• Streit um Parkplätze in der Karl-Marx-Allee: „Fast jeden Tag werden ganz kurzfristig Tische storniert“

Streit um Parkplätze in der Karl-Marx-Allee : „Fast jeden Tag werden ganz kurzfristig Tische storniert“

Die Parkplätze auf dem Mittelstreifen der Karl-Marx-Allee sollen begrünt werden. Gewerbetreibende sorgen sich um ihre Geschäfte. Heute findet ein Bürgerdialog statt.

Wird bald der gesamte Mittelstreifen der Karl-Marx-Allee begrünt?
Wird bald der gesamte Mittelstreifen der Karl-Marx-Allee begrünt?Foto: imago/Rolf Zöllner

Seit zwei Jahren hat Ziber Seljami beinahe täglich verärgerte Kunden am Telefon. „Fast jeden Tag werden ganz kurzfristig Tische storniert“, sagt der Inhaber des italienischen Restaurant „A Mano“ am Strausberger Platz. Statt eines vollen Restaurants hat Seljami freie Tisch – und damit Umsatzeinbuße.

Die Ursache dafür liegt offenbar nicht in der Küche, sondern vor seiner Haustür. „Die suchen hier eine halbe Stunde einen Parkplatz, geben dann irgendwann entnervt auf und stornieren ihren Tisch.“

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Seit Januar 2018 wird die Karl-Marx-Allee zwischen Alexanderstraße und Strausberger Platz saniert. Aus sechs Autospuren werden vier. Die rund 170 Parkplätze auf dem Mittelstreifen sollen – nachträglich von der Verkehrsverwaltung in den Bauplan hinzugefügt – einer Grünfläche weichen. Seit die Pläne Anfang Dezember bekannt wurden, laufen Anwohner Sturm, und auch im Senat ist Streit entbrannt. Es geht um die Grundsatzfrage, wie Mobilität und Klimaschutz im urbanen Raum zusammengehen: Grünflächen oder Parkplätze? Am Montagabend hat Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) zum Bürgerdialog geladen.

„Irgendjemand nimmt uns immer die Parkplätze weg“

Für Ziber Seljami und andere Gewerbetreibende rund um die Karl-Marx-Allee geht es nicht um Grün oder Grau, sondern ums Geld. Schon früher sei es schwierig gewesen, in der Nähe des Restaurants Parkplätze zu finden. Seit Beginn der Bauarbeiten sei es nahezu unmöglich. „Wir leiden sehr unter der Baustelle“, sagt Seljami.

Grün statt grau: Die Parkplätze auf der Karl-Marx-Allee sollen weichen.
Grün statt grau: Die Parkplätze auf der Karl-Marx-Allee sollen weichen.Foto: Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr

Auch privat spüre er die Folgen der Baustelle. Seljami wohnt mit seiner Familie in der Schillingstraße, einen Parkplatz finden seine Frau und er nur selten ohne lange Suche. „Es ist wirklich nicht einfach hier“, sagt er und verweist auf besucherintensive Veranstaltungen in der Nachbarschaft: Kunden aus dem Alexa, Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz, Veranstaltungen im Café Moskau. „Irgendjemand nimmt uns immer die Parkplätze weg.“

Immer mehr Kunden kommen mit den Öffis

Im „Café Moskau“, denkmalgeschützter DDR-Bau und Veranstaltungsort für bis zu 1600 Gästen, sieht man die Diskussionen um den Mittelstreifen entspannt. „Wir sind alle Bahn-Fahrer“, sagt Unternehmenssprecher Benjamin Wolter. Man habe keine Angst vor einer Grünfläche. Seit Beginn der Bauarbeiten biete man bei Bedarf einen Shuttleservice, doch „fast alle Kunden“ würden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Den Ärger der Anwohner kann Wolter aber nachvollziehen. „Es ist enorm schwer hier einen Parkplatz zu finden.“

Direkt gegenüber, im „Kino International“ ist am Montagmittag noch kein Ansprechpartner zu erreichen. Dabei profitiert das Kino, das zur Yorck-Gruppe gehört, zumindest am Montagabend von der Mittelstreifen-Diskussion direkt vor der Haustür. Die Verkehrsverwaltung hat für ihren Bürgerdialog den großen Saal gemietet.

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