Streit um Wartungshalle am BER : Lufthansa prüft Rückzug aus Schönefeld

Das Hamburger Flugzeugwartungsunternehmen Lufthansa Technik (LHT) überprüft seine langfristige Präsenz am Standort Schönefeld.

Baustelle BER in Schönefeld. Mit der geplanten Eröffnung muss die Lufthansa Technik raus aus einer Halle. Ob sie eine neue bauen will, lässt sie derzeit offen.
Baustelle BER in Schönefeld. Mit der geplanten Eröffnung muss die Lufthansa Technik raus aus einer Halle. Ob sie eine neue bauen...Foto: AFP/John MacDougall

Anlass ist das Auslaufen eines Mietvertrages für einen Hangar, den die Lufthansa nach der Wende von der DDR-Staatsfluglinie Interflug übernommen hatte. Derzeit checken dort bis zu 450 Mitarbeiter Passagiermaschinen der Lufthansa-Gruppe (Lufthansa, Eurowings, Swiss und Austrian) und der Konkurrenz, darunter Easyjet. LHT unternimmt in Schönefeld auch umfangreiche Wartungen, bei denen die Jets mehrere Tage am Boden bleiben. Der Vertrag mit der Flughafengesellschaft (FBB) für die Halle läuft im Sommer 2020 aus und wird wohl nur bis Ende März 2021 verlängert, sagte Lufthansa-Technik-Sprecher Jens Krüger am Montag dem Tagesspiegel.

Die alte Halle soll nach der geplanten BER-Eröffnung im Oktober 2020 abgerissen werden, aber bisher konnten sich Mieter und Vermieter nicht über die Konditionen für eine neue Heimat auf dem Flughafengelände verständigen. Die Flughafengesellschaft bot Lufthansa unter anderem ein Erbbaurechtsvertrag an, damit das Unternehmen selbst eine neue Halle errichten kann. „Das erfordert eine Investition im mittleren zweistelligen Millionenbereich – und so lange wir nicht verlässlich wissen, wie sich der Flughafen entwickeln wird, und wir deshalb von unseren Kunden keine verbindlichen Auftragszusagen erhalten, wissen wir nicht, ob sich eine solche Investition lohnen kann“, sagte LHT-Sprecher Krüger dem Tagesspiegel am Montag.

Gewerkschaft macht Druck auf die Politik

Vor gut zwei Wochen hatte sein Unternehmen die Mitarbeiter in Schönefeld über diesen Konflikt formiert. Deren Gewerkschaft IGL drängte nun in „Offenen Briefen“ unter anderem an Ministerpräsident Dietmar Woidke und Berlins Regierenden Michael Müller (beide SPD) auf „schnellstmögliche Lösungen“, um „dem Luftfahrtstandort Berlin eine Perspektive zu bieten“.

Noch geben sich beide Seiten kompromissbereit, ein Verlust von einigen oder gar allen 450 LHT-Jobs am Standort ist lange nicht ausgemacht. „Natürlich wollen und werden wir in Berlin präsent sein – nur wie umfassend das sein wird, können wir derzeit noch nicht sagen“, sagte der Lufthansa-Sprecher. Dazu stehe man mit der Flughafengesellschaft in regelmäßigem Austausch. FBB-Sprecher Hannes Hönemann bestätigte dies und bekräftigte, dass man Lufthansa Technik gern am Standort halten wolle. Auch sehe er keinen direkten Zusammenhang mit der Debatte um die angeblich stiefmütterliche Behandlung der Hauptstadtregion durch die Lufthansa.

Mehr zum Thema

Lesen Sie auch: Berlin taugt doch für die Langstrecke.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

Autor

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben