Stummfilm-Kinokonzert in Berlin-Weißensee : Zurück in die 20er

Der Film „Die Büchse der Pandora“ von Frank Wedekind wird im alten Stummfilm-Kino Delphi aufgeführt - noch 1906 war das Buch verboten worden.

Nach Motiven zweier Wedekind-Stücke entstand 1929 G.W. Pabsts „Die Büchse der Pandora“ mit Louise Brooks.
Nach Motiven zweier Wedekind-Stücke entstand 1929 G.W. Pabsts „Die Büchse der Pandora“ mit Louise Brooks.Foto: Collection Christophel/Mauritius Images

Eine Amerikanerin als Star in einem deutschen Film? Vor 90 Jahren war das hierzulande noch ein Aufreger, von den Filmkritikern heftig und auch ablehnend diskutiert. Und dann dieser skandalöse Stoff! Hatte Frank Wedekind mit seinem Drama „Die Büchse der Pandora“ nicht schon genug Ärger gehabt wegen der „schier unerschöpflichen Fülle sexuellen Unrats“ besonders im zweiten Akt? 

So sah es jedenfalls das Landgericht II in Berlin, das die Buchausgabe des Stücks 1906 verboten, doch den Autor und seinen Verleger immerhin freigesprochen hatte, da ihnen der Charakter der Unzüchtigkeit nicht bewusst gewesen sei. Und nun kam der Stoff auch noch ins Kino?

Die Maßstäbe haben sich seither gewandelt. Niemand regt sich mehr über Wedekinds „Erdgeist“- und „Pandora“-Stoff und seine verführerische Heldin Lulu auf oder gar über G.W. Pabsts Stummfilm-Adaption „Die Büchse der Pandora“. Sie wurde in den Filmwerken Staaken, auf dem ehemaligen Luftschiffhafen, gedreht und hatte am 9. Februar 1929 im Gloria-Palast am Kurfürstendamm Uraufführung – mit Louise Brooks als verführerische Bubikopf-Schönheit, die die Männer umschwirrten wie Motten das Licht.

Konzert im ehemaligen Stummfilmkino Delphi

Am kommenden Wochenende kommt der Film erneut zur Aufführung, im ehemaligen Weißenseer Stummfilm-Kino Delphi, ein Projekt des Metropolis Orchesters Berlin unter der Leitung von Burkhard Götze. Eine Originalmusik ist nicht bekannt, es hat wohl auch nie eine gegeben. Gespielt wird daher eine Komposition des Fassbinder-Vertrauten Peer Raben, entstanden 1997 anlässlich einer Berlinale-Sondervorführung des Films.

Das in dessen Premierenjahr 1929 gebaute Kino hatte in der TV-Serie „Babylon Berlin“ als das Tanzcafé Moka Efti in der Friedrichstraße gedient. Einer der Stars war die Schauspielerin Fritzi Haberlandt, die den Filmabend präsentieren wird. Für das Zwanziger-Jahre-Ambiente sorgt Else Edelstahls „Gesellschaft für mondäne Unterhaltung“, die ihre Party-Reihe „Bohème Sauvage“ als „Hommage an das Partyleben der zwanziger Jahre“ versteht. Als weiterer Partner ist die Agentur Zeitreisen dabei, die zur Filmvorführung, aber auch separat zu buchen, eine Video-Busrundfahrt zum Jahr 1929 und zu den Drehorten von „Babylon Berlin“ anbietet, einschließlich Besuch des „Delphi“.

Das Stummfilm-Kinokonzert findet am 6. April, 19.30 Uhr, im Theater im Delphi, Gustav-Adolf-Straße 2 in Weißensee, statt. Tickets unter delphi.reservix.de und Tel. 01806 700 733. Zeitreisen-Tickets unter videosightseeing.de oder Tel. 44024450

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