaftsverwaltung auf Anfrage weiter, warte man „die rechtliche Prüfung ab durch die dafür zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung“.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen hatte dem Tagesspiegel am Vortag Gespräche zwischen Stadtrat Schmidt und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sowie die rechtliche Prüfung von Schritten gegen den Bauherrn bestätigt. Die Senatsbaudirektorin selbst sei für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Lüscher leitet das „Baukollegium“ des Senats, das die gegenwärtigen Pläne von Bauherr „Edge Technologies“ mit Hauptsitz in London scharf ablehnt.

„Kein stimmiges Konzept zu erkennen“

Bauherr und Architekten wollten sich nicht äußern. „Der Vorhabenträger zeigt sich schockiert und drückt sein Bedauern über die ablehnende Haltung aus“, heißt es im Protokoll der Sitzung des Baukollegiums. Das Gremium befand, es sei „kein stimmiges Konzept zu erkennen“, weshalb man „keine Empfehlungen aussprechen“ könne, heißt es in der Presseerklärung.

Mangelhaft seien die Pläne etwa, weil die „Integration des Hochhauses im Bezirk nicht adäquat umgesetzt“ sei. Der Bauherr habe „aussagekräftige Grundrisse (des Gebäudes) und Konstruktionsdetails wiederholt nicht vorgelegt“. Völlig unbefriedigend sei die Gestaltung des Baus durch „eingefärbte Betonstrukturplatten und Pflanzgitter und -roste“. Ein neues Begrünungskonzept zählte zu den Zielen der Beratungen, ebenso die Öffnung des Gebäudes zur Nachbarschaft, etwa durch ein öffentlich zugängliche Erdgeschoss „mit lebhaften urbanen Aktivitäten“, heißt es weiter.

Diese Planungsziele finden sich auch im „Hochhausleitbild“, das der Senat kürzlich beschlossen hatte. Diese werden im Fall der EDGE-Gruppe möglicherweise konsequent eingefordert. Jedenfalls begründete Lüscher ihr Votum damit, dass letztlich „die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit des Baukollegiums“ auf dem Spiel stehe.

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