Streit um Berlins Öko-Dorf : Heißer Sommer am Holzmarkt

Der Bezirk hatte schon den Durchbruch im Streit um neue Bauten verkündet. Aber Stiftung und Genossenschaft dementieren. Gestritten wird auch um Geld.

Umkämpft. Dem Bezirk droht eine Strafzahlung in Millionenhöhe.
Umkämpft. Dem Bezirk droht eine Strafzahlung in Millionenhöhe.Foto: K. Kleist-Heinrich

Alles entschieden im Streit um die übrig gebliebenen Bauflächen am Holzmarkt und alle glücklich? Nein, aber der unübersichtliche Streit zwischen den Entwicklern des Kultur- und Manufaktur-Quartiers Holzmarkt, mit Politikern im Bezirk und dem Eigentümer des Grundstücks, der Schweizer „Stiftung Abendrot“, wird nach Lage der Dinge vorerst nicht zum Verkauf des verbliebenen Flächen an den Meistbietenden enden. Ebenso verfrüht sind allerdings Meldungen, wonach der Durchbruch gelungen sei und „das Grundstück gemeinwohlorientiert im Erbbau entwickelt wird“.

Baustadtrat Schmidt verkündete schon Einigung

Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) preschte am Freitag mit der Nachricht einer angeblichen Einigung voran – und gab eine entsprechende Pressemitteilung heraus, die er vorab dem Tagesspiegel schickte. Darauf basiert ein Bericht im bereits am Donnerstag gedruckten Immobilienteil dieser Ausgabe. Doch auf Nachfrage des Tagesspiegels am Freitagmittag dementierte Hans-Ulrich Stauffer von der Schweizer Stiftung Abendrot, die die Baufläche für den Holzmarkt und das Eckwerk gekauft hatte, dass eine Einigung erzielt sei: „Kein Durchbruch. Keine definitive Vereinbarung. Entscheiden werden wir im August.“

Verkauf zum Höchstpreis droht

Die Eidgenossen hatten bereits ihren Ausstieg aus dem Projekt erwogen. Genau das hatten sie Baustadtrat Schmidt auch bei dem bisher letzten Gespräch vor mehr als einem Monat mitgeteilt: „Es gibt zwei Optionen: Entweder wir kommen voran oder wir verkaufen das Grundstück an den Meistbietenden“, sagt Stauffer über das Gespräch.

"Vorsichtig optimistisch" ist die Stiftung

So kam Bewegung in die Sache. „Seit dem Gespräch sind wir vorsichtig optimistisch“, sagt Stauffer. Der Baustadtrat habe wie die Stiftung ein „sozialverträgliches Bauen“ vor Augen. „Und dabei kam die Variante ins Spiel, dass wir die Bebauung des Eckwerkgrundstücks in 70 Prozent fürs Gewerbe und 30 Prozent fürs Wohnen aufteilen.“ Ein Kompromiss, denn bis dahin konnte keine Balance zwischen Wohnen und Gewerbe gefunden werden. Und der Lärm? „Durch geschicktes Anordnen der Häuser können lärmgeschützte Innenhöfe entstehen“, sagt Stauffer. Dazu noch alle modernen bautechnischen Lösungen zur Dämmung – so könne es gehen.

Drei Partner zur Auswahl

Das alles sind Ideen. Beschlossen ist nichts. „Wir haben drei mögliche Partner zur Bespielung des Neubaus“, sagt Stauffer. Renditejäger gehören nicht dazu: „Wir können uns Ergänzungen zum Holzmarkt im Bereich Kulturschaffender vorstellen.“ Aber auch „Büros oder Werkstätten“ seien denkbar. Letztlich werde es Sache des Partners als Betreiber sein, dem die Stiftung allerdings „Eckwerte“ vorgegeben habe, die eine soziale Nutzung ermöglichen sollen.

Aber Stauffer ist auch hier klar: „Die Vorgabe für alle Beteiligten ist, dass die berechtigten Interessen des Holzmarktes geschützt werden müssen.“ Andererseits zeichnet er auch die Grenzen von deren Mitsprache auf: „Der Entscheid liegt bei der Stiftung.“ Ziel müsse es sein, das verbliebene Bauland so zu entwickeln, „dass keine neuen Querelen und nachbarschaftlichen Streitigkeiten entstehen“.

Streit ist nicht beigelegt

Die Projektgesellschaft „Eckwerk“, die von der Holzmarkt-Genossenschaft getragen wird und das Areal ursprünglich selbst entwickeln wollte, teilte mit: „Die Eckwerk Entwicklungs GmbH (EEG) begrüßt, dass der Bezirk nunmehr das Konzept des Eckwerks aufgreift und weiter verfolgt.“ Entsprechende Vorschläge seien bereits im April vorgelegt worden. Allerdings habe der Bezirk deren Vorschlag „zur einvernehmlichen Beilegung der Rechtsstreitigkeit um den entstandenen Planungsschaden und den Verlust des Grundstücks“ abgelehnt. Gestritten wird dem Vernehmen nach über eine Entschädigung in Höhe von 19 Millionen Euro.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!