Streit um Flüchtlingsunterkunft in Lichterfelde : Das Land gegen das Land

Die modulare Unterkunft für Flüchtlinge in der Bäkestraße kann erneut wegen eines Baumangels nicht eröffnen. Doch wie groß ist der Schaden wirklich?

Vermittlungsbedarf. Bausenatorin Lompscher soll den Streit klären.
Vermittlungsbedarf. Bausenatorin Lompscher soll den Streit klären.Foto: dpa/Jörg Carstens

Was lange währt – wird nicht unbedingt gut: Die modulare Unterkunft für Flüchtlinge, kurz „Muf“, in der Bäkestraße in Lichterfelde kann auch zum zweiten verschobenen Eröffnungstermin nicht von ihren neuen Bewohnern in Beschlag genommen werden. In „Haus 2“ von dreien müssen Handwerker erst einmal die Risse im Beton kitten. Entdeckt hat der Betreiber den Baumangel erst ein Monat nach der Abnahme der Häuser im Dezember.

Und wie im echten Berliner Bauträgergeschäft üblich, streiten auch bei komplett öffentlichen Projekten Bauherren und Baufirmen aufs Heftigste um den Umfang des Schadens: Ein Gutachter des landeseigenen Wohnungsunternehmen Degewo soll dem Vernehmen nach die Mängel für „unbedenklich“ erklärt haben. Dagegen verfügten die Bauexperten des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) einen Belegungsstopp über den Häuserblock.

„Vor der Belegung der Wohnungen muss die Schwere der Mängel geklärt werden“, sagte LAF-Sprecherin Monika Hebbinghaus. Ein Gutachter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung werde das nun klären. Sie bedauerte den Belegungsstopp sehr, denn die Neubauten böten Appartements, die „ideal für Familien“ seien und an denen es sonst fehle.

Einziehen sollen unter anderem Bewohner der Unterkünfte am Columbiadamm, die wegen des Tempelhof-Gesetzes bis Ende des Jahres wieder abgebaut sein müssen. Sollten die für 400 Menschen gebauten Mufs an der Bäkestraße nicht rechtzeitig fertig werden, gebe es „Ersatzkapazitäten“ an anderen Standorten.

Ab Mitte des Jahres müssen die Bewohner am Tempelhofer Feld wegziehen

Von „normalen Setzungs- und Dehnungsrissen“ ist bei der Degewo die Rede, deren Unbedenklichkeit die „Leiterin der Bauabteilung mit dem zuständigen Statiker bei einer Begehung vor Ostern erneut festgestellt“ habe, so Sprecher Paul-Gerhard Lichtenthäler. Die Behebung der Mängel laufe bereits. Die Unterkunft sei nach wie vor bereit zum Bezug. Die Neubauten seien seit dem 20. Dezember an das LAF vermietet. Zum 25. März habe das LAF die Einrichtung an den Betreiber weitervermietet.

Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsverwaltung für Soziales, sagte: „Ab Mitte des Jahres müssen die Bewohner am Tempelhofer Feld wegziehen.“ Etwa die Hälfte der Bewohner von Einrichtungen vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten hätten einen Aufenthalts-, Duldungs- oder anderen behördlich geklärten Status. Für diese Menschen sei das LAF daher eigentlich gar nicht mehr zuständig –, sondern die Bezirke und die Job-Center. Wegen der Wohnungsnot in Berlin sei das aber nun eben so.

Gelöst sind dafür alle Probleme am umkämpften Muf-Standort Leonorenstraße. Dort waren heftige Proteste von Anwohnern vor Gericht geklärt worden. Auf dem früheren Vivantes-Areal mussten „über 100 Jahre alte Bäume“ gefällt werden. Und die Wege wurden zunächst nicht fertig, um das Haus zu möblieren. Nun ist es am Netz.

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