Streit um die Hedwigs-Kathedrale : Umbau-Gegner fordern Untersuchungsausschuss

Die Freunde der Hedwigs-Kathedrale fordern Baustopp. Sie wollen bei Sanierung die Bodenöffnung erhalten.

Umstritten. Der Altar soll in die Mitte rücken, die Öffnung weichen.
Umstritten. Der Altar soll in die Mitte rücken, die Öffnung weichen.Foto: J. Kalaene/dpa

Im Streit um die Hedwigs-Kathedrale haben die Gegner des Umbaus eine parlamentarische Untersuchung gefordert. Die von Politik und Verwaltung genehmigten „illegalen Eingriffe“ in der Hauptkirche der Berliner Katholiken müssten bis zu einer anhängigen Gerichtsentscheidung gestoppt werden, erklärte der Verein der Freunde der Hedwigs-Kathedrale am Donnerstag. Mit dem geplanten Abriss des Innenraumes werde ein zentraler Kirchenbau der Nachkriegszeit und ein einmaliges deutsch-deutsches Denkmal unwiederbringlich zerstört.

Die Bauarbeiten müssten mindestens bis zu einer für das Frühjahr angesetzten Gerichtsentscheidung ruhen, sagte der Staatsrechtler Ulrich Battis (Humboldt Universität). Der Termin vor dem Landgericht war im September auf kommendes Jahr verschoben worden.

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Nachfahren des Kirchenarchitekten Hans Schwippert und der am Bau beteiligten Künstler hatten gegen den Umbau geklagt. Sie sehen das Urheberrecht verletzt und lehnen unter anderem die Schließung der zentralen Bodenöffnung mit der Treppe zur Unterkirche ab. Mit der Neugestaltung soll der Altar in die Mitte rücken. Auch Fenster sollen ersetzt und Dekoration verändert werden.

Battis nannte die Genehmigung des Umbaus durch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) eine „krasse Fehlentscheidung“. Lederer hatte erklärt, die Kirche führe liturgische Gründe für den Umbau an, gegen die der Staat sich zurückhalten müsse. Nach Battis’ Ansicht ist der kulturelle Wert des Baudenkmals wichtiger als die Nutzungsinteressen der Kirche.

Erzbischof Koch verteidigte Maßnahmen

Das Erzbistum Berlin betonte dagegen, dass „bisher in der Kathedrale ausschließlich Rückbaumaßnahmen stattgefunden haben, die sich auf Ausbau und Sicherung vorhandener Kunstwerke und Ausstattungsgegenstände einschließlich der Orgel beschränken“. In einer Pressemitteilung heißt es weiter: „Aktuell werden bauvorbereitende Untersuchungen an der Kuppelkonstruktion vorgenommen und der Bauantrag vorbereitet. Im Frühjahr 2020 wird die Kathedrale zur Sanierung der Kuppel eingerüstet.“

Nach einem langen Prozess mit Fach-Symposien und der Befragung aller Gremien des Erzbistums habe Erzbischof Heiner Koch in einem Hirtenwort im November 2016 seine Entscheidung verkündet, die Umgestaltung der Sankt Hedwigs-Kathedrale auf der Grundlage des Entwurfs der Preisträger des Wettbewerbs in Angriff zu nehmen. Rechtliche Grundlage für die Sanierung und Umgestaltung sei die denkmalrechtliche Genehmigung, die dem Erzbistum Berlin als Bauherrn erteilt worden sei. „Regelmäßige Abstimmungen mit den zuständigen Behörden sind selbstverständlich. Die laut denkmalrechtlichem Bescheid erforderliche Dokumentation wurde erstellt und eingereicht.“ (dpa)

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