Streit um Containeranlagen in Berlin : Wohin mit dem Altglas?

Die Umstellung der Entsorgung von Flaschen und Gläsern außerhalb des Berliner S-Bahn-Rings stößt anhaltend auf viel Kritik.

Überfüllte Altglas-Container wie hier in Lichtenberg sorgen für Ärger.
Überfüllte Altglas-Container wie hier in Lichtenberg sorgen für Ärger.Foto: Karin Christmann

Die Iglus sind proppevoll, auf dem Gehweg jede Menge Flaschen, Scherben, zuweilen auch anderer Müll. Was macht man dann, wenn man hier auch gerade sein Altglas entsorgen möchte? Viele entscheiden sich für die bequeme Lösung – und stellen ihre Flaschen zu den vielen anderen.

Bis vor Kurzem konnten viele Berliner außerhalb des S-Bahn-Rings ihr Altglas in die Recyclingtonnen ihrer Wohnanlagen werfen; jetzt müssen sie zu einer öffentlich erreichbaren Containeranlage laufen, um dort Flaschen und Gläser loszuwerden.

Seit dem vergangenen Sommer wurde die Altglasentsorgung in Berlin umgestellt. In den Außenbezirken – in Pankow oder Lichtenrade, in Lichterfelde oder Reinickendorf – verschwanden in vielen Wohnblocks die Glastonnen. Die Senatsumweltverwaltung begründete diesen Schritt damit, dass die Entsorgung nicht mehr zeitgemäß sei. Die Qualität des so gesammelten Altglases sei nicht gut genug. In den Tonnen könne nur nach weißem und bunten Glas und nicht weiß, grün, braun getrennt werden; beim Transport zerbreche das Glas in zu kleine Scherben.

Schon bei Bekanntwerden der Umstellung war die Kritik groß

Außerdem sei die Umweltbelastung durch die vielen Fahrten der Lkw zu hoch. Schon beim Bekanntwerden der Umstellung war die Kritik groß, und sie reißt nicht ab. Sie ist Thema bei Abgeordneten über die Parteien hinweg, beschäftigt Bezirksverordnetenversammlungen.

„Aus meiner Sicht sollten eher noch mehr Wertstofftonnen aufgestellt werden, statt die haushaltsnahen Glastonnen zu reduzieren“, sagt die Ordnungsstadträtin von Tempelhof-Schöneberg, Christiane Heiß (Grüne). Das alte System habe sich bewährt: Die Bürger hätten kurze Wege, der Einwurf finde unter sozialer Kontrolle statt. Außerdem sei das öffentliche Straßenland zu kostbar, um als Müllsammelplatz zu dienen.

BSR und Senat: Die Bürger müssen nicht allzu weit laufen

Die BSR und die Senatsumweltverwaltung betonen, dass die Bürger nicht allzu weite Wege in Kauf nehmen müssten. Betroffen seien nur Häuser, die nicht mehr als 300 Meter von einem öffentlichen Glascontainer entfernt seien. Allerdings soll deren Zahl noch stark erhöht werden. Derzeit gibt es knapp 1600 öffentliche Entsorgungsplätze. Bei den Bezirken seien noch rund 300 weitere Standorte beantragt worden; auf die Genehmigungen werde noch gewartet. In Tempelhof-Schöneberg werden beispielsweise laut Bezirksamt 35 Standorte geprüft. Wenn dieses Genehmigungsverfahren beendet ist, könnten aus 10 000 weiteren Häusern die Tonnen abgezogen werden.

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Allerdings soll dabei das Prinzip der Freiwilligkeit gelten. Die Eigentümer oder Hausverwaltungen seien darauf hingewiesen worden, dass sie dem Abzug der Tonnen widersprechen könnten, sagt der Sprecher der Umweltverwaltung, Jan Thomsen. „Sollte der Systemwechsel dennoch unangemessen hart für Sie sein, werden wir Ihre spezifische Situation noch einmal überprüfen“, heißt es in dem Anschreiben von Senat, BSR/Berlin Recycling und den Dualen Systemen, das die Eigentümer vor der Entfernung bekommen hatten.

BSR-Sprecher Thomas Klöckner sagte, dass man die Umstellung im Falle eines begründeten Widerspruchs nicht veranlassen werde. Dann werde auch nicht abgezogen. Allerdings sei es auch nicht sinnvoll, Tonnen in Häusern stehen zu lassen, wenn in direkter Nachbarschaft ein öffentlicher Container steht. Nach Angaben der Senatsumweltverwaltung haben im vergangenen Jahr 86 Prozent der Hausverwaltungen auf einen Einspruch verzichtet und damit der Entfernung der Tonnen zugestimmt. Da der öffentliche Platz begrenzt ist, hat der Senat versucht, den Einzelhandel einzubinden, um Standorte bei Supermärkten einrichten zu können, sagte Thomsen. Die Anfragen seien jedoch „bisher komplett unbeantwortet“ geblieben.

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